Was vom Tage bleibt
Badbanker unter sich

Ob das gut geht? WestLB-Erben kümmern sich um HRE-Schrott. Sparkurs zwingt Ryanair zum Landen. Und selbst die Chinesen machen sich Sorgen um die Eurozone. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Hart gearbeitet

Sie können sich wahrscheinlich noch daran erinnern und ich kann es auch noch: Es gab mal eine Zeit, da antwortete jeder zweite Deutsche auf die Frage, was sein und das drängendste Problem des Landes sei: die Furcht vor der Arbeitslosigkeit. Dass das heute anders ist, liegt daran, dass es Drängenderes gibt: die Umwelt, den Euro - okay. Es liegt aber auch daran, dass wir das Problem entschärft haben. 2,9 Millionen Frauen und Männer waren im August ohne Arbeit. Das ist der niedrigste Augustwert seit 21 Jahren. Dass er gegenüber Juli gestiegen ist, braucht uns noch nicht zu beunruhigen.

Vom Unfallfahrer zum Verkehrspolizisten

Die einstmals größte deutsche Landesbank WestLB hat sich mit einem letzten Verlust aus unserem Leben verabschiedet. Belastet durch den Umbau des Konzerns schrieb das Institut 343 Millionen Euro Miese im ersten halben Jahr, wie der WestLB-Nachfolger Portigon heute mitgeteilt hat. Im Vergleich zu den Milliarden Euro, die die Bank bislang verschlang, ist das die gute Nachricht. Die andere Nachricht ist noch nicht klar zuzuordnen: Portigon will Kunden aus der Finanzindustrie bei der Abwicklung von Schrottpapieren beraten. Da haben die WestLB-Banker ohne Zweifel Erfahrung. Dennoch klingt es so, als wolle ein Unfallfahrer künftig den Verkehr regeln. Dass der erste Kunde ausgerechnet die Schrottpapierabteilung in der Skandalbank HRE ist, stimmt mich auch nicht so viel optimistischer.

Leichtbekleidete Passagiere

Kein Klo an Bord, Diät für die Stewardess, kein Eiswürfel im Drink - wenn es ums Sparen geht, ist Ryanair-Chef Michael O'Leary kein Vorschlag zu skurril. Jetzt erhebt die Pilotengewerkschaft Cockpit Vorwürfe gegen den Iren: Mit seinen strikten Vorgaben zum Benzinsparen gefährde der Ryanair-Chef die Sicherheit der Passagiere. Die Kritik der Piloten hat einen Anlass: Jüngst mussten drei Flugzeuge von Ryanair, die auf dem Weg nach Madrid waren, in Valencia notlanden, weil der Treibstoff knapp wurde. Was tun als Passagier? Möglichst leicht bekleidet und ohne Gepäck fliegen. Das spart Kerosin und ist immer noch besser, als gar nicht abzuheben. Das blüht Ihnen nämlich bei der Lufthansa, wo morgen gestreikt wird.

Harte Deutsche

Die Deutschen erwarten von Bundeskanzlerin Angela Merkel einen harten Kurs gegenüber Griechenland. Mehr als 85 Prozent der Befragten verlangen von der Bundesregierung, die Sparauflagen für Athen nicht zu lockern., ergab eine Umfrage des Forschungsinstituts „mafo.de“ im Auftrag von Handelsblatt Online. Gefühlt allerdings sind dies ein paar Pünktchen weniger als noch vor vier Wochen, was an den Griechen liegt: Ihr Präsident hat auf internationalem Parkett Tritt gefasst.

Komm zur Sache, Wen!

Bis China hat sich diese Wendung freilich noch nicht herumgesprochen. Premier Wen Jiabao habe Vertrauen in seinen Gast, sagte er als der Mann, der heute Frau Merkel in Peking empfangen hat. Doch dann kann Wen zur Sache: „Wir sehen in letzter Zeit eine weitere Verschlechterung der Lage in der Eurozone.“ Und als er vom „Verbleib Griechenlands in der Eurozone“ sprach, klang das so, als sei das alles andere als sicher. Für Italien und Spanien nannte er einen „Antrag auf umfassende Hilfe" eine mögliche Option. Statt sich asiatisch-indirekt zu äußern, sprach er damit die Katastrophenszenarien an, an die Merkel die Investoren eigentlich lieber nicht erinnern will. Sehr geehrter Herr Premier, in ihrem Land gibt es ein Sprichwort, dass sie doch bitte den Gästen weitersagen, die vielleicht einmal aus Südeuropa zu ihnen eilen. Es heißt: „Dem Sparsamen fällt es leichter, sich ans Verschwenden zu gewöhnen, als dem Verschwender, sich zum Sparen aufzuraffen.“

Einen verschwenderischen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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