Florian Kolf
Was vom Tage übrig bleibt

Zum Karnevalsauftakt spielt nicht nur Standard & Poor's verrückt. Auch wenn alle sparen müssen - für Plattenlabel und Satelliten ist noch Geld da.
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„Fott es fott"

Gerade am offiziellen Beginn der Karnevalssession, am 11.11. 2011, scheint es mehr denn je, als ob Europas Regierungen nach dem „Rheinischen Grundgesetz“ handeln: „Et kütt wie et kütt“ (es kommt wie es kommt) und insbesondere „Fott es fott“ (weg ist weg) könnte das Motto nicht nur in Italien und Griechenland heißen. Auch die Bundesregegierung hat heute in der Haushaltsdebatte vehement verteidigt, dass sie im kommenden Jahr wieder mehr Schulden machen will als dieses Jahr – 26 Milliarden Euro. Da kann ich nicht mehr glauben, dass ein anderer Paragraf des Rheinischen Grundgesetzes weiterhin Gültigkeit hat: „Et hätt noch immer joot jejange“ (Es ist noch immer gut gegangen).

 

Standard & Poor's schießt Eigentor

Zu heftig in den Karneval hineingefeiert hat offenbar ein Mitarbeiter der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P). Anders als mit Volltrunkenheit ist dieser kapitale Fehler nicht zu erklären, der gestern Abend kurz die Märkte erschütterte. Irrtümlich hat die Agentur vermeldet, sie habe die Bonität von Frankreich herabgestuft. Mit einer Entschuldigung für die Falschmeldung ist es nicht getan. Die Rufe nach einer stärkeren Regulierung werden nun lauter. Ein klassisches Eigentor von S&P.

 

Italien will endlich sparen

Immerhin, ein wichtiger Schritt bei der Bewältigung der Schuldenkrise ist getan. Das italienische Oberhaus, der Senat, hat heute den Sparvorschlägen der Regierung zugestimmt. Mit abgestimmt hat Mario Monti, der wahrscheinlich künftige Chef der geplanten Übergangsregierung. Er ist seit heute Senator auf Lebenszeit. Jetzt müssen die Sparpläne nur noch morgen vom Abgeordnetenhaus abgesegnet werden. Noch-Regierungschef Silvio Berlusconi hat angekündigt, zurückzutreten, wenn das Paket durch ist. Viele drücken schon aus dem Grund dem Reformprojekt die Daumen.

 

Allianz muss Federn lassen

Auf eine Beruhigung der Euro-Krise hofft auch die Führung der Allianz. Fast 80 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum hat der Versicherer im dritten Quartal verdient. Bei lediglich 258 Millionen Euro lag der Gewinn, Analysten hatten mit rund 550 Millionen Euro gerechnet. Auf griechische Staatsanleihen hat die Allianz bereits massiv abgeschrieben, in Italien schiebt sie weitere Milliardenlasten vor sich her. Auch da gilt wohl: „Fott es fott“.

 

Neue Heimat für Kate Perry und Coldplay

Die gute Nachricht des Tages: Für eine Ikone des Musikgeschäfts, das traditionelle Plattenlabel EMI, zeichnet sich eine zukunftsfähige Lösung ab. Nach monatelangem Ringen teilen sich Universal Music und ein Konsortium unter Führung von Sony das Geschäft des Unternehmens auf, das Künstler wie Kate Perry oder Coldplay unter Vertrag hat. Und der kolportierte Preis von mehr als vier Milliarden Dollar zeigt, dass das Musikgeschäft offenbar doch nicht so tot ist, wie uns viele glauben machen möchten.

Enttarnt im Netz

Wer immer noch der irrigen Annahme ist, er sei im Netz anonym unterwegs, der bekam heute noch einmal vor Augen geführt, welche Folgen selbst die so harmlos und flüchtig scheinenden Äußerungen über den Kurznachrichtendienst Twitter haben können. Ein Richter aus Alexandria im US-Bundesstaat Virginia entschied jetzt, dass Twitter personenbezogene Daten von drei Nutzern an das US-Justizministerium übergeben muss. Das Ministerium verlangte die Daten für eine Ermittlung gegen die Plattform Wikileaks. Bürger schützt eure Daten!

 

Was fehlt? Die russische Mars-Sonde Phobos-Grunt wird wohl unverrichteter Dinge auf die Erde zurückstürzen. Mal abgesehen von den umgerechnet 120 Millionen Euro, die umsonst verschossen wurden, machen den Wissenschaftlern besonders die giftigen Stoffe an Bord Sorgen. Als wenn wir mit den Bankbilanzen nicht schon genug Giftmüll zu entsorgen hätten.

 

Ich wünsche Ihnen – je nach Neigung – einen guten Start in die Karnevalszeit oder ein erholsames Wochenende

Florian Kolf

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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