Was vom Tage bleibt
Baustelle Microsoft

Steve Ballmer will nicht mehr arbeiten, Ulrich Schumacher hingegen schon. Felix Magath könnte es nach Hamburg ziehen, die Pkw-Maut hat noch wenig Freunde. Immerhin: Apple beweist Durchhaltevermögen. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Nachfolger muss es richten

Wann ist der Zeitpunkt gekommen, zu dem sich ein Vorstandschef aus dem Unternehmen zurückziehen sollte? Je früher, desto besser. Diese Devise scheint zumindest Microsoft-Boss Steve Ballmer zu verfolgen. Mit 57 Jahren verkündet er seinen Rückzug, früher als viele andere Konzernchefs. Seine Milliarden hat er eingestrichen, möge sich künftig ein Nachfolger um die Probleme des Unternehmens kümmern. Ballmer hinterlässt dem neuen Microsoft-Boss auf jeden Fall eine ganze Menge an Arbeit. Der Umbau zu einem Mobil-Konzern ist allenfalls zur Hälfte bewältigt, die Amerikaner verlassen sich noch zu sehr auf die Vergangenheit als weltgrößter Software-Hersteller. Steve Ballmer kann das bald egal sein, am Strand ist es einfach viel schöner.

Rückkehr nach Europa

Ulrich Schumacher ist 55 Jahre alt und damit nicht viel jünger als der große Microsoft-Boss. Geld hätte er auch genug, arbeiten muss der frühere Infineon-Vorstandschef genauso wenig. Trotzdem entscheidet sich der Deutsche für den anderen Weg: Er will noch einmal richtig loslegen. Schumachers Motivation dürfte ziemlich klar sein. Er will seinen Neidern in Deutschland beweisen, dass er noch einmal zupacken kann. Bei Infineon war er mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt worden, jetzt kehrt er nach Europa zurück. Bei Zumtobel in Österreich erwartet ihn keine leichte Aufgabe. Der Leuchten-Hersteller aus Vorarlberg hat zwar noch einen guten Ruf, etwa wegen seines Designs. Aber damit allein lassen sich noch keine Geschäfte machen. Zumtobel ist klein. Ein Unternehmen, das etwa mit Philips gegen viel größere Gegner bestehen muss. Diese Herausforderung ist vielleicht genau die richtige Aufgabe für einen gestandenen Manager wie den früheren Infineon-Boss. Viel Glück, Herr Schumacher!

Wieder zu den Wurzeln

Und da ist noch jemand, der sich nicht aufs Altenteil zurückziehen möchte. Felix Magath ist als neuer Boss beim Hamburger SV im Gespräch, eine Aufgabe, die ihn ködern sollte. Magath hat als Spieler seine großen Erfolge beim HSV gefeiert. Heute geht es dem Verein alles andere als gut: Es gibt keine sportliche Erfolge, wirtschaftlich sieht es auch nicht besonders aus. Das sind doch die Situationen, die einen Felix Magath so richtig locken. Einem Verein geht es schlecht, er versucht den Turnaround. Sollte der Hamburger SV an diesem Wochenende verlieren, dann dürfte es heißen: freie Bahn für Magath!

Alle sollten zahlen

Auf diese Nachricht haben alle gewartet: Heute am Freitag verkündete der ADAC, dass eine große Mehrheit der deutschen Autofahrer die Pkw-Maut ablehnt. Ist das eine Überraschung? Natürlich nicht. Denn wer zahlt schon gerne mehr dafür, wenn er mit seinem Auto unterwegs ist. Mautgegner wie der ADAC sollten aber lieber einmal nachdenken: Vielleicht ist eine Maut gar nicht so schlecht? Ausländische Fahrer auf deutschen Straßen müssten dann ebenfalls zahlen. Andere Länder wie Frankreich, Italien und Österreich machen es doch vor. Dort muss jeder, der auf den Autobahnen unterwegs, die Mautgebühr zahlen. Im Gegenzug ließe sich in Deutschland die Kraftfahrzeugsteuer senken. Dadurch muss eine neue Maut nicht zwangsläufig zu einer höheren Belastung führen. Also, lieber ADAC, das wäre doch etwas, oder?

Auf dem rechten Weg

Apple hat in den vergangenen Monaten trotz der großen Erfolg mit iPhone und iPad auch Hohn und Spott kassieren müssen. Der Grund: Mit seinen eigenen Navigations-Paketen hatte der US-Konzern ziemlichen Schiffbruch erlitten. Wettbewerber wie Google Maps und TomTom scheinen uneinholbar. Aber niemand sollte Apple zu früh abschreiben, der Konzern gibt auch bei Navigationssystem nicht auf. Binnen weniger Wochen hat Apple nun schon die dritte kleinere Navigations-Firma aufgekauft, fremde Ideen sollen das Problem also lösen. Meine Wette: Dieser zweite Anlauf dürfte sitzen. Und bald wird auch Apple zu den großen Anbietern von Navigationssystemen gehören.

Ein schönes Wochenende, immer mit einer guten Orientierung wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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