Was vom Tage bleibt
Auf der Suche nach Geschäftsmodellen

Teheran, Schlecker, Blackberry und die Commerzbank glauben an sich. Das ist klar. Aber wessen Glaube auch aufgeht, das werden wir erst sehen, wenn die Nachrichten von heute zu Tatsachen von morgen werden.
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Guten Abend Ihnen allen,

Olivenöl reicht nicht

Im Streit über das iranische Atomprogramm will die Europäische Union die Regierung in Teheran mit einem Ölembargo zurück an den Verhandlungstisch zwingen. Die EU-Außenminister beschlossen, alle Öleinfuhren des Landes in die Union vom 1. Juli an zu verbieten. Die EU ist nach China der zweitgrößte Abnehmer von iranischem Öl. Nun soll der Iran sehen, wo er sein Öl loswird, lautet die Kalkulation in Brüssel, zumal die Amerikaner ebenfalls kein Öl aus Teheran mehr kaufen. Allerdings gibt es wie immer im Leben auch eine andere Seite der Medaille: Der Einigung war ein wochenlanges Tauziehen vorausgegangen, weil die von der Euro-Schuldenkrise hart getroffenen südeuropäischen Länder Griechenland, Italien und Spanien eine Übergangsfrist forderten. Sie wollen nicht mehr Geld für Öl bezahlen. Und besonders im Fall Griechenland hat das Embargo einen Bumerang-Effekt: Teheran akzeptiert Griechenland als Abnehmer, auch wenn die Griechen nicht immer pünktlich zahlen. Fällt Teheran nun als Lieferant zwangsweise aus, kann die EU zu ihren Hilfen für Griechenland auch noch die Ölbelieferung obendrauf packen, denn Olivenöl wird nicht reichen.

Schluss mit Kosmetik

Die Drogeriekette Schlecker hat heute wie angekündigt ihre Planinsolvenz beantragt. Sie will jetzt das machen, was in Amerika „Chapter 11“ heißt: Sich selbst sanieren. Von dem Insolvenzantrag betroffen sind nach Unternehmensangaben 30 000 Mitarbeiter im Inland. Es könnten aber mehr werden, wenn noch die Auslandsgesellschaften mit einbezogen werden. Insolvenzverwalter wird die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Schneider, Geiwitz & Partner, die auch die Insolvenz des Druckmaschinenherstellers Manroland begleitet hat. Dort bleiben nicht einmal ein Drittel der Beschäftigten übrig. Ob Schlecker besser davon kommt, steht in den Sternen. Einer der wichtigsten Gläubiger von Schlecker, der Einkaufsverbund Markant, hat bereits Vorbehalte signalisiert. Es ist wie bei Griechenland: Die Gläubiger glauben nicht mehr an Kosmetik, sie verlangen ein neues Geschäftsmodell.

Smarter bitte!

Es sollte ein Befreiungsschlag werden für den kriselnden Blackberry-Hersteller RIM. Der Deutsche Thorsten Heins löst die Gründer an der Firmenspitze ab. Doch rebellische Aktionäre sehen ihn schon als Chef auf Abruf. „Wir sind enttäuscht von seinem ersten Auftritt. Er hat letztlich gesagt, dass es eine Strategie gebe, an der er festhalten wolle. Das ist nicht das, was der Markt hören will“, sagt Vic Alboini, Chef des Hegde-Fonds Jaguar Financials, einem Großaktionär bei RIM. „Mit diesem Programm wird er sich kaum 15 Monate, bestenfalls anderthalb Jahre an der Spitze halten. Er hat sich wie ein Interims-Chef präsentiert.“ Danke Herr Alboini, und lieber Herr Heins: Dass RIM die Kunden in Scharen weglaufen, weil andere Handys smarter sind, haben Sie auch so gemerkt. Wäre schön, wenn sich daran bald etwas ändert.

Die Wette der Commerzbank

Weil sie ihre Kapitallücke aus eigener Kraft schließen will, ist die Commerzbank bei Anlegern wieder begehrt: Die Aktien kosten fast schon wieder zwei Euro und führen heute erneut die Gewinnerliste im Dax an. Damit haben sie mehr als ein Drittel in diesem Jahr zugelegt. Hoffentlich besitzt die Bank die gleiche Überzeugungskraft bei der EU-Kommission wie am Markt. In Brüssel muss sie nämlich darlegen, wieso sie am Immobilienfinanzierer Eurohypo festhalten will, obwohl die Kommission den Verkauf zur Auflage gemacht hat, als sie die letzten Staatsbeihilfen für die Commerzbank genehmigte. Nachdem Brüssel im Fall der Landesbanken ziemlich hartleibig war, hofft die Commerzbank nun auf einen nachsichtigen Wettbewerbskommissar zu treffen.

Gottschalkklumseal

Das alles werden Sie heute um 19.20 Uhr übrigen nicht sehen und hören, wenn Sie bei Thomas Gottschalks neuem Format „Gottschalk Live“ zusehen. Da geht es dann zum Beispiel um die Trennung von Heidi Klum und Seal. Kann man sich ja auch drüber unterhalten. Zumindest kurz.

Einen kurzweiligen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Auf der Suche nach Geschäftsmodellen"

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  • "Was vom Tage bleibt" - wenn dieser sinnfreie Eintopf aus Wichtig und Unwichtig alles ist, was von diesem Tage bleibt, kann man getrost sagen, dass er sehr, sehr unbedeutend war.

    Aber das gilt dann nur für den Tag, wie er in Handelsblatt online medial in Erscheinung getreten ist und ganz sicher nicht für den realen 23. Januar 2012.
    Kein Tag hat es verdient, in den billigen Ruf gestellt zu werden, dass dies alles sei, was von ihm blieb. Das ist ganz sicher nicht so.

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