Was vom Tage bleibt
Bla, bla, Blatter

Der Fifa-Präsident hält sich für nicht-verantwortlich. Jain fällt bei den Mitarbeitern durch. Cameron formuliert die Gretchen-Frage. Was heute geschah, lesen Sie hier.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Blatters Blitzrede

Sepp Blatter hat eben eine Rede gehalten. Zur Eröffnung des Fifa-Weltkongresses in Zürich. Sie hatte kaum begonnen, da war sie wie der Blitz auch schon wieder vorbei. „Ich kann nicht jeden die ganze Zeit überwachen“, hieß ein Satz, der hängen bleibt. Denn eigentlich müsste Blatter nur sich selbst kontrollieren – und die Anforderungen, die er an die eigene Anständigkeit stellt, auch an andere stellen. Wenn er jetzt sagt, dass tut er, stimmt etwas mit seiner Anständigkeit nicht. Wenn er es nicht einfordert, stimmt etwas mit seinem Führungsverständnis nicht. So oder so: Blatter ist der falsche Mann am falschen Ort. Auswechseln bitte!

Neues aus der Korruptions-Regionalliga

Vor der Weltfußball-Korruptionsaffäre verblassen unsere einheimischen Korrupten, wie ein Regionalligist vor dem Weltmeister. In dieser Regionalliga spielt der Berliner Flughafen, der ja nicht fertig, dafür aber teurer wird. Warum das so ist, dämmert derzeit der Staatsanwaltschaft Neuruppin. Sie hat bei ihren Ermittlungen zur Korruption beim Flughafenbau einige Beschuldigte in die Mangel genommen. Ergebnis: Der ehemalige Deutschlandchef des niederländischen Baukonzerns Imtech gab zu, eine Schmiergeldzahlung für den Flughafen genehmigt zu haben. 150.000 Euro in einem Briefumschlag wechselten auf einem Rasthof an der brandenburgischen A24 den Besitzer. Korrupte Bauherren, korrupte Fußballer – wer Geist und Seele unbeschädigt halten möchte, sollte sich heute Abend hinter einem Buch verkriechen.

Büro auf dem Mond

Letzte Woche die kalte Dusche durch die Aktionäre, jetzt rebellieren die Mitarbeiter: Anshu Jain hat es derzeit auch nicht wirklich schön. Auf dem Schreibtisch des Co-Chefs der Deutschen Bank landete heute ein Flugblatt mit dem Titel „Wind of Change? Wind of Jain?“ Darin fordern die Arbeitnehmervertreter Jains Rücktritt, weil sie bei ihm die Moral vermissen. „Ein radikaler Neuanfang gäbe uns hier Glaubwürdigkeit zurück und könnte eine echte Aufbruchstimmung erzeugen“, schreiben die Betriebsräte aus Frankfurt. Der Konzernbetriebsrat hat sich inzwischen von dem Flugblatt distanziert. Er habe „Kritik an Einzelpersonen im Vorstand“ nicht wahrgenommen. Es gibt Betriebsräte, die haben ihr Büro auf dem Mond.

Fernöstliche Blase

Ähnlich wie im Spielkasino geht es an der chinesischen Börse zu. Die Aktien laufen heiß. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der Depots auf 200 Millionen vervierfacht. Da hört mancher im Westen die Blase schon platzen, schreibt unser Korrespondent Frank Sieren aus Peking. Dann gibt er Entwarnung: Die Chinesen zocken zwar gerne, aber sie gehören gleichzeitig zu den fleißigsten Sparern der Welt. Nie im Leben würden sie alles, was sie gespart haben, an der Börse aufs Spiel setzen. Dass Normalbürger mehr investieren, als sie besitzen, ist in China nicht möglich. Das ist der Grund, meint Sieren, warum die chinesische Blase dickhäutiger ist, als es jede westliche je war.

Schlichte Frage

David Cameron hat heute jene Gretchenfrage vorgestellt, die seine Briten spätestens 2017 beantworten sollen. Sie lautet: „Soll das Vereinigte Königreich ein Mitglied der Europäischen Union bleiben?“ Das klingt schlicht. Nicht nur der Herr Lucke von der AfD würde sagen: Die Schlichtheit ist das Siegel des Wahren.

Einen wahrhaftigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Bla, bla, Blatter"

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  • Angesichts der westlichen Politik kann man sowieso nur noch zynisch auf solche Lappalien reagieren.
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Vorweg: das was Blatter veranstaltet ist nicht akzeptabel.

    Was unverständlich ist, ist dass sich deutsche Politiker sich zu Wort melden. Politiker, die zuvor dem ESM-Vertrag zustimmten. Einem Vertrag, der dem ESM vertraglich zusichert, keinerlei Auskünfte zu geben. Einem Vertrag, der alle Akteure von jedweder Strafverfolgung freistellt.

    Natürlich muss man Herrn Blatter aus dem Amt drängen, das gilt aber auch besonders für unsere hiesigen Politiker.

    Ich bin gespannt wie ehrlich unsere Politiker sind. Ob sich unsere Politiker auch für Gleichheit einsetzen und die hiesige Regierung stürzen? Das sind sie Herrn Blatter schuldig!

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