Oliver Stock - Was vom Tage bleibt
Verhandlungen geplatzt, Briefträger entlassen

Die Nachrichten des Tages gehen so: RWE und Gazprom finden nicht zusammen, die Lufthansa trennt sich von ihrer britischen Tochter. Wulff entlässt seinen Sprecher. Von den dreien hat nur die Lufthansa ihr Problem gelöst.
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Guten Abend Ihnen allen,

Gewalt im Irak

Kaum eine Woche nach dem Abzug der US-Truppen versuchen Terroristen die irakische Regierung auseinanderzubomben. Die Anschlagsserie mit fast 60 Toten schürt die Angst vor einem Wiederaufflammen religiöser Gewalt. Vor einem Jahr begann in Tunesien das, was wir arabischen Frühling genannt haben. In Ägypten und auch im Irak sieht es jetzt so aus, als sei dem Frühling kein Sommer, sondern gleich der Herbst gefolgt.

RWE kann Gazprom nicht locken

In aller Eile hatte die Bundesregierung nach der Atomkatastrophe in Japan die Stecker aller deutschen Atomkraftwerke herausgezogen. Die Folgen sind seit Monaten zu besichtigen: Die Kernkraft blüht, bloß eben jenseits der Landesgrenzen. Der dreckigste Strom, nämlich der aus Braunkohle, wird der wichtigste Anbieter im Energiemix. Und die großen Versorger ächzen, weil ihr Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert. Das hat heute auch der russische Versorger Gazprom gemerkt und seine exklusiven Gespräche über eine Beteiligung am Essener Energiekonzern RWE beendet. Der scheidende RWE-Chef Jürgen Grossmann muss nun einen anderen investitionswilligen Partner finden. Das wir schwierig, denn: siehe oben.

Lufthansa verkauft Sorgenkind

Die Lufthansa hat ihre ungeliebte Tochter  British Midland an den Mutterkonzern der Rivalen British Airways und Iberia, die International Airlines Group verkauft. IAG zahlt  207 Millionen Euro für die verlustträchtige Airline. In Wirklichkeit ist das Geschäft aber noch bescheidener: Die Lufthansa sitzt noch auf Pensionsverpflichtungen, die sie einlösen muss und die den Kaufpreis schmälern. Der Wert von British Midland dürfte in Start- und Landerechten am begehrten Flughafen London Heatrow gelegen haben. Die sind nun für die Lufthansa verloren. Auf der anderen Seite muss sie sich nicht länger mit einer Airline herumschlagen, die mal Gewinne mit Destinationen Richtung Arabien einfliegen sollte. Diesem Plan haben die Unruhen dort zunichte gemacht. Die Börse sah den Verkauf heute deswegen positiv. Die Lufthansa-Aktie war Tagesgewinner.

Wulff entlässt Sprecher

Wie immer, wenn einem Nachrichten nicht passen, ist erst einmal der Überbringer der Nachrichten schuld. Wir Journalisten können davon ein Lied singen: Als Briefträger werden wir gern mit dem Verursacher der Nachricht verwechselt. Olaf Glaeseker kennt das Phänomen seit heute auch. Er war viele Jahre Sprecher von Christian Wulff. Heute hat Wulff ihn von seinen Aufgaben entbunden, weil die negativen Schlagzeilen nicht abreißen. Dass die Wulff selbst und eben nicht Glaeseker produziert, hat der Bundespräsident für heute mal hintenan gestellt. Weil das aber so ist, lässt sich mit Sicherheit feststellen: Das war nicht die letzte Drehung und Wendung im Fall Wulff.    

Deutsche pfeifen auf Urlaub

Lassen Sie sich auch gerne anerkennend auf die Schulter klopfen, weil sie großmütig auf ein paar Tage Ihres Weihnachtsurlaubs verzichtet haben, um irgendein Projekt noch vor Jahresende über die Bühne zu bringen? Wenn Sie jetzt mit stolz geschwellter Brust und völlig überarbeitet nach Hause gehen, könnte folgende Tatsache ihre Stimmung weiter trüben: Sie sind absolut keine Ausnahme. Im Schnitt lassen die Deutschen jedes Jahr drei Urlaubstage verfallen. Das hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ergeben. Weniger als zwei Drittel der Arbeitnehmer nehmen ihren vollen Urlaub. An sich blöd, oder?

Genießen Sie ihren Weihnachtsurlaub möglichst bald,

Ihr Oliver Stock

 

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