Was vom Tage bleibt

_

Was vom Tage bleibt: Bis auf die Knochen blamiert

Die Lufthansa-Spitze erschüttert der Rückzug vom Rückzug von Wolfgang Mayrhuber, der Berliner Großflughafen verweigert sich jeder Diät und Hoeneß bekommt eine Gnadenfrist. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.
Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Anzeige

Nur Verlierer

Der komplette Wahnsinn tobt bei der der Lufthansa. Da haben einflussreiche Großaktionäre zunächst die Berufung des ehemaligen Konzernchefs Wolfgang Mayrhuber zum Aufsichtsratschef verhindert - um nur kurz darauf festzustellen, dass sie einem Irrtum erlegen waren. Sie dachten allen Ernstes der Aufsichtsrat wäre das Gleiche wie ein Board nach angelsächsischem Modell. Nach dieser Erkenntnis soll es Mayrhuber nun doch machen und es bleiben nur Verlierer: Der Konzern ist in Aufruhr, der künftige oberste Kontrolleur schon vor Amtsantritt beschädigt und die Fonds und ihre Berater haben sich bis auf die Knochen blamiert. Dafür müsste man eigentlich den Begriff "Nieten in Nadelstreifen" wieder ausmotten.

Missbrauchte Macht

Da gibt es einen logischen Zusammenhang: Heute ist internationaler Anti-Diät-Tag und Verbraucherschützer mahnen die Deutsche Telekom ab. Denn die will ihre Kunden ja künftig auch auf Diät setzen - zumindest beim Datenvolumen. Dass die das nicht lustig finden ist klar, aber letztlich geht es die Verbraucherschützer nichts an, welche Verträge die Telekom mit ihren Kunden abschließt. Viel gewichtiger ist, dass auch die Bundesnetzagentur die neuen Tarife der Telekom unter die Lupe nimmt. Die stört besonders, dass das Unternehmen seine eigenen Angebote von der Diät ausnehmen will. Das wäre ein Missbrauch der Marktmacht. Und da sollte sich die Aufsicht nicht zu leicht abspeisen lassen.

Was vom Tage bleibt Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Unseren kommentierten Nachrichtenrückblick ab 18.30 Uhr werktäglich in Ihrem Postfach - hier bestellen.

Stumpfer Rotstift

Abspecken würde man besser den geplanten Großflughafen für Berlin. Fast 40 Millionen Euro kostet der jeden Monat, obwohl er noch nicht mal eröffnet ist - und ein Zeitpunkt für die Eröffnung noch lange nicht feststeht. Aber es ist ja ein Hauptstadtflughafen und damit ein repräsentatives Prestigeprojekt, da werden weder Bundes- noch Landespolitiker den Rotstift all zu sehr spitzen. Und für Flughafenchef Hartmut Mehdorn zählt ohnehin nur eins: So schnell wie möglich eröffnen. Ob es dann am Ende vier oder fünf Milliarden gekostet hat, wird er sowieso seinen Vorgängern anlasten.

Falsch verstandene Loyalität

Auch Uli Hoeneß muss nicht verzichten - zumindest vorläufig. Der Klub teilte mit, dass er trotz des gegen ihn laufenden Steuerverfahrens sowohl Vereinspräsident als auch Aufsichtsratsvorsitzender bleibt. Dabei hatte Hoeneß sogar angeboten, seine Ämter ruhen zu lassen, bis die Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung abgeschlossen sind. Die Vertreter der Sponsoren und Anteilseigner VW, Telekom, Adidas und Audi, die im Aufsichtsrat de facto die Macht haben, haben sich damit einen Bärendienst geleistet. Aus falsch verstandener Loyalität zu Hoeneß, den sie wegen seiner Lebensleistung für den Verein schätzen, setzen sie die Reputation ihrer Konzerne aufs Spiel. Sie sollten lieber die Interessen ihrer Aktionäre vertreten.

Was fehlt? Ein Azubi der Commerzbank hat zugegeben, im großen Stil Kundengelder unterschlagen zu haben. Mehr als 300.000 Euro hat er von Konten abgezweigt. Ihn erwartet jetzt eine ganz besondere Diät: Das Knastessen in der Justizvollzuganstalt.

Nehmen Sie den Anti-Diät-Tag ernst und genießen Sie Ihren Feierabend bei einem guten Abendessen.

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

  • Kommentare
Handelsblatt in 99 Sekunden: Keine WM für Russland

Keine WM für Russland

Der Westen tut sich schwer mit wirkungsvollen Sanktionen gegen Russland. Warum dann nicht im Sport? Unser Thema bei Handelsblatt in 99 Sekunden.

Silvio Berlusconi: Freispruch? Gut so!

Freispruch? Gut so!

Silvio Berlusconi ist im Prozess wegen Amtsmissbrauch und Sex mit Minderjährigen freigesprochen worden. Gut so! Kein Gerichtsverfahren sollte dem Politiker Berlusconi ein Ende bereiten, sondern seine verfehlte Politik.

  • Kolumnen
Der Ver(un)sicherer: Verkehrte Welt bei der Altersvorsorge

Verkehrte Welt bei der Altersvorsorge

Unabhängig sein vom Staat, vom Kapitalmarkt profitieren: Es waren die Argumente für die private Altersvorsorge. Doch ist es eine Mär zu glauben, es gäbe einen Kapitalmarkt losgelöst vom Staat. Bürger kann nur verlieren.

Der Werber-Rat: Mit Kajagoogoo an den Wörthersee

Mit Kajagoogoo an den Wörthersee

Musik ist die meistunterschätzte Kraft der Werbung. Doch allzu oft vernachlässigen Werbetreibende die Phonetik. Dabei hat Musik die Wucht, aus einem Werbefilm einen Blockbuster zu machen.

Was vom Tage bleibt: Völlig unentschlossen

Völlig unentschlossen

Zu viele Köche verderben den Brei, das beweist die EU-Außenpolitik im Streit um Russland-Sanktionen. Um Aldi muss man sich auch nach dem Tod des Gründers nicht sorgen. Anderes gilt für Malaysia Airlines.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: Das süße Gift der Bankensubventionen

Das süße Gift der Bankensubventionen

Die Großbanken hängen bereits am staatlichen Subventionstropf. Nun fordern sie weitere Privilegien bei der Finanzierung des Abwicklungsfonds. Kleine Volksbanken sollen für die Großen zahlen. Das ist unfair.

Schärfere Russland-Sanktionen: „Deutsche Unternehmen in der Zwickmühle“

„Deutsche Unternehmen in der Zwickmühle“

In der Unternehmenswelt ist der Kalte Krieg wieder ausgebrochen. Deutsche Firmen stehen in Zeiten des Ukraine-Konflikts zwischen den Fronten. Vor allem die harten US-Sanktionen bringen sie in die Bredouille.

Kurz gesagt: Im Osten viel Neues

Im Osten viel Neues

Die Ukraine-Krise zwingt die Nato, sich in wichtigen Fragen neu auszurichten. Markus Kaim zu den Prioritäten, die im Verhältnis zu den osteuropäischen Ländern, zur Ukraine und zu Russland gesetzt werden sollten.

  • Presseschau
Presseschau: Credit Suisse gibt sich tapfer

Credit Suisse gibt sich tapfer

Ein Milliarden-Bußgeld in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung hat die Credit Suisse tief in die roten Zahlen gerissen. Die Reaktionen der internationalen Wirtschaftsmedien sind gemischt.