Was vom Tage bleibt
Auge um Auge

In München versucht die Welt die Dramaturgie des Terrors zu durchbrechen. In Berlin versucht Griechenland Zeit zu gewinnen. Und in Dortmund versucht Klopp, die Resignation zu bekämpfen. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Kampf ums Leben

Griechenland führt den Kampf ums Geld. Andere führen den Kampf ums Leben. Der erste Kampf – der ums Geld – wurde heute in Berlin fortgesetzt, der zweite ist ab morgen auf der Sicherheitskonferenz in München das Thema. Es wird dort zum Beispiel um den Terror der Extremistenorganisation Islamischer Staat gehen. Und während dann in München geredet wird, greift Jordanien zur Waffe. König Abdullah II., selbst ein ausgebildeter Pilot, hat seine Luftwaffe gegen die IS fliegen lassen. Er reagiert so auf die grausame Hinrichtung des entführten Kampfpiloten Maas al-Kassasbeh durch den IS. Konferenz und Kampf finden an unterschiedlichen Orten, aber zur gleichen Zeit statt, mit dem Unterschied, dass die Kämpfenden eine geringe Überlebenschance haben.

Unsichere Gleichung

Auch in der Ukraine wird gekämpft. Die Nato plant jetzt, ihre schnelle Eingreiftruppe auf rund 30.000 Soldaten zu verdoppeln. Mehr Soldaten = mehr Sicherheit? Das ist eine Gleichung, von der die Rechengenies bei der Münchner Sicherheitskonferenz nur sehr theoretisch beweisen können, dass sie wirklich aufgeht.

Kampf ums Geld

Wolfgang Schäuble hat heute in bester Diplomatenmanier verkündet: „Wir sind uns einig, dass wir uns uneinig sind“. Sein Gegenüber, der griechische Amtskollege Yanis Varoufakis, erwiderte ungehobelter: Noch nicht einmal darin sei man übereingekommen. „Es gibt keine Einigung. Aber das war nicht zu erwarten.“ Varoufakis will Zeit, damit seine Regierung das Land neu sortieren kann. Schäuble aber hat ihm eine Stoppuhr in die Hand gedrückt. Sie läuft exakt bis zum 28. Februar, dann ist das Land pleite.

Draghis Warnschuss

Ein anderer könnte den Griechen eher Zeit verschaffen: Mario Draghi. Der EZB-Präsident gibt sich jedoch stur und entschied, keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit für EZB-Kredite zu akzeptieren. Draghis Warnschuss ist nicht nur einer Richtung Athen, sondern auch ein Signal Richtung Brüssel: Sucht eine Lösung, bevor ich es tue! Europas Politiker sollten sich das zu Herzen nehmen. Denn wir alle wissen, nach welchem Motto Draghi handelt, falls die Politik nicht vorankommt. Sein Arbeitsmotto heißt: Geld heilt alle Wunden.

Der (vor)letzte Missionar

Jürgen Klopps Verein Borussia Dortmund steht auf Platz 18 der Bundesliga-Tabelle. Das ist der letzte Platz und normale Trainerkarrieren sind ab Platz 16 ziemlich schnell vorbei. Nicht so die von Klopp. „Ich bin enttäuscht, aber nicht am Boden zerstört. Resignation kann ich komplett ausschließen, denn ich bin vom Erfolg der Mission Klassenerhalt überzeugt“, sagt er. Klopp ahnt: Am Ende ist einer erst dann, wenn er der Letzte ist, der von seiner Mission überzeugt ist. Was Klopp nicht weiß, ist, wieviel Niederlagen es braucht, bis er selbst der letzte Missionar ist.

Einen überzeugenden Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Auge um Auge"

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  • Genau das, und auch woran es höchstwahrscheinlich liegt (skript Seite 1 wird in einer Funktion im Kopf aufgerufen) habe ich gestern bereits per Mail an die Redaktion geschrieben. Ich schätze der Programmierer ist ausgefallen (krank?)

  • Hallo Herr Stock,

    das Umblättern der Kommentarseiten funktioniert leider nicht mehr. Man kann nur die neusten Kommentare der ersten Seite lesen.

    Ich tippe mal auf Kinderkrankheiten. Diese sollten allerdings irgendwann schon mal abgestellt werden

  • Manchmal funktioniert auch „Kommentar abschicken“ einfach nicht. Also beim Forum habt ihr die Handhabung für die Nutzer definitiv stark verschlechtert!

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