Was vom Tage bleibt
Alte Rezepte, neue Rekorde

Der Höchststand des US-Aktienindex ist durch eine überholte Politik zustande gekommen. Bei Stuttgart 21 sind wir die Melkkühe. Die Post liebt Amazon. Und RWE hat kein Geld für die Energiewende. Die Kommentare zum Tag.
  • 2

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Alte Rezepte, neue Rekorde

14.258. Das ist nicht die Flughöhe in Metern des neuesten Red-Bull-Fallschirmspringers, sondern der Stand in Punkten eines anderen Rekordkandidaten: Der US-Aktienindex Dow Jones hat heute sein Allzeithoch erklommen. Die bisherige Höchstmarke von vor der Finanz- und Wirtschaftskrise hat er damit mal eben übersprungen. Ist also alles wieder gut? Nein. Denn wir haben den neuen Rekord erkauft, in dem wir die alte Politik weiterbetrieben haben – nur noch ein bisschen doller, ein bisschen schneller und ein bisschen intensiver. In die Finanzkrise hat eine zu lockere Geldpolitik geführt, die in der massenweisen Vergabe von Krediten an Kapitalschwache gipfelte. Der Weg aus der Finanzkrise soll jetzt durch eine noch lockerere Geldpolitik und Kredite zu Niedrigstzinsen führen. An der Börse hat das Erfolg – nur glauben kann es niemand.

Furchtbar wurscht

Die Deutsche Bahn wird das umstrittene Milliarden-Projekt Stuttgart 21 weiterbauen. Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns machte dafür trotz der Kostenexplosion beim Bau des unterirdischen Bahnhofs den Weg frei. Mit den von der Bahn berechneten Kosten von bis zu 6,5 Milliarden Euro liegt der Bau nun um rund zwei Milliarden Euro über dem, was mit dem Land und der Stadt Stuttgart vereinbart worden war. Diese weigern sich, die Mehrkosten mitzutragen. Als Bürger kann uns der Streit furchtbar wurscht sein. Denn wer auch immer zahlen muss, der Staatsbetrieb Bahn oder Bund, Land und Gemeinden – es ist unser Geld, das dort ausgegeben wird. Wenn es schon teurer wird – bitte baut uns was schönes dafür.


Danke, Jeff!

Wenn Post-Chef Frank Appel jemanden umarmen möchte, dann wäre das wahrscheinlich Amazon-Chef Jeff Bezos. Appel würde Bezos über den kahlen Kopf streicheln und murmeln: „Danke, Jeff!“ Vor Zinsen und Steuern hat der deutsche Konzern nämlich 2012 knapp 2,7 Milliarden Euro verdient und damit neun Prozent mehr als im Vorjahr. Zu verdanken hat er das dem boomenden Internethandel von Amazon, Ebay, Zalando und Co. Jeden vierten Euro verdient der Konzern, der einst unter der Schreibfaulheit der Deutschen litt, wie Goethe an einer Sehnenscheidenentzündung, inzwischen mit Paketen oder Päckchen. „An manchen Tagen haben wir mehr als sieben Millionen Pakete zugestellt. Das heißt jeder sechste Haushalt in Deutschland hat ein Paket bekommen“, sagt Appel. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es war auch einiges Unbrauchbares darunter. Vielleicht könnte Appel demnächst in die Entsorgung investieren?

RWE hat kein Geld für die Energiewende

RWE-Chef Peter Terium verzichtet seit fast vier Jahren darauf, Fleisch zu essen, macht Yoga und meditiert. Ein Öko-Freak ist er deshalb noch lange nicht, zumindest nicht in seiner Funktion als RWE-Chef. Unter ihm ist der Ausstoß der klimaschädlichen CO2-Emissionen, verursacht unter anderem bei der Stromerzeugung, kräftig gestiegen: auf rund 161 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr – ein Plus von rund 15 Prozent. Der Anteil von Windkraft und Co. stieg im vergangen Jahr gerade einmal um 0,4 Prozentpunkte auf acht Prozent an der gesamten Stromerzeugung. Terium macht wenig Hoffnung auf schnelleres Vorankommen. Zwar wolle RWE auf absehbare Zeit keine neuen Kraftwerke auf der Basis von Kohle und Gas bauen. „Allerdings müssen wir bei dem Ausbau der erneuerbaren Energien aus finanziellen Gründen das Tempo etwas drosseln“, sagte er. Dazu muss man wissen, dass das Nettoergebnis, also der Gewinn von RWE, um fast ein Drittel eingebrochen ist. Damit beißt sich die Katze in den Schwanz: Weil die Energiewende RWE das Leben schwer macht, verdient der Konzern weniger. Und weil er weniger verdient, kann er die Energiewende nicht vorantreiben. Die Herren Rösler und Altmaier – wer von Ihnen mag übernehmen?

Apropos Energiewende: Freuen Sie sich – die Heizperiode ist fast vorbei. einen warmen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Alte Rezepte, neue Rekorde"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • IST ALLES NICHT SO EINFACH .
    OHNE BVerfG HÄTTEN " DIE " SCHON ESM und SO WELTHERRSCHAFT ÜBER GELD .
    ALLE andren HABEN uns NICHT DAVOR GESCHÜTZT sondern um PLATZ AM DROCK . . .und GAUCK HÄTTE ES NICHT DEM BVerfG GEGEBEN . . . .


    ATHEIST SICH Gott
    SOUVERÄN
    Frank Frädrich WILL AUCH WAHRHEITEN WISSEN WELCHE NURNOCH 4 IM ZUSAMMENHANG WISSEN

  • Das BVerfG-Urteil findet scheinbar nicht statt?

    "Das Gericht erklärte nun, Parteien müssten sich die Einschätzung gefallen lassen, dass sie verfassungsfeindlich seien."

    Die "Einschätzung" der Richter ist gelinde gesagt die Unverschämtheit schlechthin. Zumal sich dem Richterbündnis selber Verfassungsfeindlichkeit vorwerfen läßt nicht nur, weil die Richter aus den Parteien ins BVerfG geschoben werden, daher parteiideologisch gewaschen sind, nicht nur, weil der Richter Peter Müller ein Verfassungsbrecher ist, der in einem demokratischen Rechtsstaat vor Strafgericht stehen sollte, nicht nur, weil die Richter mit einem unterwanderten Grundgesetz operieren, welches Paradoxien enthält, so daß der Status Deutschlands osziliert und je nach Marktlage mißbraucht werden kann wie eine Hure, besonders von dem verfassungsfeindlichen Altparteienapparat und dem BVerfG.
    Wenn Schäuble sagt, Deutschland sei nie souverän gewesen, dann muß man den BVerfG-Richtern Begünstigung von Okkupationsbestrebungen vorwerfen, und Mafiastrukturen zu unterstützen, ja daran mit ihren Urteilen und Blindheiten direkt mitzuwirken.

    Problematisch ist eben, wer steuert die Politik und den Medienapparat? Da ist eben keine Waffengleichheit vorhanden. Für die Gegner des Mafiastaats heißt das: Angriff! Nazis, Faschisten, Kommunisten - die Machthaber behaupten immer, das sei Demokratie. Aber die liegt nicht im Auge des Betrachters, sondern läßt sich objektiv bemessen.
    Und diese Demokratie ist eine beschissene Diktatur!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%