Oliver Stock - was vom Tage bleibt
Otto, der Große

Versandhauskönig Werner Otto ist tot. Er behielt die Übersicht in einer Zeit, in der Leute wie unser Bundespräsident die Orientierung verlieren.
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Guten Abend liebe Leser,

Otto? Fand ich gut!

Erfolg hält jung. Das wusste nicht nur "Jopi" Heesters (mit 108 am Heiligabend gestorben), sondern auch Werner Otto. Der Gründer des Otto-Versands hatte sich den Satz des griechischen Philosophen Heraklit als Lebensmotto auserkoren: "Panta rhei" - alles fließt. Für Otto hieß das, nicht an etwas festzuhalten, was möglicherweise nicht mehr taugte. Er hat deswegen sein Unternehmen, als sich kein geeigneter Nachfolger fand, solange in fremde Managerhände gegeben, bis wieder ein begabter Spross aus der Familie in Sicht war. Und er hat früh erkannt, was den Versandhandel ausmacht: Bestellen ging bei ihm am Telefon, als andere nur Schriftliches entgegennahmen. Es ging bei ihm per Internet, als andere noch angerufen werden wollten. So ist der Otto-Versand zum zweitgrößten Versandhandel nach Amazon geworden. Dieser Erfolg hat den Unternehmensgründer so jung gehalten, dass er 102 Jahre alt werden konnte. Am vergangenen Mittwoch ist er gestorben.

Kein Vertrauen unter den Banken

Wer kein Vertrauen hat, kontrolliert sein Geld lieber selber, denken sich die europäischen Banken und leihen ihr Geld auch nicht mehr für wenige Stunden an andere Institute aus. Stattdessen parken sie es über Nacht bei der der Europäischen Zentralbank, wo zwar fast keine Zinsen gezahlt werden, wo es aber immerhin sofort abrufbar ist. Die Summe des so angelegten Geldes ist auf den Rekordwert von mehr als 400 Milliarden Euro gestiegen. Ein Misstrauensvotum ohnegleichen. Fragt sich, was die Banken wissen, was wir nicht wissen?

Wulff - Klappe, die vorvorletzte

Zum Schluss noch die Fortsetzungsgeschichte: Christian Wulff, unser klammer Bundespräsident. Sein scheibchenweiser Umgang mit der ganzen Wahrheit zu seinen Finanzen geht weiter. Jetzt geht es um einen günstigen Kredit bei einer landeseigenen Bank. Die Strategie ist klar: Sobald mal etwas anderes wirklich Bewegendes passiert, wird Wulffs Gebaren in Vergessenheit geraten. Denn dazu waren es zu viele und zu kleine Scheibchen von der Wahrheit, die er verteilte. Er könnte damit durchkommen.

Einen friedlichen fünftletzten 2011er Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
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Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Oliver Stock - was vom Tage bleibt: Otto, der Große"

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  • Man sollte sich bei Hermes Versand nach den Löhnen mal erkundigen die sind auch einmalig ,einmalig Grotentief.Aber vor der Kamera abstreiten daß Hermes zum Otto Konzern gehört.Einfach nur schäbig.

  • ja, Werner Otto war einer der wenigen großen Wirtschaftslenker, die erkannt haben, dass das aktuelle Geschäftsgebaren der Wirtschaft nicht nachhaltig ist. Otto ist sich seinem Firmenmotto immer gleich geblieben und man hörte nie etwas von Skandalen, bzw. fehlgeschlagenen Expansionen!

    War heute mal in einem Second-Hand Kaufhaus, in der Hoffnung, stylische alte Sakkos zu finden. Und dort waren noch alte Kleiderbügel von "Horten", "Quelle" usw. , also alles nachhaltige Unternehmen, die erst durch neumodische Experimente junger Knalltüten-BWLer niedergewirtschaftet wurden!

    Das Gute vergeht, die Knalltüten bleiben. Aber zum Glück hat es sich bald mit dem Weltwährungssystem erledigt!!

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