Was vom Tage bleibt
Athen muss liefern

Griechenland entscheidet über die Rettung, Bundesanleihen finden wenig Käufer. Der Ukraine droht die Pleite, Apple Pay startet in Großbritannien, der letzte Auschwitz-Aufseher muss ins Gefängnis. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Abstimmung

Der Mittwoch ist der nächste entscheidende Tag für Griechenland. Das Parlament in Athen muss an diesem Abend über das zu Wochenbeginn in Brüssel beschlossene Rettungspaket entscheiden. Innerhalb der Regierungspartei Syriza regt sich Widerstand dagegen, große Gewerkschaften des Landes haben zu Streiks aufgerufen. Auch wenn ihm selbst das Verhandlungsergebnis nicht gefällt – Ministerpräsident Tsipras will dafür sorgen, dass das Paket durch das Parlament geht. Alles andere wäre Selbstmord eines ganzen Landes. Die Abgeordneten dürften das verstanden haben.

Einmal ein Ladenhüter

Bundesanleihen, besonders mit zehn Jahren Laufzeit, haben in der Finanzbranche einen tadellosen Ruf. Sie sind so etwas wie ein Referenzpapier für die Wertpapiermärkte: Läuft das Geschäft mit Bundesanleihen gut, freuen sich alle. Auch an diesem Mittwoch gab es wieder einmal Bundespapiere zu kaufen, die deutsche Finanzagentur hatte Anleihen im Wert von fünf Milliarden Euro mit vergleichsweise hohen Zinsen im Angebot. Trotzdem fanden sich nicht genug Käufer, der Staat blieb auf einem Teil seiner Papiere sitzen. Ob da doch Griechenland ein wenig Schatten auf die Bundesanleihen geworfen hat?

Die nächste Pleite

Griechenland hat uns während der vergangenen Wochen keine Atempause gegönnt. Wahrscheinlich ist es ein Fehler gewesen, sich nur mit diesem einen Thema zu beschäftigen. Andere wichtige Konflikte sind in dieser Zeit liegengeblieben. Allen voran: die Ukraine. Wenn die Regierung in Kiew nicht binnen zehn Tagen 120 Millionen Dollar an ihre Gläubiger überweist, dann droht der nächste Staatsbankrott. Zugleich hat sich die militärische Auseinandersetzung im Osten des Landes wieder einmal verschärft. Griechenland hat jetzt zwar gute Aussichten auf Besserung, was auch eine Chance zum Durchatmen böte. Was sich jedoch in der Ukraine zusammenbraut, ist leider ein viel größeres Problem. Vielleicht wünschen wir uns den Konflikt um Griechenland bald zurück.

Erst die Briten

Deutschland ist der größte Staat in Westeuropa. Was hier funktioniert, lässt sich auch schnell auf die anderen deutschsprachigen Länder Schweiz und Österreich übertragen, noch mehr Menschen sind also erreichbar. Eigentlich gute Voraussetzungen, technische Neuerungen hierzulande zuerst auszuprobieren. Apple hat sich allerdings dazu entschieden, seinen neuen Bezahldienst Apple Pay zunächst nur in Großbritannien einzuführen. Schade eigentlich – Deutschland schaut in die Röhre. Zurückdrehen lässt sich diese Entscheidung nun nicht mehr. Aber einen neuen Versuch ist es trotzdem wert: Nämlich Apple davon zu überzeugen, mit dem neuen Bezahldienst bald auch nach Deutschland zu kommen.

Das letzte Mal

Oskar Gröning dürfte der letzte deutsche KZ-Aufseher sein, der wegen der Massenvernichtung von Juden hinter Gitter muss. Ein Gericht in Lüneburg hat ihn am Mittwoch zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Ist es richtig, einen 94 Jahre alten Mann jetzt noch büßen zu lassen? 70 Jahre nach Kriegsende? Die klare Antwort ist Ja. Die Taten von Auschwitz sind so ungeheuerlich, dass sie einfach nicht vergessen werden dürfen. Und damit ist eine Gefängnisstrafe für einen alten Mann die richtige Entscheidung.

Ein Hinweis in eigener Sache: Die Abendkolumne kann heute nur auf Handelsblatt Online erscheinen und wegen technischer Probleme nicht an die Abonnenten versandt werden. Wir bitten vielmals um Entschuldigung. Genießen Sie den Abend trotzdem. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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