Was vom Tage bleibt
Auf Wiedersehen, Joe!

Ackermann quält sich mit seinem Abschied. Die EU quält sich zur Bankenunion. Vodafone kämpft gegen Datendiebe. Spritpreise werden kontrolliert. Und Goldman-Banker machen sich ein Späßchen. Der Tagesbericht.
  • 2

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Zäher Abschied

Der Abschied Josef Ackermanns zieht sich in die Länge wie das Seil eines Bungee-Springers. Es streckt sich und streckt sich und die Zuschauer halten den Atem an, ob es nicht doch noch reißt und denjenigen, den es halten soll, zu Boden stürzen lässt. Heute war Ackermann dabei, als sein ehemaliger Kommunikationschef Stefan Baron in Berlin eine Biographie über seinen Ex-Chef vorstellte. Fünf Jahre haben die beiden miteinander gearbeitet, und dem Gespann ist es ohne Zweifel gelungen, das Bild, das wir uns von dem Anführer der größten deutschen Bank machten, nach ihren Vorstellungen zu prägen. In Barons Kommunikationswerkstatt entstanden die Charakterzüge von einem Mann, der stolz und gerecht zugleich sein sollte. Ein Kapitän, der im Sturm der Finanzkrise mit kühler Analyse und klaren Befehlen die Übersicht behielt. Ein Mensch, der dem Kapitalismus in Deutschland ein Gesicht gab, das Betrachter bewundern oder verabscheuen durften. Die Geschichte wäre damit erzählt, wenn es in Ackermanns Biographie nicht eben auch ein Leben nach der Deutschen Bank geben würde, eines, das nicht aus der Bildhauerwerkstatt Barons entstanden ist. Seinen Verwaltungsratsvorsitz bei der Zürich-Versicherung hat Ackermann niedergelegt, nachdem der Finanzchef des Unternehmens sich das Leben nahm und Ackermann in einem Abschiedsbrief für seinen Freitod verantwortlich gemacht hat. Heute macht die Nachricht die Runde, dass auch der andere wichtige Aufsichtsratsposten, den Ackermann bei Siemens bekleidet, bald vakant ist. Das Bild, das Ackermann ein gutes Jahr nach seinem Abtritt bei der Deutschen Bank vermittelt, ist das eines Trouble Makers: Er ist immer da, wo die Luft besonders dick ist.

Club der Individualisten

Die EZB soll nächstes Jahr die rund 130 wichtigsten Banken der Euro-Zone beaufsichtigen, davon etwa 25 in Deutschland. So hat es heute das EU-Parlament beschlossen. Die Bankenaufsicht ist Teil der Bankenunion, zu der sich 17 Euro-Länder zusammenfinden wollen, um gegen künftige Finanzkrisen gewappnet zu sein. Doch der Weg bis dahin ist holprig. Denn was nützt eine Aufsicht, wenn keiner den Mechanismus kennt, wie am Ende eine marode Bank geschlossen werden soll? Das nämlich wollen die Staaten selbst entscheiden. Europa ist ein Club der Individualisten. Wenn wir ihn retten wollen, müssen wir ein bisschen Individualität aufgeben.


Datenklau bei Vodafone

Bei Vodafone in Deutschland hat ein Datendieb Namen, Adressen, Geburtsdaten und Kontoverbindungen von zwei Millionen Kunden geklaut. Der Täter war bei einem externen Dienstleister beschäftigt und arbeitete als System-Administrator. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat das Haus des Verdächtigen inzwischen durchsucht. Das Ausmaß des Datendiebstahls ist aufsehenerregend, noch aufregender ist aber, wie Vodafone damit umgeht: Auf einer eigens installierten Website können Kunden überprüfen, ob ihr Konto zur Beute der Datendiebe gehört. Wer sicher sein will, muss ausgerechnet seine Kontonummer und Bankleitzahl in ein schmuckloses Formular eintragen, um sich als Ratsuchender eindeutig zu identifizieren. Das ist so, als wenn der Messerhersteller dazu auffordert, die Schärfe der Klinge durch einen schnellen Schnitt in den Finger zu prüfen.

Die Spritmelder

Das Bundeskartellamt startet seine zentrale Spritpreis-Meldestelle. Damit können Autofahrer die Preise zwischen 13.100 Tankstellen in Deutschland vergleichen und die günstigsten Anbieter auswählen. Das Tolle ist: Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Endlich gibt es eine neue Behörde mit neuen Arbeitsplätzen und endlich können wir uns samstags morgens überlegen, ob wir lieber 125 oder 187 Kilometer fahren wollen , um drei Cent pro Liter zu sparen.

Audi und Rolex

Der Twitter-Kanal „GS Elevator Gossip“ sammelt Gespräche aus der Welt der Investmentbank Goldman Sachs. Aus den Sprüchen der Banker lässt sich ihre Einstellung gegenüber Kleidung im Besonderen und das Leben im Allgemeinen ableiten. Mein Favorit ist: „Eine Rolex tragen ist wie Audi fahren. Es bedeutet: Du hast Geld, aber nix zu sagen.“

Heute Abend haben Sie etwas zu sagen. Dafür könnten Sie sorgen.

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Auf Wiedersehen, Joe!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Auf Wiedersehen, Joe!"

    Lieber nicht !!!

  • Auf Wiedersehen Joe,

    Nein Danke!!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%