Was vom Tage bleibt
Berater balgen sich um Steinbrück

Der Kanzlerkandidat ist derzeit nicht vom Glück verfolgt. Die Deutsche Bahn hat Pech mit Siemens. Der Lehman-Insolvenzverwalter dagegen wittert das ganz große Geschäft. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Steinbrücks Beraterwettlauf

Peer Steinbrück wollte den Unternehmer Roman Maria Koidl zu seinem Berater machen. Er hat davon Abstand genommen, weil Koidl so etwas wie ein bunter Hund ist. Die Personalie werde ihm „Pech bringen“, schrieb ihm außerdem ein anderer PR-Berater. „Wie können Sie ungeprüft solch einen Mann für sich gewinnen wollen, nachdem Ihnen jüngst schon das ein oder andere Missgeschick passiert ist?“, schrieb der andere PR-Berater, der übrigens Moritz Hunzinger heißt. „So wird man nicht Bundeskanzler“, endet Hunzinger. Hätte Steinbrück also statt Koidl lieber Hunzinger nehmen sollen? Das nun auch wieder nicht. Denn der Herr Hunzinger bringt nicht automatisch jedem Glück. Den Grünen-Politiker Cem Özdemir brachte 2002 ein Darlehen von Hunzinger in Bedrängnis.

Ausschalten - Einschalten - Geht wieder

Siemens muss die Software für die neueste Generation der ICE-Züge überarbeiten. Deswegen werden 16 Züge später an die Bahn ausgeliefert. Damit wird es eng im Winterfahrplan. Aus dem Siemens-Thema wird am Ende ein Bahn-Thema. Denn die Transporteure müssen es aushalten, wenn die Kunden motzen. Das Erstaunliche ist, dass Siemens und die Bahn nicht wie sonst technische Störungen während des laufenden Betriebs beheben. Einer Software, die nicht macht, was sie soll, ist doch meistens mit „Ausschalten - Einschalten - Geht wieder“ geholfen. Und das ist doch nun wirklich ein Vorgang, an den wir Bahnfahrer uns prima gewöhnt haben.

Ruhiger Puls

Den Puls der Euro-Krise fühlen immer diejenigen, die sich für Anleihen krisengeplagter Länder interessieren. Heute war Spanien dran. Und siehe da: Das Land hat sich zu günstigeren Bedingungen als zuletzt am Kapitalmarkt mit frischem Geld eingedeckt. Das als Anwärter auf den Euro-Rettungsschirm gehandelte Land bot den Investoren durch die Bank niedrigere Zinsen als bei den vorangegangenen Versteigerungen. 3,9 Milliarden Euro sammelten die Spanier ein. Für alle Euro-Doktoren heißt das: Der Pulsschlag hat sich beruhigt. Zumindest heute.

Lehman wird zur Chance

Wer beruflich Krisen als Chancen erkennt, dem zollen wir in der Regel Respekt. Bei einem Berufsstand machen wir aber komischerweise immer eine Ausnahme: bei den Insolvenzverwaltern. Sie sollen mit gesenkter Miene und möglichst für lau den Job des Bestatters - oder je nachdem - die Aufgabe des Reanimierers übernehmen. Michael Frege ist da von anderer Natur. Der Insolvenzverwalter der deutschen Lehman-Tochter sieht zumindest für sich die sagenhafte Chance, eine Rekordvergütung von bis zu 800 Millionen Euro für seine Arbeit zu berechnen. Anstatt nun neidisch zu werden, frage ich: Wo werden Sie eigentlich Ihr Geld anlegen?

Einen friedlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Berater balgen sich um Steinbrück"

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  • Wer immer Peer-Berater wird, sollte seinem Auftraggeber klar sagen: "Niemand wird auf einer Sänfte ins Kanzleramt getragen." Auch Empfehlungen von Altkanzlern sind kein Eintrittsticket.
    Und nun zu Spanien: Keine Entwarnung für Club-Med-Länder allgemein. Vielmehr sollte man Spanien nicht unterschätzen. Nur schon durch ihre Sprache, die in weiten Teilen Südamerikas und von einer wachsenden US-Bevölkerung gesprochen wird, haben die Spanier das Zeug zu Transatlantikern der zweiten Art, möglicherweise sogar bald eine gewisse Brückenkopffunktion zwischen Europa und den verschiedenen Amerikas. Ein Blick in die Küche ist ebenfalls aufschlussreich: Paella kann man sehr luxuriös zubereiten oder aber auch ganz frugal. Noch nicht mal der superteure Safran ist absolut zwingend vorgeschrieben. Man braucht eine Pfanne, Reis - und dann kocht man mit dem, was man hat. Vielleicht ein Hinweis, dass dieses Land in seiner Historie den Umgang mit Austerity schon gelernt hat - und womöglich sogar ein Rezept für die Zukunft von uns allen.

  • Unsinn, Herr Stock.
    Ich brachte Özdemir großes Glück, denn ohne mein Darlehen, das ihm mein Mitarbeiter (und sein Freund Altincioglu) vermittelte, wäre er insolvent gegangen. Er war mir zu recht sehr dankbar für die schnelle Hilfe, die ihm seine gut verdienenden grünen Freunde von Joschka Fischer über Künast, Trittin zu Kuhn und Schlauch verwehrten. Nur ich habe pragmatisch geholfen.

  • Hallo, Oliver Stock

    Steinbrücks Beraterwettlauf

    "Die Personalie werde ihm „Pech bringen“, schrieb ihm außerdem ein anderer PR-Berater. „Wie können Sie ungeprüft solch einen Mann für sich gewinnen wollen, nachdem Ihnen jüngst schon das ein oder andere Missgeschick passiert ist?“, schrieb der andere PR-Berater, der übrigens Moritz Hunzinger heißt. „So wird man nicht Bundeskanzler“, endet Hunzinger."

    Sie werden ja richtig unparteiisch,Herr Stock.
    Wo habt Ihr die Mail her,direkt von Hunziger?
    PR Mann eben.
    Immer gleich draufhüpfen? DER lohnt das nicht.

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