Oliver Stock - was vom Tage bleibt
Der Patriarch, der Euro und die Allianz

Bei ThyssenKrupp entscheidet der Alte, dass nichts beim Alten bleibt. Die Allianz spielt den Blues. Wer dennoch Spaß haben will, dem hilft nur Eines: Ab ins Netz und Privatfotos vom Facebook-Gründer Zuckerberg anschauen!
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Guten Abend Ihnen allen,

Der Patriarch hat gesprochen

 

Die Nachrichtenagentur schreibt es so: „Nach der immer lauter gewordenen Kritik an den Milliardenverlusten von ThyssenKrupp in Übersee zieht sich Ex-Chef Ekkehard Schulz aus dem Aufsichtsrat zurück.“ Hinter diesen dürren Worten steckt ein Drama, das sich bei Deutschlands traditionsreichstem Stahlkocher zugetragen hat: Schulz, den Mitarbeiter den „eisernen Ekki“ nennen, war erst vor elf Monaten vom Chefsessel in den Aufsichtsrat gewechselt. Unter seiner Ägide wurden die Stahlwerke in den USA und Brasilien geplant, die nun Milliardenverluste einfahren, weil sie nicht laufen, wie sie sollen. Deswegen ging er. Schulz legt auch seinen Posten in dem Kuratorium der Krupp-Stiftung nieder. Diese hält gut 25 Prozent an ThyssenKrupp und gilt als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme. An ihrer Spitze steht ein Mann, ohne dessen Zustimmung in dem Unternehmen mit weltweit 180.000 Beschäftigten nichts läuft: Konzernlegende Berthold Beitz. Der 97jährige Patriarch dürfte auch über Ekkis Zukunft das letzte Wort gesprochen haben.

 

Rettung nach dem Abendessen

 

Ein Abendessen morgen, und dann wird am Freitag der Euro gerettet, von dem alle Beteiligten behaupten, er sei nicht in einer Krise, sondern nur die hochverschuldeten Schuldenländer an seinem Rand. Und am Samstag sind dann wieder alle daheim. Unsere Sehnsucht nach so einem Gipfel, nach einem großen Wurf, ist groß. Und die Ratingagentur S&P hat dafür gesorgt, dass sie noch größer wurde. Allein - es wird so nicht kommen. Das bevorstehende Treffen der EU-Landeschefs wird ein hartes Ringen. Es wird noch härter, wenn es dann daran geht, eventuelle Gipfelbeschlüsse in nationales Recht umzuwandeln. Und das alles passiert unter dem Trommelfeuer der Märkte . . .

 

Mal wieder gut gegangen

 

Wenn es nichts wird mit der Euro-Rettung, ist das für ein Land am wenigsten schlimm: für Deutschland. Wir jedenfalls können uns offenbar doch noch Geld bei anderen borgen. Die verpatzte Anleihen-Auktion von Ende November ist seit heute Geschichte. Bei der Aufstockung einer fünfjährigen Anleihe wurden fast 4,1 Milliarden Euro eingenommen. Die Nachfrage der Investoren übertraf das Angebot um das 2,1-Fache, die vorangegangene Auktion war nur 1,5-fach überzeichnet. Alles gut? Nein – denn es gilt: Geschichte wiederholt sich zwar nie genauso, aber manchmal fast genauso.

 

Da ist sie, die Krise in meiner Geldbörse

 

Und dass wir bereits im Krisenmodus leben, hat uns heute die Allianz mitgeteilt. Der Marktführer in Sachen Lebensversicherungen senkte die Überschussbeteiligung auf 4,0 Prozent. Festverzinsliche Wertpapiere würfen nicht mehr genug ab, um mehr auszuschütten zu können, lautete die Begründung, die zur Folge hat, dass unsere Altersvorsorge zusammenschnurrt, weil vorhergehende Generationen - und auch die jetzige - über ihre Verhältnisse leben.

 

Zuckerberg, ganz privat

 

Ein ganz klein wenig Schadenfreude gönnen wir uns zu guter Letzt: Von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sind Bilder im Netz aufgetaucht, die ihn ziemlich verwackelt und ziemlich albern und ziemlich privat zeigen. Dahinter steckt eine Facebook-Panne. Genau so eine, über die tausende von Facebook-Nutzern schon mal gestolpert sind, aber deswegen von Seiten des Unternehmens nur ein Schulterzucken geerntet haben. Seit heute besteht für uns alle Hoffnung: Denn ab jetzt macht der Chef selbst Druck, dass Daten nur die erreichen, die sie etwas angehen.

 

Einen freudigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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