Was vom Tage bleibt
Aufgeschreckte Euro-Zwerge

Kleine Länder mit großen Bankensysteme werden skeptisch beäugt, während ein spanischer Unternehmer eine vermeintliche Antwort auf die Sorge vor Zwangsabgaben auf Kontoeinlagen gefunden hat. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend,

Zypern ist eine Lektion für Malta

Kleine Euro-Länder mit großen Bankensystemen stehen seit der Zypern-Rettung unter besonderer Beobachtung. Könnte auch dort einmal ein Stabilitätsprogramm nötig werden, bei dem Einlagen zwangsbesteuert werden? Der Luxemburger Banken-Präsident hat heute im Handelsblatt Online-Interview jeden Vergleich dieser Art von sich gewiesen. Im Gegenteil: Er freut sich, dass das Euro-Land jetzt attraktiver für ausländische Anleger wird („Zypern schlägt uns auf die Butterseite“). Dem Finanzminister von Malta hat es als Lektion gereicht, den zyprischen Amtskollegen in der Runde der Euro-Finanzminister leiden zu sehen. Ob es ihn auch sorgt, dass die bald abgewickelte zyprische Laiki Bank Großaktionär der maltesischen Lombard Bank ist?

Einstürzende Altbauten

Immobilien sind ein langlebiges Geschäft. Das kann gut sein, wenn über Jahre hinweg solide Mieteinnahmen fließen. Es kann aber auch schlecht sein, wenn Fehlinvestitionen sich über Jahre nicht ausbügeln lassen und in die Bilanz fressen. Letztere Erfahrung muss die IVG Immobilien machen. Entscheidungen aus den Jahren 2006 bis 2008 belasten das Geschäft immer noch. Die Finanzierung muss umgebaut werden, den Plan dazu blieb das Unternehmen heute aber schuldig – und verschob die Hauptversammlung. Die Aktie purzelte unter den Wert von einem Euro. Vermeintliches Betongold ist manchmal eben vor allem Beton.

Putins Zeigefinger

Die Durchsuchungen ausländischer Nichtregierungsorganisationen in Russland gehen weiter. Der Staatsapparat hatte sich unter anderem an die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung und die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung gewagt, was zu großer Empörung in der Bundesregierung und Außenpolitikern führte. Dieses zerschlagene Porzellan wird Putin nicht so rasch kitten können.

Aus der Not eine Matratze machen

Banken jammern ja immer mal wieder: Zu viel Geld schlummere unter Matratzen, bringe keine Zinsen und sei doch so unsicher gelagert. Ein Einbruch, ein Wohnungsbrand und alles ist futsch. In Spanien hat jetzt ein Unternehmer eine Antwort auf diese Kritik gefunden – eine Matratze mit eingebautem Safe. Genau das Richtige für die Anleger, die eh keiner Bank mehr über den Weg trauen. Als wir in der Redaktion von der Aktion hörten, dachten wir zuerst, es sei ein Fake. Aber meine Kollegin Dana Heide hat den „Chef der Sparkasse Meine Matratze“ gesprochen.

 

Bleibt mir nur, eine geruhsame Nacht zu wünschen.

Ihr

Martin Dowideit

Der Autor auf Twitter: @MDowideit

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Aufgeschreckte Euro-Zwerge"

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  • Zypern dürfte nicht nur eine Lektion für Malta sein, sondern auch ein Signal für jene, Europa gegeneinander auftreiben zu wollen.
    Die Lehmann-Pleite hat eben Folgen.
    Und Staaten für so doof erklären zu wollen, wie man es sich in einigen Etagen ausgedacht zu haben scheint, eben auch.

    Dass Völker dabei auch noch weiter beansprucht werden - und es zu spüren bekommen - dürfte bei dem Hurrapatriotismus von Bankangestellten nicht unbemerkt bleiben.

    Die komplett ruinöse Rufschädigung von Bankinstituten, die indes haben diese ihren Mitarbeitern samt ihren Aktionären zu verdanken.

    Wohin das führen wird, werden wir uns alle künftig fürderhin Tag für Tag anschauen dürfen - samt allen Konsequenzen, die damit verbunden sein werden.

    Good Luck Ladies.

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