Was vom Tage bleibt
„Alle Panzer werden schießen“

Russland rasselt an der ukrainischen Grenze mit dem Säbel. Brüssel ist nicht Weimar. In der Allianz ist die Nachfolgedebatte eröffnet. Und Handelsblatt Online verändert seine Kommentarfunktion. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Bellende Hunde

Die olympischen Winterspiele sind vorbei und damit läuft offenbar auch so etwas wie eine Friedenspflicht für den russischen Präsidenten aus. Jedenfalls hat Wladimir Putin heute eine große Militärübung im Zentrum und im Westen des Landes angeordnet. Mit dem Manöver soll die Gefechtsbereitschaft der Streitkräfte in Krisensituationen getestet werden, sagte Putins Verteidigungsminister. Es wird geprüft, ob 150.000 Soldaten verschiedener Waffengattungen, 90 Flugzeuge, 120 Hubschrauber sowie 880 Panzer, 1200 Einheiten Militärtechnik und 90 Schiffe einsatzbereit sind. „Alle Panzer werden schießen, alle Flugzeuge werden im Kampfmodus fliegen“, sagte Verteidigungsminister Schoigu. Geprüft wird damit auch, wie nervenstark die Ukraine und der Westen sind. Glauben wir, dass Hunde, die bellen nicht beißen?

Brüssel ist nicht Weimar

Bei Europawahlen gilt in Deutschland künftig keine Drei-Prozent-Klausel mehr. Das haben die Karlsruher Richter heute entscheiden. Wird Brüssel nun Weimar? Nein. Das liegt allerdings nichts daran, dass es hier wie dort nicht unübersichtlich zugeht. Es liegt viel mehr daran, dass die Republik von Weimar und ihre Volksvertretung so konstruiert war, dass es möglich war, ein ganzes Land zu ruinieren. Diese Macht hat das Parlament von Brüssel nicht. Seit heute wissen wir: Das ist gut so.

Wettrennen bei der Allianz

Markus Rieß kennt das deutsche Versicherungsgeschäft der Allianz wie seine Westentasche. Seit mehr als sechs Jahren sitzt er im Vorstand des deutschen Konzernteils, der Allianz Deutschland AG. Sein Arbeitspensum gilt im Unternehmen als legendär, seine Auffassungsgabe wird gerühmt. Rieß hat eine Chance, ganz nach oben, an die Spitze des weltweit tätigen Versicherungskonzerns zu rücken. Seinem Karriereziel könnte Rieß schon bald näher kommen. Denn die Allianz plant die Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden Michael Diekmann. Um sein Ziel zu erreichen, braucht Rieß eine gute Bilanz. Vor allem die wäre ein überzeugendes Argument, den Gegenkandidaten ins Abseits zu stellen: Oliver Bäte – ein Seiteneinsteiger, der 15 Jahre für das Beratungsunternehmen McKinsey gearbeitet hat. Bäte wurde 2008 direkt in den Holding-Vorstand der Allianz geholt. Nach einem Intermezzo als Finanzvorstand führt er seit gut einem Jahr das Versicherungsgeschäft in West- und Südeuropa. Das Rennen um die Diekmann-Nachfolge ist eröffnet. Wer vorne liegt, erfahren wir morgen, wenn die Allianz ihre Zahlen vorlegt.

Gehört wird, was sich gehört

In der Schule steht der Lehrer nicht mehr vorne und hält Monologe, sondern er steht mittendrin und leitet das Gespräch. Überall werden wir nach unserer Meinung gefragt. Selbst jenes Hotel, in dem ich neulich zum ersten Mal übernachtete, wollte eine Woche später per Mail von mir wissen, ob ich gut geträumt hatte. Wir leben in einer interaktiven Welt, das Internet hat diese Entwicklung beschleunigt – es hat sie aber auch ad absurdum geführt. Viele Kommentatoren glauben: Gehört wird nur, was sich nicht gehört. Der eine verunglimpft den anderen, die Gürtellinie ist nach unten gerutscht. Diese Entwicklung wollen wir aufhalten. Wir bei Handelsblatt Online wollen, dass das Internet eine seiner wichtigsten Errungenschaften – nämlich die Möglichkeit mit der Welt ins Gespräch zu kommen – behält und ausbaut. Wir wollen den Austausch auf Augenhöhe, das bestechende Argument und auch die gekonnte Polemik. Aber: Wir sagen, wer wir sind und unsere Leser künftig auch. Das anonyme Zitieren wollen wir beenden. Alle Leserinnen und Lesern sind uns als Kommentatoren willkommen, die sich mit ihrem Namen für die Diskussionsforen auf Handelsblatt Online anmelden. Demokratie und Meinungsfreiheit brauchen Offenheit und Toleranz. Wir glauben, dass Ihre Meinung so an Gewicht gewinnt.

Einen dialogfreudigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: „Alle Panzer werden schießen“"

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  • Na endlich. Es war mir schon lange unverständlich, daß das Handelsblatt den Anonymen, insbesondere den Mehrfach-Anonymen, mit ihren Beschimpfungen, Verleumdungen und interessengelagerten Agitationen, freien Lauf gelassen hat. Man kann mit seiner Meinung schief liegen, sich irren oder Nachhilfe brauchen, aber auch beispielgebend anderen zu mehr Wissen verhelfen, jedoch ist ein gewisses Maß an Kommentarkultur angezeigt.
    Wenn jetzt auch verhindert ist, daß sich manche Zeitgenossen auch mehrfach registrieren können, dann wird das Handelsblatt einen Qualitätssprung machen. Wer etwas zu verbergen hat, muß ja hier nicht kommentieren. Der kann auch leicht mit Maske und Plakat durch die Straßen laufen.

  • Wird genauso ein Rohrkrepierer wie der Klarnamenzwang bei Facebook, wo es die abenteuerlichsten "Klarnamen" gibt.
    Vielleicht kommt dann demnächst auch noch der Denunziations-Aufruf gegen unrichtige Klarnamen mit der Drohung, den Account zu löschen. Spätestens dann hat das HB einen Leser weniger (Facebook ist bei mir auch schon lange gelöscht).
    Im Übrigen habe ich aber auch mit meinem Klarnamen Helmut Metz kein Problem damit, Oliver Stock als einen hundsmiserablen Wirtschaftsjournalisten zu bezeichnen, und das insbesondere wegen dieser „Meisterleistung“:
    http://www.handelsblatt.com/video/handelsblatt-in-99-sekunden/die-ungesunde-liebe-zum-gold/9297052.html?fb_action_ids=10202961836750080
    Obwohl ich denke, dass da Hopfen und Malz verloren ist, empfehle ich ihm eine ausführliche Beschäftigung mit den Videos von Mike Maloney.

  • In Zeiten von Edathy, Wulff, Snowden, Tebartz, Sarazzin, Rushdie kann ich mir meine Meinung nicht leisten.

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