Was vom Tage bleibt

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Florian Kolf - Was vom Tage bleibt: Bittere Abschiede und zerlegte Hoffnungen

Auch Legenden haben zuweilen begrenzte Haltbarkeit. Das musste heute nicht nur die WestLB erfahren, sondern auch Ex-Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz. Ein versönliches Jahresende dagegen könnte den Anlegern bevorstehen.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.
Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Guten Abend,

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im Rheinland ist der erste Schnee gefallen, der Winter ist endlich da - und mit dem nahenden Jahresende wird immer klarer, wer Abschied nehmen muss und was zu Ende geht.

Die WestLB wird zerlegt

Amtlich ist seit heute das Ende der einst so ruhmreichen WestLB, die EU-Kommission hat ihre Zerschlagung besiegelt. Nun kann die Landesbank, die eine der größten Deutschlands war, wie geplant zerlegt werden. War sie lange Jahre ein stolzer Vertreter Nordrhein-Westfalens in der Welt, steht sie nun symbolisch für Größenwahn gepaart mit wirtschaftlichem Unvermögen der Verantwortlichen. Man sollte mitten in Düsseldorf ein Mahnmal errichten, das immer daran erinnert, dass politische Einflussnahme auf Entscheidungen eines Kreditinstituts böse enden können.

Verkaufspläne der Telekom scheitern

Abrupt beendet wurden heute auch die letzten Hoffnungen von Telekom-Chef Rene Obermann, eine Lösung für die unprofitable US-Tochter des Konzerns zu finden. Der US-Telefonriese AT&T hat den geplanten Kauf von T-Mobile USA wegen des massiven Widerstands der Behörden endgültig abgesagt. AT&T muss nun eine milliardenschwere Entschädigung leisten, die die Amerikaner der Telekom für den Fall eines Scheiterns versprochen hatten. Doch die Sorgen von Obermann lindert das kaum. Denn zum einen war der Erlös aus dem Verkauf intern schon verplant. Und was noch schlimmer ist: Eine alternative Lösung für die US-Tochter zu finden ist eine Herkulesaufgabe.

Thyssen-Krupp prüft Klage gegen den "Eisernen Ekki"

Einen ganz bitteren Abschied bekommt jetzt die Thyssen-Krupp-Legende Ekkehard Schulz. Einst gefeierter Chef des Unternehmens wird ihm jetzt das Desaster mit den Milliardenabschreibungen beim neuen Stahlwerk in Brasilien zum Verhängnis. Erst hatte ihn der mächtige Stiftungsvorsitzende Berthold Beitz zum Rückzug aus dem Aufsichtsrat gedrängt. Nun prüft das Unternehmen sogar eine Schadenersatzklage gegen Schulz. Als "Eiserner Ekki" hatte er einst die Fusion von Thyssen und Krupp mit preußischer Disziplin durchgezogen - jetzt bröckelt sein Denkmal.

Im Glassarg liegt nicht Schneewittchen

Auf seine ganz eigene dramatische Art inszeniert das nordkoreanische Regime den Abschied vom verstorbenen Diktator Kim Jong Il. Hatte es gestern schon Videoaufnahmen präsentiert, die herzzerreißend schluchzende Bürger in Trauer um ihren "Geliebten Führer" zeigten, bahrte sie Kim Jong Il heute einbalsamiert im Glassarg auf - eine Ehre, die in Deutschland eher an Schneewittchen erinnert. Eine elftägige Staatstrauer ist bei dem in Nordkorea gepflegten Personenkult um den Führer das mindeste. Bleibt nur zu hoffen, dass sein Sohn und designierter Nachfolger Kim Jong Un zur Beerdigung nicht weitere Mittelstreckenraketen verschießt.

Dax visiert ein gutes Jahresende an

Den Abschied vom Jahr versüßen will offenbar der Dax den Anlegern. Nach einem überraschend positiven ifo-Geschäftsklimaindex sprang er heute um drei Prozent nach oben. Wird es etwa doch noch etwas mit der schon fast abgesagten Jahresendrally? Da auch die Aussichten auf das Konsumklima für das kommende Jahr nach Umfragen der GfK passabel aussehen, kann man sich ja mal wieder ein bisschen Hoffnung gönnen. Zumindest bis die nächste Ratingagentur zuschlägt.

Was fehlt? Der Ältestenrat des niedersächsischen Landtages wollte sich heute mit den Vorwürfen gegen den heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff beschäftigen. Doch CDU und FDP haben dafür gesorgt, dass die Sitzung ergebnislos abgebrochen wurde. Aber eins ist klar: In dieser Posse ist ein Ende noch nicht abzusehen.

Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Feierabend,

Florian Kolf

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