Was vom Tage bleibt

_

Was vom Tage bleibt: Achtung, die Retter nahen

Wahlkampfjahre sind Jahre, in denen das Geld locker sitzt. Rösler findet Yahoo gut. Die Energiewende läuft verkehrt herum. Und selbst Ebay-Verkäufer müssen bei der Wahrheit bleiben. Die Tageskommentare.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Anzeige

Schluck aus der Pulle

Wahljahre sind gute Jahre für uns, oder? Niemals wird so viel versprochen wie in diesen Monaten. Niemals sitzt die Geldbörse bei Politikern so locker wie jetzt. Falls Sie vorhaben pleite zu gehen, wäre jetzt der günstigste Zeitpunkt: Sie werden garantiert gerettet. Das weiß auch die IG Metall. Sie hat deswegen die diesjährige Tarifrunde mit markigen Worten eingeleitet: „Wir müssen dazu beitragen, dass die Konjunkturlokomotive Deutschland weiter unter Dampf steht“, sagt der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann. Eine Zahl nennt er nicht. Aber dass er die 6,6-Prozent Mehr-Lohn-Forderung der IG-Bau in den Schatten stellt, gilt als ausgemachte Sache.

Yahoo stoppt den Absturz

Heute war Philipp Rösler zu Besuch beim Handelsblatt. Er machte muntere Bemerkungen zu diesem und jenem und bei der Frage nach der Liberalität gelang es ihm, das Thema Yahoo unterzubringen. Yahoo, sagte er, werde erfolgreicher als Apple, weil es ein offenes System anbiete im Gegensatz zur in sich geschlossenen Apple-Welt. Und das sei ihm naturgemäß näher. Rösler glaubt also an Yahoo-Chefin Marissa Mayer und die glaubt an ihr Unternehmen: Zum ersten Mal seit vier Jahren kann der angeschlagene Webpionier 2012 zumindest wieder für ein volles Geschäftsjahr ein Umsatzplus ausweisen. Es sind zwar nur magere zwei Prozent in einer Branche, in der Konkurrenten wie Google oder Facebook satte zweistellige Umsatzzuwächse ausweisen. Aber zumindest hat Mayer, die neu bei Yahoo ist, den Absturz gestoppt. Soviel Glaube wirkt ansteckend: Die Anlegergemeinde jedenfalls griff zu und bescherte dem Aktienkurs ein zweistelliges Plus.

Was vom Tage bleibt Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Unseren kommentierten Nachrichtenrückblick ab 18.30 Uhr werktäglich in Ihrem Postfach - hier bestellen.

Was vom Tage bleibt: Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Rätselhafte Reserve

Verstehen Sie das? Erstmals in diesem Winter sind die Reservekraftwerke zur Sicherung einer stabilen Stromversorgung in Deutschland angezapft worden. Und zwar wegen Starkwind. Während im Norden dadurch viel Strom in die Netze gepustet wird, droht eine Unterversorgung in Süddeutschland. Und weil das das ganze System zum Einsturz brächte, musste Süddeutschland brachliegende Kraftwerke hochfahren. Das ist so, als wenn Sie einkaufen gehen, weil zu viel zu essen im Kühlschrank ist. Diese Energiewende stellt uns vor Rätsel. Solange sie nicht einfacher zu erklären ist, wird kein Mensch einsehen, warum seine Stromkosten dauernd steigen.

Wanderboot wörtlich genommen

Achtung Ebay-Verkäufer! Sie sind durch den Zusatz „keine Gewährleistung“ nicht von jeder Haftung befreit, wie aus einem heute veröffentlichten Urteil des Bundesgerichtshofs hervorgeht. In dem Fall ging es um ein Kajütboot, das in Berlin für 2500 Euro über Ebay den Besitzer wechselte. Das Holzboot war jedoch von Pilz befallen und nicht mehr wassertauglich. Zwar berief sich der Verkäufer darauf, Gewährleistungsansprüche ausgeschlossen zu haben. Doch hatte er in die Anzeige das morsche Schiffchen als „schönes Wanderboot“ für „längere Entdeckungstouren“ angepriesen. Ich wäre bei "Wanderboot" schon aufmerksam geworden. Wer nimmt schon sein Boot zum Wandern mit . . .

Heute Abend gibt es übrigens Dallas. Die neuen Staffeln. Hat mich damals schon gelangweilt. Machen Sie etwas Besseres mit Ihrer Zeit.

Einen schönen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

  • Kommentare
Kommentar: Rote Karte mit Risiko

Rote Karte mit Risiko

Die EU wehrt sich gegen Chinas Exporteure und erhebt Schutzzölle auf Solarmodule. Diese Politik der klaren Kante ist überfällig – selbst wenn Vergeltung aus Peking wohl nicht lange auf sich warten lassen wird.

Hartz-IV-Aufstocker: Falsche Hiobsbotschaften

Falsche Hiobsbotschaften

Die Agenda 2010 ist nicht unsozial. Im Gegenteil: Den nun wieder als Ungerechtigkeit gescholtenen 323.000 „Aufstocker-Stellen“ steht ein beinahe Hundertfaches an neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen gegenüber.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: Was für eine Verschwendung

Was für eine Verschwendung

Berlin will zwei Standorte der Landesbibliothek zusammenführen. Klingt sinnvoll. Doch die Kosten-Prognose erinnert an andere Großprojekte, die viel zu teuer ausfallen. Die Standortwahl setzt noch eins drauf.

Was vom Tage bleibt: Franzosen würden Merkel wählen

Franzosen würden Merkel wählen

Eine Umfrage sieht Merkel in Frankreich ganz vorn. Die Zentralbank denkt weiter über eine Schuldengemeinschaft und die SPD über eine Vermögenssteuer nach. Und: Das Olivenöl ist in Gefahr. Der Tagesbericht.

Handelsblog Bringt die Bürokraten in Erklärungsnot!

Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den Bericht des Normenkontrollrates verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die... Von Florian Kolf. Mehr…

  • Gastbeiträge
Gastkommentar: Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Je stärker das europaskeptische Lager im Vereinigten Königreich wird, desto wahrscheinlicher wird eine Abspaltung Schottlands. Um separatistische Bestrebungen einzudämmen, sollte sich die EU um die Briten bemühen.

Angelina Jolie und die Folgen: „Eine barbarische Operation“

„Eine barbarische Operation“

„Ich kann Angelinas Angst gut verstehen, auch mir haben sie eine Brust amputiert.“ Über ihren Umgang mit dem Thema Brustkrebs und ihr Leben nach der Operation berichtet die New Yorker Künstlerin Matuschka.

Gastkommentar: Die Reformen im Euro-Raum wirken

Die Reformen im Euro-Raum wirken

Statt zusammen gegen die Krise vorzugehen, findet zwischen Europas Staaten inzwischen ein reger Schlagabtausch statt. Dabei kommen die Krisenländer in Sachen Reformen sogar gut voran. Anerkannt wird das zu wenig.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.