Was vom Tage bleibt
Banken auf vier Rädern

Ganz abwegig ist der Vergleich nicht: Unberechenbare Abgaswerte sind auch nicht schlimmer als unberechenbare Bankprodukte. Fifa-Boss-Blatter macht sich unsichtbar. Was heute wichtig ist, lesen Sie hier.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser!

Von Autos und anderen Bankprodukten

Lustig ist unser beliebter Allzweck-Ökonom Hans-Werner Sinn, wenn er Auto- und Bankenindustrie vergleicht: Investment-Fonds programmieren ihre Produkte grundsätzlich so, dass sie bessere Bewertungen bekommen, als sie verdienen. „Im Testlauf der Rating-Agenturen bekommen sie ein 'sehr gut', doch im Alltagsbetrieb erweisen sie sich als Geldvernichtungsmaschinen.“ Wo seien denn die Sammelklagen, die die Hersteller der betrügerischen ABS-Papiere aus Amerika mit Forderungen von Dutzenden von Milliarden Euro überschütteten, fragt sich der Ökonom.

Vorwärtsverteidigung

Sinn ist ein Mann des Wortes. Während die VW-Verantwortlichen Asche auf ihr Haupt streuen, nimmt er kein Blatt vor den Mund: Über Jahrzehnte hätten die Amerikaner versucht, „die kleinen und effizienten Dieselmotoren für Pkw durch immer weiter verschärfte Stickoxid-Grenzen vom Markt fernzuhalten, weil man selbst die Technologie nicht beherrschte“, sagt er. Gegen die „Stickoxid-Schleuderei der eigenen Trucks“ wiederum habe man in den USA nichts. „Nun hat die Strategie endlich den gewünschten Erfolg. Der Diesel-Motor ist wieder weg. Meinen herzlichen Glückwunsch.“ Irgendwie ist die Vorwärtsverteidigung, die Sinn da betreibt, auch mal wohltuend nach einer Woche der Kritik.

Leichtmatrosen für Syrien

Entlarvender hätten die Gegensätze kaum sein können. Während randvoll beladene Kriegsschiffe aus Moskau den Bosporus Richtung Syrien durchqueren und Satellitenfotos von modernsten russischen Kampfjets auf dem Rollfeld von Latakia zirkulieren, schicken die USA den zweiten Trupp ihrer frisch trainierten Syrer-Rebellen über die Grenze: 75 Freiwillige in Jeeps mit leichten Waffen, Leichtmatrosen sozusagen. Die erste Gruppe vor acht Wochen wurde bereits nach wenigen Stunden von Dschihadisten aufgerieben, auch weil ihre Kämpfer zunächst mit ihren Familien Wiedersehen feiern wollten. Nicht zuletzt solche Details belegen, so schreibt unser Korrespondent Martin Gehlen: Der Westen ist bei der syrischen Tragödie nur an der Peripherie unterwegs.

Blatter auf der Flucht

Die Weltpresse war heute nach Zürich gekommen, um nach zweimonatigem Schweigen endlich den Mann zu hören, der immer noch im Mittelpunkt aller Skandale um den Weltfußballverband Fifa steht: Joseph Blatter. Was würde Blatter zum Beispiel zur Suspendierung seines langjährigen Vertrauten, des ehemaligen Generalsekretärs Jerome Valcke, sagen? Die Antwort: nichts. Der Fifa-Boss erschien nicht. Er war vor den Journalisten geflohen. Der Grund wurde ein paar Minuten nach der geplatzten Pressekonferenz bekannt: Auch die Schweizer Justiz ermittelt jetzt gegen ihn – womit ihm nicht mal mehr in Zürich eine Bühne zur Verfügung steht.

Wir Schutzbefohlenen

Um uns vor Überschuldung zu schützen, setzt sich der Bundesrat für eine gesetzliche Obergrenze bei den Dispozinsen ein. Damit schlagen sich die Bundesländer auf die Seite der Verbraucherschützer. Vor wem schützen uns eigentlich die Bundesländer und Verbraucherschützer damit? Mir scheint: Am meisten vor uns selbst.

Ein geschütztes Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Banken auf vier Rädern"

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  • "Lustig ist unser beliebter Allzweck-Ökonom Hans-Werner Sinn, wenn er Auto- und Bankenindustrie vergleicht"

    Er hat aber etwas sehr wichtiges gesagt, was nicht jedem klar ist: In der Tech-Branche wird Hard- und Software so hingetuned, dass bestimmte Benchmark-Werte erreicht werden. In der Finanzbrache ist das genauso: Man stellt die Ergebnisse (auch die Bilanzen) bestmöglich für den jeweiligen Zweck dar. Das ist legal.

    Aber es gibt auch die illegale Variante:
    Die Benchmarks sind manchmal synthetische Tests, die in einem realen Szenario nur begrenzt aussagefähig sind. Um die Jahrtausendwende (2003) hatte ein Grafikkartenherstellen NVidia ähnliche Strategien wie VW angewandt, nämlich einen Benchmark-Test zu detektieren und dann das verhalten zu ändern.

    http://www.geek.com/games/futuremark-confirms-nvidia-is-cheating-in-benchmark-553361/

    Und dass auch in der Finanzbranche mal Ergebnisse gefixt werden, muss man hier nicht extra betonen. Es gibt also durchaus Parallelen.

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