Was vom Tage bleibt
Alles dauert zu lange

Die Amtszeit des Siemens-Chef könnte zu Ende gehen – zu früh? Zu spät? Draghi feiert die Bazooka. Insolvenzen haben leider doch viel mit Untergängen gemeinsam. Deutschlands empfindlichster Preis steigt. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Löschers Schicksalstage

So ein richtig gemütliches Wochenende wird es bei den Löschers zu Hause diesmal nicht. Der Aufsichtsrat von Siemens, so heißt es, berät darüber, ob er den Manager weiter an der Spitze des Weltkonzerns sehen will oder nicht. Es könnte also sein, dass Peter Löscher bald mehr gemütliche Wochenenden hat, als ihm lieb ist. Am Ende ist es eine Frage der Alternative: Gibt es einen, der es besser kann? Wie auch immer die Entscheidung ausfällt – richtig zufrieden wird keiner sein. Denn wie sagt Oscar Wilde? „Alles dauert entweder zu lange, oder nicht lange genug.“ Das gilt auch für Löschers Amtszeit.

Draghi und der Ökonomenstreit

Bei den Drahgis dagegen herrscht Feierlaune. Vor einem Jahr hatte Mario Draghi die Bazooka rausgeholt. Das ist so etwas wie der Codename für sein Euro-Rettungsprojekt und bedeutet, dass die EZB aus vollen Rohren feuert, um die die europäische Währung unbegrenzt zu stützten. Koste es, was es wolle. Seither ist der Euro stabiler als vorher, was die Gelehrten und Dogmatiker unter den Ökonomen aber nicht daran hindert, an Draghis Entscheidung zu zweifeln. Da wird es auch nichts nützen, dass mehr als 100 führende Ökonomen nun einen Aufruf unterzeichnet haben, der die Entscheidung der EZB verteidigt. Aber besser sie beschimpfen einander, als sie beschießen einander, was ja im Fall von Bazookas auch nicht so abwegig wäre.

Legenden der Insolvenz

Nach Praktiker hat die Insolvenz nun auch die Schwestermarke Max Bahr erwischt. Vor drei Wochen noch hätten wir uns eine Klage eingefangen, wenn wir als Journalisten auch nur spekuliert hätten, dass es soweit kommen könnte. Mit den Insolvenzen in Deutschland ist es so eine Sache: Wir geben uns ganz viel Mühe, eine Insolvenz nicht als Untergang, sondern als Chance für den Neuanfang zu sehen. Es gibt deswegen Teil-Insolvenzen und solche unter Rettungsschirmen. Und wir verehren Amerika dafür, dass dort ein Unternehmer nur dann ein gestandener ist, wenn er auch einmal eine ordentliche Pleite hingelegt hat. Tatsächlich erholt sich in Deutschland aber kaum einer von einer Insolvenz. Vielleicht sollten wir diese Verfahren künftig mit mehr Realismus begleiten, um am Ende freudig überrascht zu werden.

Deutschlands empfindlichster Preis steigt

Bier droht teurer zu werden. Im Herbst wollen mit der Bitburger Braugruppe, Krombacher und der Radeberger Gruppe drei große Bierhersteller Abgabepreise an Wirte und Supermärkte erhöhen, und die werden es weitergeben. Die Brauereien begründen ihre Pläne mit erheblich gestiegenen Kosten bei Rohstoffen, Energie und Glas. Ich habe eine bessere Idee: Nehmt einfach die Preise, die dranstehen, anstatt Euch mit Rabattaktionen zu überbieten. Ich habe die Suche nach dem billigsten Kasten schon längst aufgegeben. Die allerbeste Idee wäre allerdings auf jenes Bier zurückzugreifen, das seit 175 Jahren das gleiche kostet: Freibier. Vielleicht finden Sie eines.

Ein heißes Wochenende mit kühlen Getränken wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Alles dauert zu lange"

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  • Sry, my fault.

  • Oooops - das ist aber nicht der richtige Aufruf. Der ist naemlich von Juli 2012. Ich suche nach einem neuen Aufruf der von Marcel Fratzscher und dem DIW initiiert ist.

  • Danke!

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