Wandelanleihen
Nicht so aggressiv, bitte

Tui und Salzgitter lieferten sich in einem lebhaften Geschäft für Neuemissionen von Wandelanleihen ein Gefecht. Trotz der im Vergleich schwächeren Bilanz des Reiseveranstalters war dessen Emission aufgrund der gut kalkulierten Preisgestaltung erfolgreicher. Im Land der Wandelanleihen kommen Bonitätsbewertungen mit höherem Risiko wieder einmal gut an – wenn man genug dafür hinlegt.
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Anfang des Jahres waren hoch kapitalisierte Unternehmen mit einer erstklassigen Bonitätseinstufung noch völlig unter sich, wenn es darum ging, dem sich erholenden Markt für Wandelanleihen zu trotzen. Doch jetzt schließen sich ihnen Emittenten an, deren Bilanzen sich in höchst unterschiedlicher Verfassung befinden.

Die Wandelanleihe der in Großbritannien notierten Tui Travel verstärkt diesen Trend. Auch wenn der Reiseveranstalter am Dienstag gegen eine konkurrierende Emission des Stahlherstellers Salzgitter antreten musste, wurde sein Angebot vom Markt erfolgreich absorbiert. Tui erlöst damit 50 Mio. Pfund Sterling mehr als die zunächst anvisierten 300 Mio. Pfund.

Zugegebenermaßen zahlt der Eigentümer des führenden britischen Pauschalreisenanbieters einen hohen Preis für sein Kapital. Der Kupon der Anleihe liegt bei sechs Prozent. Über die Laufzeit der Titel von fünf Jahren wird dies die Investoren für den 33prozentigen Aufschlag nahezu entschädigen, den sie für die Umwandlung des Bonds in Aktien von Tui Travel zahlen.

Salzgitter hat bei seinem Debüt auf dem öffentlichen Markt für Schuldtitel den gegenteiligen Ansatz gewählt. Die Wandelanleihe des Stahlherstellers kommt mit einem Kupon von mageren 1,125 Prozent. Das ist ehrgeizig, auch wenn die Gruppe eine leicht niedrigere Wandlungsprämie von 25 Prozent bietet und sich ihre Bilanz solider präsentiert.

Mit 1,4 Mrd. Euro Cash auf der Bank und ohne nennenswerte Verbindlichkeiten war Salzgitter vielleicht der Ansicht, beim Preis mit harten Bandagen kämpfen zu können. Zudem ist der Stahlproduzent auch nicht dringend auf die Mittel angewiesen. Die Emission scheint ein weiteres Beispiel für die Tendenz unter europäischen Unternehmen zu sein, sich opportunistisch der Märkte zu bedienen, während die Finanzierung durch die Banken immer noch eingeschränkt ist.

Dass die Emission von Tui Travel so gut ankam, lässt sich aber nicht allein auf den Preis zurückführen. Das Unternehmen lieferte auch plausible Gründe dafür, zu welchem Ende der Erlös eingesetzt werden soll: für die Rückzahlung eines Gesellschafterdarlehens an die deutsche Muttergesellschaft Tui AG und für ausgewählte ergänzende Akquisitionen. Salzgitter teilte etwas phantasielos nur mit, das Geld "für allgemeine Unternehmenszwecke" verwenden zu wollen.

Das Urteil des Aktienmarkts scheint richtig zu sein: Tui Travel-Aktien fielen um 0,5 Prozent und Salzgitter-Papiere wurden mit einem Minus von 2,5 Prozent abgestraft. Aber da der britische Deal proportional zur Marktkapitalisierung des Unternehmens größer war, hätten die Aktien des Unternehmens theoretisch stärker in Mitleidenschaft gezogen werden müssen. Bei all dem Gerede um spekulative Blasen ist es gut zu sehen, dass die Investoren einer überzogen aggressiven Preisgestaltung immer noch widerstehen können.

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