Was vom Tage bleibt

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Was vom Tage bleibt: Autisten an die Tastaturen

SAP sucht autistische Programmierer. De Maizière wird seinen Fehler politisch überleben. Apple ist auch beim Steuersparen kreativ. Ein Tornado hinterlässt Optimisten. Das Aus der Lottofee. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.
Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

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Anders gedacht

Der Softwarekonzern SAP will Hunderte Autisten zu Programmierern ausbilden. Bis 2020 sollen ein Prozent der weltweit zuletzt rund 65.000 Mitarbeiter von SAP Menschen mit autistischer Störung sein. SAP suche Menschen, die anders denken, sagte Personalchefin Luisa Delgado. Klasse. Und ich hoffe inständig, dass so, wie diese Aufgabe für die Betroffenen eine Brücke in unsere Welt sein kann, die Ergebnisse ihrer Arbeit für uns eine Brücke in die Welt der Bits and Bytes sein wird.

Weg mit dem Minister?

Muss Verteidigungsminister  Thomas de Maizière zurücktreten, weil der Kauf von Drohnen für die Bundeswehr zur Millionenpleite geworden ist? Was muss eigentlich in Deutschland passieren, damit ein Politiker zurücktritt? Die ehemalige Wissenschaftsministerin Annette Schavan musste gehen, weil ihr Doktortitel nicht regelgerecht zustande gekommen war. De Maizière-Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg räumte aus dem gleichen Grund seinen Posten als Verteidigungsminister. Ex-Bundespräsident Christian Wulff legte sein Amt nieder, weil er den Vorwurf zu großer Nähe zu Unternehmen nicht entkräften konnte. Mit ihrer Amtsführung hatte der jeweilige Rücktrittsgrund wenig zu tun. Wenn aber schon Gründe fernab der Amtsführung ausreichen, um Rücktritte zu erzwingen – dann müsste ein Fehler im Amt erst recht dazu führen, dass ein Politiker nicht länger auf seinem Posten bleibt. De Maizière hat einen solchen Fehler begangen, weil er das Projekt eines unbemannten Aufklärungsflugzeugs nicht bereits vor zwei Jahren stoppte, als sich abzeichnete, dass die Drohne in Deutschland keine Zulassung erhalten würde. Von der Logik her müsste es also heißen: Weg mit dem Minister! Doch Logik steht in der Politik hintenan. Emotion und Strategie sind wichtiger. Zur Emotion gehört, dass de Maizière integer ist und nicht polarisiert. Was in der Politik nicht unbedingt ein Lob ist, hilft ihm jetzt: So einen aufrechten Kerl wirft niemand raus. Zur Strategie gehört, dass ein Ministerwechsel kurz vor der Wahl ein besonders schlechtes Licht auf die Regierung wirft: Die eigenen Reihen werden sich deswegen um den Minister schließen. Das Ergebnis: De Maizière bleibt. Auch wenn er einen teuren Fehler gemacht hat.

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Ungebremste Kreativität

Tim Cook, Apples Vorstandsvorsitzender, muss sich vor dem US-Senat wegen eines Überschusses an Kreativität verantworten. Es geht aber nicht um die neueste I-Idee, sondern um etwas, das vielleicht I-Tax heißen sollte: Apples Umgang mit der Steuer. Der Konzern hat mittels kreativer Buchhaltung eine hohe Steuerlast in den USA vorgetäuscht. In seinem Geschäftsbericht weist er eine Steuerquote von 25,2 Prozent aus, obwohl in Wirklichkeit nur 15 Prozent bezahlt wird. Die Differenz ist sogenanntes „Reserve Accounting“. Apple notiert Reserven in seiner Bilanz dafür, dass vielleicht irgendwann einmal in Steueroasen geparktes Geld in die USA zurückgebracht und dort nachversteuert werden muss. Diese Reserven sind jedoch nur ein Buchhalter-Eintrag und haben nichts mit gezahlter Steuer zu tun. Ist das schlimm? Ich meine, die Politik sollte ihren Job machen und für ein einfaches Steuersystem sorgen. Dann müssten die kreativsten Unternehmen der Welt nicht ständig einen Teil ihre Ressourcen verschleudern, um auch noch die Buchhaltung kreativ zu gestalten.

