Was vom Tage bleibt
Abtritt eines Schöpfers

Microsoft hat keinen Windows-Chef mehr. Die EU hat keinen Haushalt. Die Frankfurter Rundschau hat dafür einen neuen Chef: den Insolvenzverwalter. Und schließlich: Ein Steueroptimierer räsoniert über den guten Ton.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

In ureigenster Sache

Wir sind ein gutes Paar: Sie und Handelsblatt Online meine ich. Ich komme darauf, weil es in anderen Beziehungen nicht so harmonisch funktioniert. Zwischen der Frankfurter Rundschau und ihren Lesern beispielsweise. Die Rundschau hat heute Insolvenz angemeldet, weil Leser und Anzeigenkunden ausgeblieben sind. Das Stadtmagazin "Prinz" beweint ebenfalls seine letzte Papierausgabe. Die Presseagentur dapd wird bereits von einem Insolvenzverwalter geführt und auch die Financial Times Deutschland ist unterm Kostengesichtspunkt eine Liebhaberei. Bei diesen Paaren ist die Liebe offenbar erkaltet, was dann schnell zum vorzeitigen Hinscheiden eines Partners führt. Mit Ihnen und uns dagegen kann das von mir aus so weiter gehen. Das heißt übrigens nicht, dass wir uns nicht übereinander aufregen. Das wäre ja zum Sterben langweilig und es drohte ein Schicksal wie: siehe oben.

Haushalt adè

Hier ist eine Meldung, die ist den meisten völlig egal: Der Haushalt der EU ist vom Parlament nicht genehmigt worden. Das ist an sich eine gute Nachricht, weil den EU-Haushalt, der vor allem von unserem Steuergeld gefüttert wird, niemand nachvollziehen kann. Ich glaube nur: Am Ende wird er doch genehmigt und ich verstehe ihn immer noch nicht. Wir leiden unter einem Mangel an Demokratie in der EU. Es klemmt beim direkten Einfluss. Es gibt keine Leitwölfe in Brüssel. Diese Union ist so fern von ihren Bürgern, dass sie es denen fast völlig gleichgültig ist, ob sie einen Haushalt beschließt oder nicht. So gesehen ist es doch eine interessante Meldung.

Der gute Ton

Albert Eickhoff sagt, was viele Deutsche denken: "Es gehörte einst zum guten Ton, sein Geld im Ausland anzulegen." Eickhoff ist ein Modezar und seit kurzem einer mit einem Steuerproblem. Der gute Ton ist ihm zum Verhängnis geworden. Er gehört zu denen, bei denen die Staatsanwaltschaft eine Razzia veranlasst hat, weil sie vermutet, dass er Schwarzgeld in der Schweiz bunkert. Richtig wäre: Es gehört zum guten Ton sein Geld im Inland anzulegen. Und das würde jeder auch laut sagen, wenn nicht alle Jahre wieder, Spitzensteuersatz, Vermögensabgabe, Erbschaftssteuer die Themen wären, bei denen zuverlässig etwas geändert wird.

Abtritt eines Schöpfers

Es gibt in der Wirtschaft solche, die verdienen das Wort Schöpfer. So einer ist Steven Sinofsky. Er hat zwar nicht das Betriebssystem dieses Planeten, aber immerhin das neueste von Microsoft entwickelt. Kurz nach dem Start desselben geht er jetzt. Zwei Erklärungen lassen sich vermuten: Apple hat ihn abgeworben, weil Windows 8 wirklich gut ist. Oder: Windows 8 ist wirklich schlecht, was außer Sinofsky aber sonst noch niemand weiß. Im Namen aller Micorsoft-Nutzer hoffen wir auf Variante eins.

Schlag nach bei Shakespeare

Die Kinder der sexuellen Revolution von 1968 sind Puritaner geworden. Sie zerreißen sich so laut den Mund darüber, dass der Irak-General und CIA-Chef David Petraeus eine Affäre mit seiner Biographin hatte, dass der zurücktritt. Dabei wäre Petreaeus ein Feldherr nach Shakespeare' schem Geschmack gewesen. Der Dichter schwärmt geradezu von Heinrich VIII. und seinen sechs Frauen. Früher war alles besser.

