Warren Buffett
Erleuchtetes Eigeninteresse

Der „Weise aus Omaha“ bietet den Kreditversicherern an, zwei Drittel ihrer Engagements in Kommunalobligationen rückzuversichern. Das klingt nach einer Rettung? Nun, das auch wieder nicht, denn die Monolines würden wahrscheinlich aus dem Geschäft gedrängt. Buffett würde ihre sicheren Wetten einsacken und sie auf den Risiken aus den vergifteten strukturierten Finanzprodukten sitzen lassen. Seine eigene neue Kreditversicherung wäre der große Gewinner.

Nach den Worten von Warren Buffett ist sein Angebot, Engagements der Kreditversicherer bei US-Kommunalobligationen über 800 Mrd. Dollar rückzuversichern, nicht dazu gedacht, ihm Punkte einzubringen, wenn er am Himmelstor vor Petrus hintritt. Das ist möglicherweise auch besser so, denn es ist nicht ganz klar, was Petrus von dem teuflisch cleveren Plan des Investors halten würde.

Der „Weise von Omaha“ wird als Held gepriesen, weil er den drei führenden Monolines ein Angebot gemacht hat, das zunächst wie ein Rettungsring aussieht. Tatsächlich aber könnte das Vorhaben, wenn die Kreditversicherer denn anbeißen, ihren Niedergang beschleunigen, – und dem neuen Bond-Versicherer von Buffett dazu verhelfen, sich den Löwenanteil an den erstklassigen Vermögenswerten in diesem Markt zu sichern.

Die Kreditversicherer stützen Kommunalobligationen über rund 1,2 Bill. Dollar. Das entspricht in etwa der Hälfte ihrer Gesamtengagements. Der Rest besteht aus einer Kombination von Versicherungen auf Unternehmensanleihen, auf Bonds, die durch Gewerbeimmobilien besichert sind, und auf Collateralised Debt Obligations (CDOs), die Quelle ihrer derzeitigen Leiden. Die Policen auf die Kommunalobligationen stellen die besten Vermögenswerte des Sektors dar. Sie tragen ein extrem niedriges Risiko – die historische Ausfallquote dieser Schuldtitel liegt bei unter einem Prozent – und sie sind eine stetige Quelle für Prämieneinnahmen.

Jetzt ist eine Rückversicherung an sich keine schlechte Sache. So erwartet sich MBIA zum Beispiel eine Kapitalersparnis über mehr als 150 Mill. Dollar aus der bestehenden Rückversicherung eines Teils seines Portfolios. Aber die Offerte von Buffett spielt sich in ganz anderen Sphären ab. Er würde zwei Drittel des Engagements der Kreditversicherer bei Kommunalobligationen abgreifen und dann den größten Teil der Prämieneinnahmen aus diesen Policen kassieren.

Sicher würde Buffetts Vorstoß die Verbindlichkeiten wertmäßig reduzieren, die auf den winzigen Kapitalsockeln der Monolines thronen. Aber sie würden auf fast allen der riskantesten Vermögenswerte – konzentriert in ihren CDO-Engagements – sitzen bleiben. Die Kreditversicherer würden eine stetig sprudelnde Einnahmenquelle aufgeben und hinsichtlich einer Risikominderung fast nichts zurückbekommen. Wenn eine Rückstufung ihrer Bonitätsbewertung – oder deren Androhung – weiterhin ihr Neugeschäft behindert, dann würden sie diese Einnahmen sehr vermissen.

In der Zwischenzeit hätte Buffetts Landnahme aber schon wie eine gewaltige Starthilfe für das neue Monoline-Geschäft von Berkshire Hathaway gewirkt. Drei seiner Hauptkonkurrenten hätte er glatt ausgeschaltet. Der Schritt würde wahrscheinlich den Investoren von Kommunalobligationen helfen, deren Kredite Buffett rückversichert. Aber die Aktionäre der Kreditversicherer und die Wall Street-Banken, die mit denen sie Geschäfte machen, könnten Prügel beziehen.

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