Berechenbarer Tornado

Mit monströser Wucht hat sich ein Tornado durch einen Vorort von Oklahoma City gefressen, Menschen getötet, Häuserblöcke plattgemacht, Schulen zerstört. Manche haben fast alles verloren. Ihre letzten Habseligkeiten packen die Überlebenden in Rucksäcke und Koffer. Es gibt eine Zahl, die Mut macht: 16. 16 Minuten Vorwarnzeit hatten die Menschen. Das ist doppelt so lang wie sonst und trug dazu bei, dass die Zahl der Toten geringer ist als befürchtet. Der Fortschritt wird nie darin bestehen, Katastrophen zu verhindern. Aber er besteht schon jetzt darin, ihre Auswirkungen zu lindern.

Lottofee adè

Ich werde es vermissen: Diese rotierende Glaskugel, das Rollen der kleineren Kugeln darin, das Plopp, wenn eine ausgespuckt in ihrem Fach landete. Ich habe dabei immer meditiert und an die Großmutter gedacht, die zeitlebens Lotto spielte, aber eher durch Arbeit als durch Glück wohlhabend geworden war. Nicht, dass ich mich absichtlich zur Ziehung der Lottozahlen ins Fernsehen verirrte - aber wenn ich eingeschaltet hatte, verharrte ich vor diesem putzigen Relikt wie vor einer Schreibmaschine oder einem Kassettenrecorder oder einer Telefonzelle. Jetzt haben ARD und ZDF beschlossen die Ziehung zu verkürzen. Auf eine Minute. Nicht live und mittwochs auch ohne Moderatorin. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben damit ein elftes Gebot erfunden: Du darfst nicht alt aussehen, heißt es. Hoffentlich vergessen die Macher nicht, dass die Alten nicht die Hinterbliebenen sondern manchmal auch die Altvorderen sind.

Rufen Sie die Alten heute Abend mal an. Manchmal hilft es.

Oliver Stock

  • 22.05.2013, 12:06 UhrFranzJosefNeffe

    Aus Menschen Autisten machen war nicht die Lösung.
    Vor 30 Jahren habe ich schon mein Ich-kann-Schule-Erlebnis berichtet, wo ich den umgekehrten Weg gegangen bin. Ich besuchte Autisten, weil ich wissen wollte, was passiert, wenn ich nicht an Autismus glaube. Mich interessierte nur der Mensch. Das kann Autismus zum Schmelzen bringen. Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

  • 21.05.2013, 22:30 Uhrautista

    die kaufen also sowas wie aliens ein.
    nun gut, wenn die den laden dicht machen wollen.
    net mein prob.
    aber vermutlich wähnen die sich grad furchtbar kreativ mit ihrem krüppelbeförderungsprogramm.
    müssen die selbst wissen.
    als ausgebildeter autist, SQAP weiß ja alles noch mehr und viel besser werden sie schon wissen, wo sie den dampfer auf grund setzten wollten.

    the (b)rain in spain.

    lassen wir die spielchen mit diesen idioten besser jetzt.

  • 21.05.2013, 22:14 UhrEin_Herz_Fuer_SAP

    Die Rechnung geht ganz einfach aus: SAP hat ein Herz für Autisten.
    Für die ist ein Autist eine Art von Bakterie, die dem Laden jenen Rohstoff liefern wird, der ihr zu fehlen scheint.
    Und die wollen ja irgendsowas züchten: Bakterien mit einem clearmind, einer Art Vademecum für die Ideengeschichte, für die sie lediglich eine handvoll Dollars und guten Willen brauchen.

    grauslig zwar aber es klingt nicht nur so: eine art von mentaler biotonne fürs Markenimage.

    Good luck ladies.

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