Wall Street
Was wird aus Goldman?

Es gibt noch einige graue Eminenzen bei Goldman Sachs, die sich an 1994 erinnern. Damals hatte die Schlappe am Anleihemarkt die Partner der Investmentbank dazu gezwungen, in die eigene Tasche zu greifen, um sie über Wasser zu halten. Wird es diesmal wieder so kommen oder verschwindet Goldman gar von der Börse?

Es gibt noch einige graue Eminenzen bei Goldman Sachs, die sich an 1994 erinnern. Damals hatte die Schlappe am Anleihemarkt die Partner der Investmentbank dazu gezwungen, in die eigene Tasche zu greifen, um sie über Wasser zu halten. Während jetzt der Aktienkurs der Firma von der diesjährigen Grippewelle an den Finanzmärkten gebeutelt worden ist, fragen sich deshalb einige Beobachter, ob Goldman Sachs diese Geschichte noch einmal neu auflegen und vielleicht sogar so weit gehen sollte, das Unternehmen wieder vom Kurszettel zu nehmen. Die Antwort lautet: Nein.

Sich auszumalen, dass Goldman wieder in eine Partnerschaft zurückgeführt werden könnte, ist verführerisch. Schließlich wird die Firma immer noch wie eine solche geführt. Und keine andere Wall Street-Firma kennt sich so gut in der Kunst aus, Unternehmen von der Börse zu nehmen, wie Goldman. Darüber hinaus kann man es sich leicht vorstellen, dass, eben genau wegen der stark ausgeprägten Kultur des Unternehmens, die Firma ihre derzeitigen Mitarbeiter davon überzeugen könnte, dem Zug ihres Geldes zu folgen, während sie bei den Partnern den Hut herumgehen lässt, die seit dem Börsengang 1999 abgegangen sind.

Auf viele ehemalige Mitarbeiter - selbst auf einige, die 1994, wie US-Finanzminister Hank Paulson und der Merrill Lynch-Boss John Thain, an ihre Kapitalkonten gegangen waren - könnte vermutlich Verlass sein, dass sie einspringen. Auch Ehemalige wie der Hedge Fonds-Chef Richard Perry würden sich sicher nicht lumpen lassen. Oder etwa einige der Partnerinstitute, in die Goldman investiert hat, wie Sumitomo oder die chinesische ICBC.

Aber diese Überlegungen gehen davon aus, dass die heutige Goldman der von 1994 ähnlich ist. Das ist sie nicht. Goldman braucht jetzt permanent Zugang zu Kapital, wie ihn ihr früheres Selbst nie benötigt hatte. Die Firma muss eine Bilanz über eine Bill. Dollar stützen - sie ist um ein Mehrfaches größer als ihre 1994er Version. Und die Bank muss regelmäßig an die Kreditmärkte herantreten

und dies in einer Weise, wie es ihr in der Form einer privaten Partnerschaft nie möglich wäre.

Sicher, sich von der Börse abzuwenden, würde endlich Schluss machen mit diesem ständig rot aufblinkenden Pfeil, der einen fallenden Aktienkurs signalisiert. Aber Goldman wäre auch dann immer noch tagein, tagaus auf das Vertrauen der Gläubiger auf den Kredit- und Geldmärkten angewiesen, um Geschäfte zu machen. Den Aktienticker zu beseitigen, wird einen Run auf eine Bank nicht abwenden. Und eigentlich passiert genau dies gerade auf den von Panik regierten Märkten.

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