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Was vom Tage bleibt: Ansteckender Optimismus

Die Zuversicht der Märkten ist kaum zu bremsen: Bei TUI und BNP sehen die Anleger nur die guten Nachrichten, selbst Sorgenkind Portugal bekommt Geld hinterher geworfen. Nur für Flugreisende gab es schlechte Nachrichten.

Florian Kolf ist stellvertretender Chefredakteur von Handelsblatt Online.
Florian Kolf ist stellvertretender Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Wunderschönen guten Abend,

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Lohnstreit auf dem Rücken der Reisenden

Wissen Sie was Vorfeld-Kontrolleure sind? Die fahren immer mit den hübschen schwarz-gelben Autos auf dem Rollfeld vor den großen Jets her. Und eins ist klar: Ohne diese Berufgruppe startet am Flughafen kein einziges Flugzeug. Schmerzhaft bewusst werden wird das allen, die morgen Nachmittag ab Frankfurt fliegen wollen. Denn die Vorfeld-Kontrolleure haben heute beschlossen, morgen in Streik zu treten, um in den Tarifverhandlungen noch mal ein deutliches Zeichen zu setzen. Erneut trägt eine kleine Berufsgruppe ihre Kämpfe auf dem Rücken der Allgemeinheit aus - die Lokführer und die Piloten haben es ja erfolgreich vorgemacht. Bei der Bedeutung einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur müsste der Gesetzgeber wirklich einmal prüfen, ob es nicht neue Regeln geben muss, die diesen Exzessen Grenzen setzen.

Verschwendung von Steuergeldern

Nicht nur die Aktionäre haben da gejubelt: Der Ausstieg bei Hapag-Lloyd nimmt auch dem Management von Tui eine Last von den Schultern. Schließlich kann Tui-Chef Michael Frenzel mit dem Erlös des Verkaufs einen Großteil der 800 Millionen Euro Schulden abbauen, den er mit seiner wilden Akquisitionspolitk der vergangenen Jahre aufgehäuft hat. Verlierer des Deals dagegen sind die Hamburger Bürger. Denn ausgerechnet die hochverschuldete Hansestadt steigt nun mit 37 Prozent zum größten Anteilseigner des Reederei-Konzerns auf. Eine gigantische Fehlallokation von Steuergeld und völlig falsch verstandene Industriepolitik.

Optimismus der Anleger

„Wir sehen eine gewisse Konjunkturabkühlung in Europa, aber keine Rezession“, sagte der neue Chef der französischen Großbank BNP, Jean-Laurent Bonnafe. Obwohl er gleichzeitig einen Gewinneinbruch im vierten Quartal verkündete, steckt er mit seinem Optimismus die Anleger an: Der Aktienkurs von BNP stieg um sieben Prozent. Aber vielleicht macht den Investoren auch Mut, dass sich in der Griechenland-Krise langsam zumindest eine vorläufige Lösung abzeichnet. Denn BNP ist schließlich mit Milliardensummen in griechischen Staatsanleihen investiert.

Comeback von Frankreich

Die Zuversicht der Anleger haben heute auch die Statistiker gestützt. Die deutsche Wirtschaft ist im vierten Quartal nun doch deutlich weniger geschrumpft als bisher befürchtet, teilte das Statistische Bundesamt mit. Überraschend positiv entwickelte sich auch die Wirtschaft in Frankreich. Zwischen Oktober und Dezember legte die französische Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Experten sehen bereits den konjunkturellen Tiefpunkt überschritten. Wie es aussieht kommen wir glimpflich davon.

Persilschein für Portugal

Sorgen macht dagegen weiterhin Portugal. Dort ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft. Doch selbst das kann den Optimismus der Märkte nicht bremsen: Bei mehreren Auktionen von Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen drei Monaten und einem Jahr sammelte das klamme Land drei Milliarden Euro ein. Die Investoren rissen der portugiesischen Finanzagentur IGCP die Kurzläufer geradezu aus den Händen, hieß es. Der portugiesische Finanzminister Vitor Gaspar sollte seinem Amtskollegen Wolfgang Schäuble ein paar Blumen schicken. Denn der hatte vergangene Woche gesagt: „Wenn sich die Notwendigkeit für eine Anpassung des portugiesischen Programms ergibt, werden wir dazu bereit sein“ - und damit dem Partner de facto einen Persilschein ausgestellt.

Was fehlt? Die Stadt Wien hat jetzt eine Werbewatchgroup ins Leben gerufen, die gegen sexistische Werbung im Stadtbild vorgehen soll. Welche segensreichen Wirkungen solche Moralpolizisten haben, zeigt sich jetzt in Großbritannien. Dort ist Ryanair wegen einer angeblich sexistischen Werbekampagne mit Bildern freizügig gekleideter Stewardessen ermahnt worden. Übersehen wurde dabei offenbar, dass sich alle Stewardessen freiwillig für das Foto-Shooting gemeldet hatten und ein Kalender mit diesen Bildern 100.000 Euro für einen guten Zwecke einspielte. Hauptsache, die Moral ist befriedigt.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Feierabend,

Florian Kolf

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