Was vom Tage bleibt
Bange machen gilt nicht!

Die Stimmung an der Börse ist schlecht, obwohl die Nachrichten nicht schlechter sind als sonst. Die Koalition schließt einen teuren Frieden. Schlecker entfacht den Neid. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Alles geht den Bach runter

Was ist eigentlich passiert? Griechenland steht so klein und labil da, wie vor vier Wochen. Für Portugal hat die EU heute die nächste Tranche des Rettungspakets freigegeben. Das bedeutet: Das Land erfüllt seine Spar-Hausaufgaben geräuschloser als andere. Spanien will nicht unter den Rettungsschirm, könnte aber. Und dennoch kennen die Börsen nur eine Richtung: nach unten. Den Dax hat es heute sogar zeitweise unter die Marke von 6000 Punkten verschlagen. Liebe Anleger: Wenn keiner gegen den Strom schwimmt, geht irgendwann alles den Bach runter. Wann schwimmt hier mal bitte jemand gegen an?

Ausgabenweltmeister

Deutsche Politik funktioniert so: Wenn der eine sagt, er will das nicht, weil es zu teuer ist, und der andere sagt, er will etwas Anderes nicht, weil es noch teurer ist, dann wird garantiert beides gemacht. So haben sich heute die Spitzen der Regierungskoalition Herr Seehofer, Herr Rösler und Frau Merkel darauf geeinigt, dass Seehofer sein Betreuungsgeld für zu Hause erziehende Eltern und Rösler die finanzielle Förderung privater Pflege-Zusatzversicherungen bekommt. Die beiden wiederum haben der Kanzlerin dann versprochen, fast nie mehr über ihren harten Eurokurs zu meckern. Dass sich die Berechtigung andere zum Sparen zu nötigen, daraus herleitet, selbst kein Ausgabenweltmeister zu sein - das haben die drei heute glatt vergessen.

Ungefiltert bitte!

Mercedes-Fahrer sind nicht ohne. Nun kommt raus: Mercedes-Bauer auch nicht. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigt heute jedenfalls, dass sie gegen Mitarbeiter des Stuttgarter Dax-Konzerns ermittelt, die einem Filterhersteller Aufträge zugespielt und dafür Belohnungen kassiert haben sollen. Uns würde jetzt die ganze Geschichte interessieren. Ungefiltert.

Wer ist Deutschland?

Deutschland vollzieht die Energiewende. In dieser Aussage stecken zwei Unbekannte. Die erste: Wohin wendet sich die Energieversorgung? Und die zweite: Wer ist Deutschland? Der Bundesverband der Deutschen Industrie fängt beim zweiten Punkt an. Er kann nicht erkennen, wer zuständig ist, beklagt Kompetenzwirrwarr und verlangt jetzt, die Energiewende zur Chefsache zu machen. Wer Chef ist, sagt der BDI aber leider auch nicht so genau. Vermutlich Frau Merkel. Als hätte die nicht genug an der Backe.


Was nach der Pleite bleibt

Was bleibt den Schleckers? Die Frage taugt hervorragend für eine Diskussion für alle die, die neidisch sind. Die Antwort ist: Im Vergleich zu dem, was die Familie vor der Pleite besaß, bleibt ihr nur ein Bruchteil. Im Vergleich zu dem, was andere Leute so ihr Eigen nennen, ist es noch immer eine Menge. Ärgerlich? Nein. Von der Idee, dass Unternehmer, die eine Pleite hinlegen, fortan im Büßergewand gehen müssen, sind weltweit nur die Deutschen überzeugt.

Viel Spaß beim Diskutieren der letzten Frage wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Bange machen gilt nicht!"

Alle Kommentare

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  • Antwort an Geld_ regiert_ "Alle" _schlafen

    Sprachabsicht und Adressat falsch

  • Tja, die entscheidende Frage im Thema Schlecker-Vermögen wird wohl eher sein, ob nicht etwa die Methode Unternehmensgewinne zu Lasten der Mitarbeiterinnen zu generieren und diese dann in Famlienkonten zu tranferieren, um sie vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters zu schützen. Dies muß sicher die Staatsanwaltschaft untersuchen und im Sinne eines möglichen Straftatbestandes klären, die Diskussion darüber muß doch aber statthaft sein. Im Übrigen denke ich, daß um das unternehmerische Risiko eines kleinen Handwerksbetriebes längst kein Geschiß gemacht würde, der müßte finanziell bluten bis nix mehr da ist. Es sei denn, er wäre zwischenzeitlich so schlau gewesen, daß er......

  • ForzaEURO
    Man kann mit Spanien, Irland, Schleckers, Commerzbank, Dexia, HSE, Depfa, Müller und Maier würdevoll umgehen, selbst wenn sie Schuldner sind. Es stünde vielen Deutschen gut zu Gesicht, wenn sie häufiger den Ton zu treffen versuchten. Man muss, nur weil man freundlich bleibt, nicht gleich seine Position aufgeben - siehe England und die Engländer
    Tja der Herr hat wohl nicht mitbekommen, dass England nicht in der Abenteuerwaehrung Euro ist..

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