Florian Kolf - Was vom Tage bleibt: Peter - und nicht der Wulff

Florian Kolf - Was vom Tage bleibt
Peter - und nicht der Wulff

Den ganzen Tag beherrscht Deutschland nur eine Personalie: Tritt der Bundespräsident zurück? Dann aber überrascht die EZB mit einer ganz anderen Personalentscheidung. Und der Gewinner ist: Ein deutscher Belgier.
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Einen guten Abend,

Mario Draghi überrascht

Ein Paukenschlag am Abend: Nicht der Deutsche Jörg Asmussen wird EZB-Chefvolkswirt, auch nicht sein französischer Konkurrent Benoît Coeuré. Überraschend macht der Belgier Peter Praet das Rennen. Den hatte keiner auf dem Zettel - auch wenn er in Deutschland geboren wurde. Dem EZB-Chef Mario Draghi ist damit ein ganz kluger Schachzug gelungen. Nicht nur hat er fast salomonisch im Streit zwischen Deutschland und Frankreich entschieden. Auch hat er unerwartet Eigenständigkeit gezeigt - und deutlich gemacht, dass die Ressortverteilung innerhalb des EZB-Direktoriums keine politische Entscheidung starker EU-Staaten ist. Und ganz nebenbei hat er keine Notlösung gewählt, sondern einen anerkannten Fachmann zum EZB-Chefvolkswirt gemacht. Mehr kann man nicht erwarten.

Angela Merkel zittert

Während in der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff immer neue unappetitliche Details auftauchen, wird die ganze Geschichte immer mehr zum echten Dilemma für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Je länger die Diskussion um Wulff läuft, desto mehr leidet auch ihr Image. Schließlich wäre Wulff ohne ihren tatkräftigen Einsatz nicht in das höchste Amt des Staates gelangt. Ein Rücktritt von Wulff aber käme Merkel auch nicht wirklich gelegen. Denn Schwarz-Gelb hat in der Bundesversammlung nur noch eine ganz hauchdünne Mehrheit. So kann sie entweder eine peinliche Niederlage riskieren oder sich mit der SPD auf einen Kompromisskandidaten einigen. Pest oder Cholera. denn beides würde die Opposition als Erfolg verbuchen.

Rossmann holt auf

Ein Machtwechsel deutet sich in der Drogeriebranche an. Neben dem eigentlichen Branchenstar dm hat sich still und heimlich Rossmann nach oben gearbeitet und jetzt die Fünf-Milliarden-Grenze beim Umsatz überschritten. So ganz ohne Theater, Triumphe und Skandale. Verlierer ist dagegen der bisherige Marktführer Schlecker. Der glänzte nicht nur mit Skandalen um Dumpinglöhne und Bespitzelung von Mitarbeitern. Offenbar kam auch schlechtes Management und unkontrollierte Expansion dazu. Jetzt schließt er Filiale um Filiale. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die Konkurrenz vorbeizieht.

Ramsauer wird ausgebremst

Einen echten Schildbürgerstreich hat sich Verkehrsminister Ramsauer erlaubt. Er hat jetzt den Feldversuch mit den umstrittenen Riesen-LKWs, den sogenannten Gigalinern, gestartet. Das Problem dabei: Wichtige Transferländer wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg machen nicht mit. An deren Grenzen müssen die Monster-Trucks jetzt umdrehen. Die Bewohner dieser Bundesländer wird es freuen, wenn sie dem zusätzlichen Verkehrslärm entgehen. Der ganze Test aber wird damit zur Farce.

Was fehlt? Wegen des milden Winters hat die Pollensaison in Deutschland dieses Jahr ungewöhnlich früh begonnen. Bereits Ende Dezember wurden an mehreren Orten in Deutschland die ersten Hasel- und Erlenpollen gesichtet. Dann hat Merkel jetzt wenigstens eine gute Ausrede, wenn sie verschnupft reagiert. Und muss nicht zugeben, dass sie wohl doch eher allergisch auf Wulff oder Draghi reagiert.

Ich wünsche Ihnen einen Feierabend ohne Schnupfen - und ohne Verkehrslärm

Florian Kolf

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Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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  • Was für ein Volk…

    Was für Politiker…

    Oh mein Gott!

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