Was vom Tage bleibt: Billigheimer Microsoft

Was vom Tage bleibt
Billigheimer Microsoft

Microsoft verschenkt künftig Handy-Software, die Türkei schaltet Twitter wieder frei. Die EZB lässt die Zinsen unverändert, RWE verkauft vielleicht seine Zentrale und Schäuble verärgert Moskau. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Alles umsonst

Es ist eine Revolution: Microsoft verschenkt künftig seine Software. Nicht für alle Geräte. Aber für den kräftig wachsenden Markt von Smartphones und Tablets gibt es das Windows-Betriebssystem bald gratis. Die Attacke zielt eindeutig auf den großen Wettbewerber Google, der mit seinem Android-Betriebssystem zu den wichtigsten Software-Spielern bei mobilen Endgeräten gehört. Bei Microsoft wäre ein solcher Schritt noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen. Die Entscheidung des Konzerns zeigt allerdings, wie wichtig das Mobilgeschäft inzwischen geworden ist. Und nur um im Geschäft zu bleiben, werden eben auch große Geschenke gemacht. Die Kunden können sich freuen: Der Gratis-Markt für mobile Software wird sicherlich noch weiter wachsen.

Freies Twittern

In der Türkei scheint am Ende dann doch die Vernunft zu siegen. Die Regierung Erdogan gibt nach und schaltet den Internet-Nachrichtendienst Twitter wieder frei. Twitter gehört in der Türkei zu den beliebtesten Informationsdiensten überhaupt. Nahezu 40 Prozent aller Internet-Nutzer sind auch bei Twitter unterwegs, ein internationaler Spitzenwert. Gegen diesen gewaltigen Internet-Riegel kommt auch der mächtige Premier Erdogan nicht an – Twitter ist einfach stärker.

Luft für Frankfurt

Die EZB traut sich immer noch nicht, die Geldschleusen ein wenig weiter zu öffnen. Dabei hätten die Geldhüter aus Frankfurt immer noch Spielraum. Sie haben die Geldmenge bei weitem nicht soweit vergrößert wie die Kollegen von der Federal Reserve in den USA. Wahrscheinlich wird EZB-Präsident Mario Draghi am Ende auch nicht um eine weitere Öffnung der Geldschleusen herumkommen. Die Diskrepanz innerhalb der Euro-Zone zwischen dem wirtschaftlich vergleichsweise gesunden Norden und dem geschwächten Süden ist einfach noch zu groß. Aber wie schon gesagt: Die EZB hat noch Luft, warum sollte Draghi sie nicht nutzen?

Wider die Gewohnheiten

Die Energiewende verändert so manche über Jahrzehnte gewachsene Gewohnheiten. Für Deutschlands große Energiekonzerne RWE und Eon waren es goldene Zeiten, als der Strom eher zugeteilt denn verkauft wurde. Die Energiewende macht alles anders, auch für die Riesen der Branche. Sie müssen sich von liebgewonnenen Gewohnheiten verabschieden. Warum sollte also RWE nicht auch seine Konzernzentrale verkaufen? Andere Unternehmen aus anderen Branchen haben das schon lange hinter sich. Energiewende heißt Wandel, eben auch für die Konzerne.

Klimaveränderung

Die Krim hat alles verändert. Vor dem Einmarsch der Russen auf der Halbinsel herrschte einigermaßen eitel Freude Sonnenschein zwischen Deutschland und Russland. Nun ist es sogar schon dazu gekommen, dass sich Moskau auf dem diplomatischen Parkett ziemlich deutlich über den deutschen Finanzminister Schäuble beschwert. Russland ist sicherlich nicht mit dem Deutschland der 30er-Jahren zu vergleichen, insofern hinkt das Gedankenspiel des CDU-Politikers. Russland hat mit dem Einmarsch auf der Krim aber das Völkerrecht gebrochen – wie Deutschland damals mit der Besetzung des Sudetenlandes in der Tschechoslowakei. Insofern hat der Finanzminister am Ende also doch Recht. Da mag Moskau noch so lange lamentieren.

Einen schönen Abend ganz ohne große Politik wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Billigheimer Microsoft"

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  • Zitat: " Russland hat mit dem Einmarsch auf der Krim aber das Völkerrecht gebrochen – wie Deutschland damals mit der Besetzung des Sudetenlandes in der Tschechoslowakei. Insofern hat der Finanzminister am Ende also doch Recht."

    Herzliche Grüße aus Absurdistan.
    Kommen Sie mal bitte wieder auf de teppich, oder hat man Sie auf Linie gebürstet?
    Nach der Logik kann ich dann auch die erste rot-grüne Bundesregierung in Deutschland mit der Naziregierung vergleichen.
    Kosovo schon vergessen? Ähnliches Szenario. Völkerechtswidrige Abspaltung mit anschließender militärischer Interbention.
    Bitte Herr M., einfach mal drüber Nachdenken und an Ihre Korrekturleser aus den USA weitergeben. Danke.
    Herzliche Grüße aus Absurdistan.
    Nach der Logik kann ich dann auch die erste rot-grüne Regierung in Deutschland mit den Nazis vergleichen.

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