Schauen sie doch mal in Ihren Shakespeare heute Abend

Ihr

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Abtritt eines Schöpfers"

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  • Abtritt eines Schöpfers???

    Da erwartete ich wenigstens Geschichten vom Klo. Wenn Sie 'Abgang' (Schauspieler verlässt die Bühne) meinen, dann schreiben Sie es doch.

    In einem haben Sie wirklich (fast) recht: Früher war manches besser (natürlich nicht alles, z.B. die F.D.P. war damals genau so ein krimineller Haufen wie heute…). Vor 30 Jahren haben sich Journallisten noch Mühe gegeben, wenn sie einen Artikel verfassten…
    Da gab es auch noch Setzer, die einem die Peinlichkeiten regelmäßig mit der Fahne ins Büro brachten.

  • Hallo Herr Stock,

    die Signale sind eindeutig: ich hoffe, dass Ihr Haus diese wahrnimmt und sich rechtzeitig Gedanken darüber macht, wie man den Leser an sich bindet und dabei auch weiterhin ausreichend Geld verdient. Daß das keine leichte Aufgabe ist, dürfte allen klar sein. Einerseits nutzen zahlreiche Menschen z.B. Handelsblatt online und damit ein Produkt, dessen Erstellung viele Menschen (aus verschiedensten Berufsgruppen), deren Leistungen, Infrastruktur, etc erfordert. Andererseits ist die sich leider immer mehr durchsetzende "kostenlos"-Mentalität faktisch omnipräsent.
    Ich_kritisch hat gerade eine Anregung gegeben: verschiedene Bezahlungsmodelle sind ein Teil dessen, was zum Überleben -nicht nur- des Handelsblatts (online) beitragen können. Fundamental muss sich aber auch der "Umsonst"-Gedanke auf der Konsumenten- bzw. Leserseite ändern. Und das hat m.E. nichts mit der Vielfalt der digitalen Medien zu tun, sondern mit der eigenen Einstellung bzw. Wertschätzung der Eingangs genannten Leistungen, die zur Erbringung eines Produktes wie dem Handelsblatt online erforderlich sind. Soll heissen: ich muss dafür bezahlen, da dafür jemand arbeitet, der für seine Leistung wiederum entlohnt werden möchte. Ansonsten wird es bald keinen vielfältigen, differenzierten und fundierten Journalismus mehr geben.

  • Hallo Oliver Stock,
    betr. Haushalt adè

    Mir ist es nicht gleichgültig,was dort veranstaltet wird.
    Im Gegenteil, es interessiert mich sehr!
    Es ist nur nicht möglich,an verwertbare Unterlagen zu kommen.
    Spätestens als ich den lieben Cohn-Bendit bei einer
    Talkshow gesehen und gehört hatte,habe ich mir gedacht,
    dass ist außerordentlich wichtig!!Da geht es um richtig
    viel Steuergeld.
    Und was er da vom Stapel gelassen hat
    zu unseren Brüdern von der großen Insel,das war sowas
    von arrogant,ich habe richtig rotiert.
    Wenn Sie einen Tipp für mich hätten,sehr gerne.
    Beim ESM-Vertrag war es kein Problem
    Nur bin ich weder Jurist noch Wirtschaftswissenschaftler.
    Und die Abgeordneten,die ich hier im Wahlkreis dazu
    befragen konnte,die hatten alles,nur überhaupt keine
    Ahnung davon,was wirklich wichtig ist im ESM!
    Egal von welcher Partei.Obwohl sie darüber abgestimmt hatten!
    Es war sogar einer dabei,der hat darüber gestaunt,
    was ICH ihm erzählen konnte.

    Von welcher Partei sage ich jetzt nicht!
    Das mußte ich ihm versprechen.
    Ein Linker war er/sie aber nicht.



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