Was vom Tage bleibt
Biblisches Ausmaß

Die Katastrophe auf den Philippinen macht die Helfer hilflos. Daimler-Cheflobbyist von Klaeden tut der CDU einen Gefallen. Oettinger will Fracking. Und der Deutsche an der IOC-Spitze hat ein Problem. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Hilflose Helfer

Robert Hetkämper ist einer der Journalisten, die aus dem Katastrophengebiet auf den Philippinen berichten. Er hat die Zerstörung gesehen. Er hat die Verzweiflung gespürt. Er kann die Hilfsmöglichkeiten einschätzen. Er sagt: „Bei diesem biblischen Ausmaß der Katastrophe darf man auch von den Behörden keine Wunder erwarten. Die Regierung versucht ihr Bestes, aber das Beste ist eben nicht genug, um bei so einer Katastrophe die Menschen versorgen zu können.“ Am besten, wir versuchen alle unser Bestes.

Von Klaedens Perspektive

Der neue Cheflobbyist von Daimler, Eckart von Klaeden, hat seinen Sitz im Parteipräsidium der CDU niedergelegt. Mit diesem Schritt, den er eigentlich erst Ende nächsten Jahres vorhatte, möchte er zeigen, dass er Interessenskonflikte vermeiden will. Einen Interessenskonflikt gibt es immer dann, wenn ein Entscheider die Perspektive wechselt und plötzlich zu denen gehört, über die er entscheiden sollte. Und Interessenkonflikte können letztlich nur die vermeiden, die die Perspektive nie wechseln. Es ist gut, dass von Klaeden nicht dazu gehört.

Oettinger will fracken

Wettbewerbsfähigkeit ist ein großes Wort. Man kann mit Verweis darauf, niedrige Löhne zahlen, Atomkraftwerke bauen, Abgasnormen senken. Die Wettbewerbsfähigkeit ist ein Argument zum Totschlagen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat auf einer Handelsblatt-Tagung in Wien mit Hinweis auf die Wettbewerbsfähigkeit die Produktion von Schiefer-Gas nach amerikanischem Vorbild gefordert, in der Branche wird das „Fracking“ genannt. „Wir brauchen in Europa die Option des Fracking“, sagte er. Vielleicht hätte er sagen einfach sollen: Wir brauchen in Europa alle verantwortbaren Methoden, um Energie zu fördern. Das hätte nach Haltung geklungen - danach als würde er für Entscheidungen, die er anstößt, auch gerade stehen. Es wäre eine wundervolle Haltung für einen Energiekommissar.

Sport benebelt

Die Bayern wollen kein Olympia. Kann das sein? Ein Volk von Snowboardern, Skifahrern, Mountainbikern will den wichtigsten Wettkampf in diesen Disziplinen nicht im eigenen Land erleben? Nein. Wahrscheinlich haben die Bayern einfach nur Thomas Bach, den Präsidenten des IOC nicht so sehr in Herz geschlossen, wie den stets grantelnden Dichter Thomas Bernhard. Der schreibt: „Dem Sport ist zu aller Zeit und vor allem von allen Regierungen aus gutem Grund immer die größte Bedeutung beigemessen worden: Er unterhält und benebelt und verdummt die Massen und vor allem die Diktatoren wissen, warum sie immer und in jedem Fall für den Sport sind.“ Deswegen sind die Bayern dagegen.

Einen klarsichtigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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