Warburg Pincus
Ein neuer Anlauf

Wird Webster Financial zur neuen MBIA von Warburg Pincus? Die Beteiligungsgesellschaft hatte bei ihrer Wette auf den Anleiheversicherer MBIA rund 600 Mill. Dollar verloren. Jetzt wagt sie sich mit einer moderaten Investition in Webster Financial vorsichtig wieder in den Bereich Finanzdienstleistungen zurück.
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Wird Webster Financial zur neuen MBIA von Warburg Pincus? Die US-Beteiligungsgesellschaft hatte bei ihrer Wette auf den Anleiheversicherer MBIA etwa 600 Mill. Dollar verloren. Jetzt wagt sie sich mit einer moderaten Investition in Webster Financial, einer Bank aus Connecticut, vorsichtig wieder in den Bereich Finanzdienstleistungen zurück. Einige Aspekte der Abschlüsse ähneln sich. Aber zum Glück für ihre Investoren befindet das jüngste Übernahmeziel von Warburg in einer stärkeren Verfassung und die Wahl des Zeitpunkts scheint besser zu sein.

Die Investition von Warburg in MBIA war eine einzige Katastrophe. Die Private Equity-Firma hatte dem Kreditversicherer Ende 2007 rund 500 Mill. Dollar zugeführt und musste diesen Betrag als Teil der ursprünglichen Übereinkunft ein paar Monate später um weitere 300 Mill. Dollar aufstocken. Nach der zweiten Investition brach Lehman Brothers zusammen und die Bondversicherer mussten schwere Schläge einstecken. Der Anteil von Warburg an MBIA büßte etwa 75 Prozent seines Werts ein. Damit Warburg hier aus den roten Zahlen kommt, muss sich der Wert des Anteils vervierfachen.

Besonders was die Struktur angeht, weist der Abschluss von Warburg mit Webster Ähnlichkeiten zum MBIA-Deal auf. Warburg zahlt einen Aufschlag für die Webster-Aktien. Damit unterscheidet sich das Vorgehen von anderen Bankenrekapitalisierungen. Die nicht von Erfolg gekrönte Übernahme eines Anteils an Washington Mututal durch TPG, zum Beispiel, war zu einem Abschlag erfolgt. Aber Warburg wird Warrants erhalten, die bereits im Geld sind. Zudem hat sich Webster, wie MBIA, mit einer Vorkehrung einverstanden erklärt, die die derzeitigen Aktionäre abstraft, wenn sie der Transaktion nicht zustimmen.

Doch Webster scheint nicht mit den gleichen Risiken behaftet zu sein wie MBIA. Die Bank hat jüngst ein Tauschangebot abgeschlossen, das das Verhältnis ihrer um immaterielle Vermögenswerte bereinigten Stammaktiva zum Stammkapital auf sehr sichere 4,92 Prozent angehoben hat. Mit der Investition von Warburg würde diese Kennzahl auf 5,57 Prozent stiegen, rechnet Barclays vor.

Also muss die Investition von Warburg nicht dafür herhalten, eine angeschlagene Firma zu stützen. Vielmehr versetzt sie Webster in eine gute Ausgangslage, von den Schwierigkeiten der Konkurrenten zu profitieren, indem sie Kunden abziehen oder Vermögenswerte kaufen kann. Außerdem wurde ein erfahrener Manager eingesetzt - David Coulter, eine ehemalige Führungskraft der Bank of America -, der die Investition aus dem Blickwinkel des Board von Webster im Auge behalten soll.

Natürlich ist Webster nicht perfekt. Barclays verweist darauf, dass eine Verschlechterung bei den Vermögenswerten von Webster über 17,5 Mrd. Dollar - darunter Vermögenswerte, die sich auf Hypotheken für Wohnimmobilien beziehen, über drei Mrd. Dollar -, nach wie vor Anlass zur Sorge gibt. Aber Warburg hatte über ein Jahr Zeit, aus dem MBIA-Debakel zu lernen, und hat auch andere Banken unter die Lupe genommen. Größere Probleme werden der Aufmerksamkeit der Warburg-Manager nun wohl nicht mehr entgleiten.

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