Was vom Tage bleibt
Antriebslos

Die Bankenstresstests bringen keinen Anschub, der frühere BayernLB-Chef gesteht Bestechung. Der Ölpreis fällt ins Bodenlose, Air Berlin streicht Stellen und die Auto-Rabatte klettern unaufhaltsam. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Fehlstart

Es sollte eigentlich ein schöner Wochenauftakt werden. Mit den Stresstestergebnissen vom Sonntag wollten die deutschen Banken glänzen. Mit einer einzigen, vergleichsweise kleinen Ausnahme waren die Geldhäuser aus Deutschland durchgekommen, die Branche hätte eigentlich an Glaubwürdigkeit gewinnen sollen. Doch daraus ist nicht viel geworden, wie der Blick auf den Dax und sein Tagesverlust beweisen. Ganz so überzeugend sind die Ergebnisse des Stresstestes dann doch nicht gewesen, die Branche dürfte noch deutlich länger an ihrem lädierten Image arbeiten.

Unsinn

Leider ist es ziemlich real, was zunächst als reichlich absurd erscheint. Die BayernLB hat beim Kauf der maroden Hypo Alpe Adria Bestechungsgelder an die Kärntner Landesregierung gezahlt, der dafür verantwortliche frühere BayernLB-Chef Werner Schmidt hat die Zahlungen am Montag bestätigt. Das Geld ist dann in den Bau eines Fußballstadions in der Landeshauptstadt Klagenfurt geflossen. Vor der Finanzkrise haben Bankmanager wie von der BayernLB alles Mögliche gemacht, um irgendwie an eine andere Bank heranzukommen. Und dann fließt eben auch einmal viel Geld in eine Arena, die heute übrigens kaum noch benutzt wird. Wie gut, dass solche Verrücktheiten heute nicht mehr passieren.

Die große Schmiere

Aus allen Ecken kommen die dunklen Prophezeiungen, dass bald der nächste große Konjunktureinbruch bevorsteht. Wenn wir alle daran glauben, wird es vielleicht wirklich dazu kommen, ganz im Sinne einer „Self fulfilling prophecy“. Aber muss das wirklich so sein? Nein, denn es gibt auch die guten Nachrichten, wie etwa beim Öl. Das schwarze Gold ist derzeit so günstig zu haben wie schon lange nicht mehr. Wie wäre es denn, wenn niedrige Energiepreise die schwächelnde Konjunktur überall in der Welt ordentlich anschieben würden? Dazu fällt den ewigen Pessimisten wahrscheinlich nichts zu ein.

Danke, Etihad

Die Streiks bei der Lufthansa und der Bahn nerven. Wie gut, dass es mit Air Berlin noch ein Unternehmen gibt, wo derzeit niemand streikbedingt auf der Strecke bleiben muss. Andererseits geht es Air Berlin im Moment alles andere als gut, es werden 200 weitere Stellen gestrichen. Wenn Hauptaktionär Etihad, die große Fluggesellschaft vom Persischen Golf, nicht regelmäßig Geld bei Air Berlin abliefern würde, hätte es bei Deutschlands zweitgrößter Airline schon ganz düster ausgesehen. Angesichts der Bahn- und Lufthansa-Streiks hat jeder Vielflieger bestimmt den einen großen Wunsch auf den Lippen: Etihad, bitte Air Berlin unbedingt weiter unterstützen!

Überbesetzt

So richtig gesund kann es nicht sein, was da gerade wieder in der Autobranche passiert. Die Rabatte für Neuwagen haben im Internet neue Höchstwerte erreicht. Die hohen Abschläge sind der untrügliche Beweis dafür, dass aktuell viel mehr Autos gebaut werden, als es potenzielle Käufer gibt. Die gesamte Branche überschlägt sich geradezu mit ihren Nachlässen, die Läger müssen endlich wieder leer werden. Machen wir uns nichts vor: Der europäische Automarkt ist überbesetzt, mit einer kleineren Zahl von Autoherstellern würde es genauso gehen. Im Moment wagt es bloß noch niemand, diese bittere Wahrheit auch offen auszusprechen.

Hoffentlich hatten Sie einen gelungenen Wochenstart, einen schönen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Antriebslos"

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  • Der sinkende Ölpreis ist vielleicht ein typisches Zeichen der globalen Investitionszurückhaltung?! Hmmm, könnte das sein?
    Evt. kaufen ja aber auch die Konjunkturexperten des HB die Überproduktion einfach auf, und machen damit dann einen schnellen, riesigen Gewinn. Auf geht´s ...

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