Was vom Tage bleibt
Angriff auf Siemens

Mit General Electric und Alstom verbünden sich zwei Branchenriesen gegen den deutschen Konzern. Die Deutsche Bank sucht nach Geld. Apple-Chef Tim Cook gibt nach. Und Anleger strafen Russland ab. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Siemens-Welt gerät aus den Fugen

Wir in Deutschland haben so eine häusliche Sicht der Dinge: VW ist der größte Autokonzern der Welt, Daimler möglicherweise bald wieder der beste und die bei Siemens sind doch sicher die größten, wenn es um alles Elektrische geht. Dass das nie so war, stört uns nicht. Dass es künftig noch weniger so ist, könnte uns aber zu denken geben: Siemens-Konkurrent General Electric will sich den französischen Mitbewerber Alstom aneignen. Damit würde für Siemens die Welt neu sortiert. Es ist so, als wenn die Erde nicht mehr mit Mars und Venus um die Sonne kreiste, sondern sich die beiden anderen vereinten und einen ziemlichen Schatten würfen.

Mehr Geld für die Deutsche Bank

Eigentlich liegt unser Geld auf der Bank, da können wir es abheben oder leihen. Dieses Verhältnis gilt jedoch nicht mehr, seit die Banken so gründlich in die Krise rutschten, dass sie als Hausaufgabe aufbekamen, mehr Eigenkapital anzusparen. Seither sind es die Banken, die Geld suchen - auch die Deutsche Bank. Möglicherweise, so räumt sie inzwischen ein, wird sie bei den Aktionären fündig, die ihr in Form einer Kapitalerhöhung unter die Arme greifen müssten. Entschieden ist nichts, klar ist nur: Hätten wir so wenig eigenes Kapital zu Hause in der Spardose wie unsere Bank, könnten wir nicht ruhig schlafen.

Tim Cook gibt nach

Apple verdient gut. Einer, der das schon vor den heutigen Quartalszahlen wusste, ist Carl Icahn, Großaktionär beim Kultkonzern. Icahn verlangt deswegen schon länger einen Aktienrückkauf, der den Kurs der Aktie pflegen würde. Jetzt hat Apple-Chef Tim Cook nachgegeben. Wenn mein Sohn Einfluss bei Apple hätte, wäre das nicht passiert. Er hätte die Baseballkappe zurechtgerückt und dafür gesorgt, dass 12-Jährige iPhones umsonst bekommen.

Anleger zeigen Russland die kalte Schulter

Wer sich politisch als unzuverlässiger Geselle erweist, kommt wirtschaftlich nicht ungeschoren davon. Und zwar nicht wegen möglicher Sanktionen, auf die sich die Welt erst einigen muss, sondern schlicht weil es einen Markt gibt, auf dem Käufer nichts so sehr hassen wie Unzuverlässigkeit. Deswegen hat Russland heute, während in der Ostukraine Tote zu beklagen sind, am Markt seine Anleihe zurückziehen müssen. Keiner wollte sie. Finanzielle Attraktivität lässt sich mit Kalaschnikows nicht erzwingen. Wie schön.

Betrug im Betrugsamt

Transparency International lebt für den Kampf gegen Korruption. Heute haben die Korruptionswächter festgestellt, dass die EU äußerst anfällig fürs Schmieren ist. Besonders das Betrugsbekämpfungsamt leide unter Betrug, sagt Transparency.

Dirk Müller exklusiv

Früher hießen sie Kostolany oder Buffett. Heute sind die Börsengurus diejenigen, die für die Mattscheibe das Börsengeschehen kommentieren. Dirk Müller ist so einer. Er hat inzwischen mehr Anhänger als manch religiöser Führer und mich freut es, dass er seine Kompetenz nutzt, um sie exklusiv an Leser von Handelsblatt Online weiterzugeben. Er hat heute seine Video-Kolumne „Cashkurs“ zum ersten Mal für uns produziert und will das nun Gewohnheit werden lassen. Wie bei allen Gurus gilt: Zuhören ist gut. Zuhören und Gehirn einschalten ist besser.

Achtung, Krise!

Zum Schluss zwei Meldungen, die sich gegenseitig ausbalancieren: In Mexiko herrscht wegen eine seltenen Pflanzenkrankheit eine Limettenkrise, die demnächst auch Deutschlands Cocktailtrinker erreichen dürfte. Und: Zum Glück hat sich Haribo entschieden, blaue Gummibärchen zu produzieren. Kulinarisch müssen wir zwar umdenken, haben aber Chancen über den Abend zu kommen.

Versuchen Sie es, wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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