Was vom Tage bleibt
Applaus für Angela, Spott für Ursula

Eine Ministerin will fremde Handys abschalten, eine Kanzlerin gerät von der Wellness-Oase in den Vorhof der Hölle und der Facebook-Gründer wird von Kopfgeldjägern verfolgt. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Ursula schaltet die Handys ab

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat wieder einen wunderbaren Beitrag in Realsatire geliefert: Sie will, dass alle Firmenhandys nach Feierabend abgeschaltet werden. Aus Sicht einer Politikerin ein perfekter Vorschlag: Kostet sie nichts, ist schön populistisch und den Schaden haben andere. Dazu ein köstlicher Kommentar eines Handelsblatt-Online-Lesers: "Alle Dienstgespräche nach 17 Uhr werden automatisch über das Arbeitsministerium umgeleitet. Dazu wird eine Clearingsstelle "Nachhaltiger Feierabend" eingerichtet (ca. 40 Beamte). Dort werden die Gespräche nach Prioritäten gewichtet und selektiv weitergegeben." Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Desaster für Eon

Es war heute kein schöner Tag für deutsche Energieversorger. Erst packte der ehemalige russische Lobbyist von EnBW, Andrey Bykov, im Handelsblatt-Interview aus, und plauderte über pikante Details der Zusammenarbeit und zu den Scheinverträgen. Dann stoppte ein Gericht das umstrittene Kraftwerksprojekt des Eon-Konzerns im nordrhein-westfälischen Datteln. Die Begründung spricht Bände: Es liegt kein gültiger Bebauungsplan vor und die Auswirkungen auf die Umwelt sind nicht hinreichend geprüft. Damit wird das Kraftswerk zur Investitionsruine. Denn die rot-grüne Landesregierung wird sich sicher nicht für Eon einsetzen.

Applaus für Angela

Für Angela Merkel war es wie eine Wellness-Oase: Beim traditionellen Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrates im Berliner Hotel Intercontinental wurde die Kanzlerin heute ausgesprochen freundlich empfangen. So viel Häme, Kritik und Vorwürfe, wie sie in den vergangenen Wochen für ihre Euro-Krisenpolitik eingesteckt hat, war sie das gar nicht mehr gewöhnt. Freundlich, aber hart in ihren Positionen, warnte sie erneut vor Eurobonds und fehlendem Reformeifer und bekam dafür viel Applaus. Doch die Wellness-Kur war rasch vorbei. Merkel musste schnell in die Unions-Fraktionssitzung im Bundestag, wie sie selber sagte, der "Vorhof zur Hölle".

Hoffnungslose Investoren

Dass in der Euro-Krise weiter eine harte Haltung gefragt ist, zeigte sich heute auch an den Märkten. Trotz der versprochenen Hilfsmilliarden für Spanien stiegen die Risikoprämien für die Schuldenstaaten weiter. Griechenland bekommt selbst kurzfristige Kredite mit einem halben Jahr Laufzeit nur noch für die Rekordzinsen von 4,73 Prozent, auch die Renditen für spanische und italienische Bonds liegen wieder nahe dem Niveau von Herbst 2011, als die Schuldenkrise mit dem Übergreifen auf Kernländer wie Frankreich vor der Eskalation stand. Angesichts der Schicksalswahl in Athen am kommenden Wochen verlieren die Investoren offenbar alle Hoffnung.

Was fehlt? Ein US-Blog hat 20 Dollar Prämie ausgesetzt auf alle privaten Fotos und Videos, die den Facebook-Gründer Marc Zuckerberg zeigen. Mein Mitleid für ihn hält sich in Grenzen. Wer so aggressiv für die totale Öffentlichkeit im Netz eintritt, kann sich selbst nur schlecht auf die Privatsphäre berufen.

Ich wünsche Ihnen zum Feierabend die ganz persönliche Wellness-Oase,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Applaus für Angela, Spott für Ursula"

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  • Merkel gegen Hollande, das ist das Spiel. Da kann man Deutschland gegen Holland (Niederlande) glatt vergessen.
    A gut's Nächtle.
    Haeberle

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