Was vom Tage bleibt
Bitte keine Katastrophe

Die Griechenland-Entscheidung ist wieder vertagt worden, die EZB vereinfacht die Bankenaufsicht. Lidl fordert Aldi heraus, Alfa Romeo hat ein neues Auto und der Kita-Streik ist noch nicht beendet. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Bis zum letzten Moment

Wieder keine Einigung, wieder ist die Entscheidung über Griechenland vertagt worden. Niemand, auch die Verhandler nicht, kennen das Endergebnis der Gespräche. Der Grexit wäre eine Katastrophe für den europäischen Einigungsprozess und würde Griechenland ins Chaos stürzen. Er wäre das Eingeständnis dafür, dass Europas Politiker nicht fähig sind zum Kompromiss. Beide Seiten müssen jetzt Opfer bringen: Griechenland braucht einen Schuldenerlass der Gläubiger, Athen wiederum muss sich zu neuen Einschnitten durchringen. Über das Wochenende wird sich diese Erkenntnis hoffentlich überall durchsetzen.

Gelockerte Zügel

Die Finanzkrise von 2007 ist fast schon wieder in Vergessenheit geraten. Allerdings wäre es immer noch viel zu früh, von völliger Normalität zu sprechen. Das gilt auch für die Banken: Sie können zwar durchatmen, etliche strukturelle Probleme sind aber weiterhin ungelöst. Die EZB reagiert darauf und lässt die Zügel bei der Bankenkontrolle etwas schleifen. EZB-Kontrolleure werden künftig nicht mehr regelmäßig an den Aufsichtsratssitzungen der großen Geldhäuser teilnehmen. Ein Zeichen der Entspannung und des Vertrauens – die Banken bewegen sich also immerhin in die richtige Richtung.

Ein bisschen Wettbewerb

Die Lage im deutschen Handel ist in einem Punkt nicht sonderlich erfreulich. Nur noch eine Handvoll großer Spieler bestimmt das Geschehen, von einem intensiven Wettbewerb kann überhaupt keine Rede mehr sein. Da ist es ein gutes Zeichen, dass Lidl seinen größten Rivalen Aldi jetzt mit neuen Tiefpreisen herausfordert. Zwischen den beiden großen Discountern funktioniert der Wettbewerb also immerhin noch. Für den Rest an Wettbewerb muss dann das Bundeskartellamt sorgen.

Tropfen auf den Stein

Für den Fiat-Konzern ist es ein immens wichtiges Ereignis: Mit dem neuen Giulia-Modell soll die lange vernachlässigte Tochtermarke Alfa Romeo endlich neuen Schwung bekommen. Ja, es ist ein Fortschritt, das Auto kann sich sehen lassen. Aber das war es dann auch schon. Mit einem einzigen Modell wird Fiat die Probleme bei Alfa und im gesamten Konzern nicht in den Griff bekommen. Das Unternehmen aus Turin gehört zu den schwächeren Spielern im weltweiten Automobilgeschäft. Die Italiener dürften einen Partner brauchen – dauerhaft allein bestehen zu können, das wird extrem schwierig.

Wider den Kompromiss

Eigentlich sollte es am Donnerstag die Einigung in den laufenden Tarifverhandlungen der Kita-Beschäftigten geben. Eigentlich. Jetzt lässt die Gewerkschaft Verdi ihre Mitglieder doch noch über den Schlichterspruch abstimmen. Die Gehälter der Kita-Beschäftigten sollen nach dem Vorschlag der Schlichter zwischen zwei und 4,5 Prozent steigen. In einer Zeit, in der es so gut wie keine Inflation gibt, ist das eine extrem gute Rate. Trotzdem gibt die Verdi-Führung kein grünes Licht für den Schlichterspruch und ruft zur Abstimmung unter den Mitgliedern auf. Die reine Gier scheint einen vernünftigen Kompromiss zu blockieren. Leider.


Einen angenehmen Sommerabend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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