Was vom Tage bleibt
An der Teflon-Kanzlerin perlt alles ab

Das Wort von Kurzarbeit macht wieder die Runde in Deutschland, 4,4 verspekulierte Milliarden Dollar muss zumindest ein Banker nicht fürchten und Angela Merkels Euro-Politik findet Anerkennung. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend,

Banken-Boss auf Walfang

„Londoner Wal“ wurde der Händler genannt, der bei der US-Großbank JP Morgan für einen Handelsverlust in Höhe von 4,4 Milliarden Dollar (mit)verantwortlich ist. Mit einigen Tricks wie der Auflösung von Risikovorsorge-Positionen konnte Konzernchef Jamie Dimon dennoch verhindern, dass das Spekulationsdebakel den Gesamtgewinn des Instituts deutlich gedrückt hat. Das Fangen des „Wals“ war zwar erst spät gelungen, doch zumindest ist Dimon bislang selbst nicht auf die Abschussliste geraten. Ein Kunststück.

Zweifel an griechischem Sparwillen

Es ist nur ein vorläufiger Bericht, doch es scheint als habe Griechenland zwei Drittel der gegenüber der internationalen Gemeinschaft zugesicherten Sparziele nicht erreicht. Die Regierung des Landes fordert derweil zwei Jahre mehr Zeit, damit die Konjunktur nicht völlig entgleist. Die Appelle zum Anheizen des Sparwillens aus Deutschland und anderen Ländern bringen zwar nicht viel. Man kann den Griechen zumindest teilweise mangelnden Willen zur Umsetzung vorwerfen - etwa was den Stand der geplanten Privatisierungen angeht.

Merkel muss es nicht jucken

Aller Anti-Griechenland- und Anti-Euro-Stimmung in Deutschland zum Trotz sind fast zwei Drittel der Deutschen der Meinung, dass die Politik der Bundeskanzlerin in der Euro-Krise zumindest „eher gut“ ist. An der Teflon-Kanzlerin perlt einfach alles ab.

Kein Sack Reis, der umfällt

Die chinesische Wirtschaft ist von April bis Juni aufs Jahr hochgerechnet um 7,6 Prozent gewachsen. So langsam ging es für das Land zuletzt inmitten der Weltrezession im Jahr 2009 aufwärts. Das muss auch Deutschland interessieren, denn nicht nur sind die großen Konzerne stark im Land aktiv und damit auch deren Aktienkurse von solchen Meldungen abhängig. Auch auf Arbeitsplätze in Deutschland kann das Auswirkungen haben, wenn etwa nicht mehr so viele Maschinen „Made in Germany“ in China nachgefragt werden.

Wachstumsdelle wird bei deutschen Konzernen spürbar

Die chinesisches Schwäche kommt zur gleichen Zeit, da Europa auf Nullwachstumskurs ist. Vor allem die Menschen in den schrumpfenden Euro-Volkswirtschaften im Zentrum der Staatsschuldenkrise fragen weniger Produkte nach, seien es neue Autos oder Stahl für Baustellen. Bei einzelnen Fabriken herrscht daher bereits Kurzarbeit, etwa beim Autohersteller Ford. Und jetzt meldet der Industriekonzern ThyssenKrupp, dass Ende des Monats eine Entscheidung über mögliche Kurzarbeit gefällt wird. Es fühlt sich an wie ein Déjà-Vu.

Ein dennoch entspanntes Wochenende wünscht,

Martin Dowideit

Der Autor auf Twitter: @MDowideit

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: An der Teflon-Kanzlerin perlt alles ab"

Alle Kommentare

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  • Ich hbe den Artilel als Ironie des Verfassers gelesen.
    Und wenn es so ist, dass hat der Beitrag meine Zustimmung

  • Wenn Europa sich noch länger an den EURO klammert ist es als Wirtschaftsunion nicht länger tragbar. Das System der EURO-Rettung als Gemeinschaftswährung überfordert Schuldner und Gläubiger gleichermaßen. Die Politik ist gut beraten dieses Jahr keine Sommerpause einzulegen und statt dessen unverzüglich den diesjährigen Ausstieg aus der Gemeinschaftswährung zu erarbeiten. Dann weiß jeder wie er dran ist und die Märkte können sich erholen, anderenfalls ist dieses nicht möglich.

  • • Das Desaster ist vollendet, wenn den Banken nicht sofort ein Stopp gesetzt wird

    Lesen Sie -lesen sie - lesen sie - lesen sie

    Der Ökonomiker fasst in diesen Tagen alle wichtigen Ereignisse der letzten Jahre zusammen.

    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/03/standpunkt-191-update-enteignung.html

    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/stanpunkt-291-derivate-desaster.htmltp://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-300-sinn-lich-okonomenstreit.html

    • http://www.heise.de/tp/artikel/37/37234/1.html

    • http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-301-nachrichten-ticker-1007.html

    • Lesen Sie standpunkt 301 hier ein Auszug
    • Kommentar: Nein, es ist eine Bankenkrise mit inkludierter Vertrauenskrise von Bank zu Bank. Die geschilderten Lösungsansätze sind grundsätzlich richtig, aber nur nützlich, wenn vorher die Bankenbilanzen vom Giftmüll befreit, Schattenbanken und Zweckgesellschaften konsolidiert und nicht mehr lebensfähige Banken abgewickelt werden, ohne jede Rücksicht auf Rang und Namen.
    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-304-hintergrundwissen.html

    die blogger werden jetzt von schäuble abgeschaltet. was schlagt ihr vor

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