Was vom Tage bleibt: „Autsch“ sagen die Commerzbank-Aktionäre

Was vom Tage bleibt
„Autsch“ sagen die Commerzbank-Aktionäre

Beinahe wäre Deutschlands erste Bankaktie unter die Ein-Euro-Marke gerauscht. Die Griechen sind schneller mit dem Steuerzahlen fertig als wir. Und ein Richter definiert Gerechtigkeit. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Commerzbank macht Kopfweh

Heute wäre der Tag gewesen. Der Tag, an dem die Commerzbank-Aktie unter einen Euro gerutscht und damit ein sogenannter Pennystock geworden wäre. Die Betonung liegt auf „wäre“ – denn durch einen Schachzug hat die Bank vermieden, dass ihr dieser Makel anhaftet: Erst vor wenigen Tagen strich sie die Zahl der Aktien zusammen. Jeweils zehn Aktien wurden zu einer zusammengelegt. Damit stieg - zumindest optisch - der Aktienkurs um das Zehnfache. Statt gut einen Euro kostete eine Aktie seither etwas mehr als zehn Euro. Damit ist es nun allerdings auch wieder vorbei – die Talfahrt geht weiter. Heute fiel der bereinigte Kurs um 4,5 Prozent auf 9,74 Euro, was nach alter Rechnung einem Kurs von 97 Cent entspräche. Alter Wein, neue Schläuche – das macht Kopfweh.

Die Schuldenschlendriane

Zahlen können Sprengkraft haben. Die EU-Kommission hat eine Studie vorgelegt, in der sie die Steuern und Sozialabgaben in den Mitgliedsländern vergleicht. Das ist interessant, seit manche EU-Länder von anderen finanziell über Wasser gehalten werden, und wir deswegen schon gerne wissen, ob bei den Schuldenschlendrianen vielleicht eben einfach nicht genug Geld eingetrieben wird. Die Ergebnisse zeigen: Am stärksten wird in Dänemark zugegriffen. Dort wandert fast jeder zweite verdiente Euro in öffentliche Kassen. Deutschland liegt in der Übersicht an achter Stelle. Jeder Deutsche musste 2011 bis Ende Mai arbeiten, um alle Steuern und Sozialabgaben zu finanzieren. Besser erging es den Spaniern und Griechen. Dort hatten die Bürger ihre Abgabenlast schon Ende April abgegolten, und damit unsere Befürchtung bestätigt. Allerdings: Besonders lange für den Staat arbeiten mussten die Italiener – womit die Sprengkraft so ziemlich verpufft.

Karl Marx und die Kinderbetreuung

Was bringen Euros vom Staat für die Familie? Nichts, oder fast nichts, sagt eine Studie des Münchner Ifo-Instituts. Der Grund: Eine Kinderbetreuung erhöht den Anreiz für Mütter zu arbeiten, Geld vom Staat dagegen führt dazu, dass Mütter lieber zu Hause bleiben. Die tatsächlichen Kosten einer Kindergelderhöhung liegen deswegen deutlich über dem, was auf dem Papier steht. Mir ist das System sowieso schleierhaft: Wer sein Kind in den Kindergarten schickt, erhält eine Subvention, wer es zu Hause lässt, auch. Ich glaube, dass nennt sich Sozialismus. Karl Marx hätte seine Freude daran.

Herr Huber und die Gerechtigkeit

Das Oberlandesgericht München hat bekanntgegeben, wer die Presseplätze im NSU-Prozess erhält. Nicht dabei: die „Zeit“, die „FAZ“, die „Welt“, die „taz“ und die „Süddeutsche Zeitung“. Das Handelsblatt auch nicht, wir haben uns allerdings auch gar nicht darum beworben. Insgesamt gab es 927 Anträge auf Akkreditierungen für gerade mal 50 Presseplätze. Die Plätze für das öffentlich-rechtliche Fernsehen gingen an ARD, WDR und ZDF. Die Plätze für das Privat-TV erhielten „Ebru TV“ - ein Sender der türkisch-islamischen Gülen-Bewegung - und „Kabel eins“. Den letzten Presseplatz bekam die Zeitschrift „Brigitte“. Der Präsident des Oberlandesgerichts München, Karl Huber, hält das Losverfahren für „angemessen, gerecht und allgemein anerkannt“. Ich finde, alle drei Attribute treffen nicht zu.

Einen angemessenen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: „Autsch“ sagen die Commerzbank-Aktionäre"

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  • Die Commerzbank ist am Anfang auf einen guten Weg. Leider will sie aber zu einer reinen Internetbank mutieren, ohne die dafür nötige Informatik Kompetenz auch in den eigenen Reihen zu haben. Man greife besser nicht in das fallende Messer, sondern warte ab, ob die Kapitalerhöhung klappt und das neue Geschäftsmodell, sobald es denn mal klar definiert ist, auch greift. Einen Einstiegskurs sehe ich zwischen €4 - €5 bzw. darunter, sollte keine weitere Aktienverdichtung stattfinden müssen.

  • Herr Blessing handelt offensichtlich im Auftrag der EZB: Überschüssige Anlagegelder der Aktionäre werden eingezogen und schnellstmöglich vernichtet, um die Inflation zu bekämpfen. Damit qualifiziert er sich für die Nachfolge von Herrn Draghi, um zukünftig im Auftrag der Exportindustrie für einen schwachen Euro zu sorgen, wofür er natürlich als ganz besonders geeignet erscheint.

  • Sehr geehrter Herr Stock,

    als die Commerzbank sowohl die für Mitte Mai beabsichtigte Kapitalerhöhung als auch die Zusammenlegung der Aktien in Höhe von 10 : 1 bekanntgab, wurde von verschiedenen Fachleuten vorgerechnet: Nach der Kapitalerhöhung wird der Gegenwert der Aktie bei ca. 65 Cent bzw. 6 Euro 50 liegen. - Insofern ist zu vermuten, daß die CoBa-Aktie bis auf diesen Kurs sinken wird.

    Ob die geplante Teilrückzahlung der Staatsgelder zu diesem Zeitpunkt ein guter Schritt ist, wird sich erst beweisen müssen. - Meines Wissens nach wirken Kapitalerhöhungen dann wertsteigernd, wenn in neue und erfolgreiche Geschäftsbereiche investiert wird. Ob die Aushebelung der Sperrminorität des Staates ein erfolgreiches "Geschäftsmodell" ist?

    Wie die CoBa wieder an Unternehmens- (und Aktien-)Wert gewinnen will, ist für mich derzeit nicht zu erkennen. Massenweise Mitarbeiter zu entlassen ist nicht gerade innovativ. Insbesondere dann, wenn behauptet wird, die Privatkunden mehr in den Mittelpunkt rücken zu wollen. Solcherlei läßt die Spekulation aufkeimen, zukünftige Anlage-Empfehlungen in den Filialen entstehen noch mehr unter Profit-Druck als bisher.

    Folglich: Anlage-Empfehlungen prinzipiell bei einer Verbraucherzentrale gegenprüfen lassen (die 170 Euro dort zahlen sich zigfach aus) und: Augen auf beim Aktien-Kauf.

    mit besten Wünschen
    K.S.

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