Oliver Stock - was vom Tage bleibt
Neues von alten Bekannten

Was ist spannender als Menschen? Zumal am letzten Tag eines Börsenjahres, von dem wir Anleger uns mit Schaudern abwenden. Für heute bleiben einmal nur die folgenden Personalien.
  • 0

Guten Abend Ihnen allen,

Roter Teppich für Guttenberg

Wetten in einem Jahr um diese Zeit ist dieser Mann immer noch eine Zeile wert? Die CSU jedenfalls rollt ihrem gescheiterten Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den roten Teppich aus: Parteichef Horst Seehofer sagte heute, er wolle sich „sehr darum bemühen, dass wir zu gegebener Zeit den Karl-Theodor wieder auch für eine aktive Rolle in der CSU gewinnen“. Zwar seien die jüngsten Wortmeldungen des Ex-Ministers „nicht sehr hilfreich“ gewesen - auch nicht für die CSU. Guttenberg hatte jüngst gesagt, was er von der CSU hält: Es sei „nur noch wie die Verhöhnung früherer Träume“, wenn sie sich bei ihren Wahlergebnissen als Volkspartei bezeichne. "Trotzdem darf man hier nicht nachtreten“, sagt jetzt Seehofer. Lieber Herr Seehofer - das will ja auch niemand.

Aber eine bisschen Vorsicht vor dem politischen Supertalent sollten Sie walten lassen.

Strauß Junior platzt der Kragen

Sie könnten, lieber Herr Seehofer, ansonsten auch auf anderes bewährtes CSU-Personal zurückgreifen. Max Josef Strauß zum Beispiel. Den Vater hätten wir ja gern gehört, aber nun ist immerhin dem Sohn des großen Verstorbenen der Kragen geplatzt. Monatelang hat er still ertragen, wie Griechenland ein ums andere Mal vom deutschen Steuerzahler und ein paar anderen gerettet werden musste. Nun macht er seinem Ärger Luft - via Facebook: „Jetzt kommt das, was zu erwarten stand: In Griechenland ändert sich nichts, und die EU legt unter kräftiger Beteiligung Deutschlands Hunderte von Milliarden Euro für das Desaster hin“, postet er da. Lustig daran ist, dass diese Einschätzung von jenem Mann kommt, der jahrelang als einer der größten Steueroptimierer in der Bundesrepublik gegolten hat.

Die Kredite des Herrn Wulff

Ich darf an dieser Stelle mal eine Pressemitteilung von heute Nachmittag zur Causa Wulff zitieren. Sie stammt von der Baden-Württemberg-Bank, wo der Bundespräsident seinen umstrittenen Hauskredit laufen hat. Sie geht so: "Herr Wulff hat sich im Herbst 2009 telefonisch bei der BW-Bank gemeldet auf Empfehlung von Herrn Egon Geerkens. Dem ging ein Gespräch von Herrn Geerkens mit einem Kundenberater der BW-Bank voraus. Am 21.03.2010 wurde der erste Darlehensvertrag mit Herrn Christian Wulff abgeschlossen. Dieser bisher kurzfristig refinanzierte Geldmarktkredit wurde in ein langfristiges Darlehen geändert. Der entsprechende Vertrag wurde am 12.12.2011 an Herrn Wulff von der BW-Bank unterschrieben versandt. Dieser wurde von Herrn Wulff am 21.12.2011 unterschrieben und ging am 27.12.2011 bei der BW-Bank ein. Die Ausreichung erfolgt am 16.01.2012. Es besteht ein üblicher Tilgungsplan. Die Darlehensgewährung ist voll besichert. Bei der Vergabe der Darlehen war der Aufsichtsrat und der Vorstand der BW-Bank entsprechend der internen Kompetenzordnung nicht eingebunden." Wir von Handelsblatt Online haben vorhin nachgefragt: Was ist ein kurzfristig refinanzierter Geldmarktkredit für Privatleute? Wann bemühte sich Wulff um eine Ablösung dieses ersten Kredits? Wie sind die Konditionen des ersten und des zweiten Kredits? Die Bank hat statt einer Antwort allerdings den Hörer aufgeknallt, weswegen weiter gilt: Der Bundespräsident rückt nur scheibchenweise mit der Wahrheit heraus.

Tod einer Kaffeehaus-Legende

Zum Schluss der hoffentlich letzte große Tote dieses Jahres. Nein, nicht "Jopi" Heesters, der wurde heute beigesetzt, und verabschiedet haben wir uns schon. Nein. In Wien ist am Donnerstag die Kaffeehaus-Legende Leopold Hawelka im Alter von 100 Jahren gestorben. Sein Café in der Dorotheergasse war den Künstlern der Stadt vertrauter als ihr eigenes Wohnzimmer, so sie eines hatten. Schauspieler Klaus Maria Brandauer, Sänger Udo Jürgens, Bildhauer Alfred Hrdlicka, Popartidol Andy Warhol - sie alle kehrten dort ein und sogen den Qualm eines halben Jahrhunderts ein, mit dem das Café gut gefüllt war. Leopold hatte das Lokal 1939 mit seiner Frau Josefine gekauft. Die Jugendstil-Inneneinrichtung hat er nie verändert, die nikotingefärbten Wände nie gestrichen, das verschlissene Plüschmobiliar nur im Notfall gegen ebensolches ausgetauscht. Das Paar führte die Geschäfte bis zu Josefines Tod im März 2005 gemeinsam. "Unsere Flitterwochen homa im Kaffeehaus verbracht, und gwohnt homa auch drin, weil a Geld homa jo kanns g'hobt", sagte Josefine einmal. Moral: Wer liebt, kocht guten Kaffee. Wer raucht, kann 100 werden. Und: Sich nicht zu ändern, kann auch eine Erfolgsstrategie sein.

Vielleicht können Sie sich davon ein paar Vorsätze für das neue Jahr abschauen

Bis dann

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Oliver Stock - was vom Tage bleibt: Neues von alten Bekannten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%