Was vom Tage bleibt
Blackberrys Waterloo

Aktionäre sind entsetzt über den Smartphone-Hersteller. Der Goldschatz der Bundesbank schmilzt. Peugeot sucht Partner fürs Leben. Und die AfD stellt sich selbst ein Bein. Die Tageskommentare.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Waterloo

Es war einst das Statussymbol mobiler Manager, bis die Konkurrenz es rechts überholte: das Blackberry. Vor einem Jahr machte sich Thorsten Heins auf, das angestaubte Smartphone zu sanieren und den Hersteller aus den roten Zahlen zu führen. Heute musste der Deutsche an der Spitze der kanadischen Firma einräumen, dass es nicht geklappt hat. Die Verkäufe sind niedriger als gedacht, der Verlust ist höher. Und weil keiner weiß, wie die Kanadier das verkraften, stürzte die Aktie gleich um mehr als 20 Prozent in die Tiefe. Vielleicht liegt es am Standort, dass Blackberry nicht voran kommt. Waterloo heißt die Blackberry-Stadt, in der sich Heins heute wie Napoleon fühlen musste.

Luftschlösser

Der Goldschatz der Bundesbank ist wohlbehütet. Noch heute berichten Bundesbanker stolz davon, wie sie den Forderungen etlicher Bundesfinanzminister widerstanden, endlich zu verkaufen. Ach hätten Sie mal... denn der Schatz schmilzt wie ein Schneehaufen in der Sonne. Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis fast 30 Prozent an Wert verloren. Der Goldbestand der Bundesbank von 3391 Tonnen ist am Markt nur noch rund 100 Milliarden Euro wert. Das entspricht einem Verlust von 37,5 Milliarden Euro. Weil die Bank ihr Gold aber nicht zu Marktpreisen in die Bilanz einstellt, verhunzt es auch nicht die Bilanz. Es ist doch schön, dass auch die sonst so soliden Bundesbanker auch einmal Luftschlösser bauen.

Peugeot auf Partnersuche

Peugeot und Citroën geht es schlecht. Auf der Suche nach frischem Kapital ist auch der Einstieg eines ausländischen Investors kein Tabu mehr. Eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters hat nun die französische Autobranche in Aufregung versetzt: Die Peugeot-Eigner, eine von nur drei verbleibenden europäischen Auto-Dynastien, wollen einen Zusammenschluss mit General Motors vorantreiben. Die Amerikaner, die bereits sieben Prozent an Peugeot halten, reagierten zurückhaltend auf die amourösen Avancen aus Frankreich: „Wir haben im Moment nicht die Absicht, zusätzliches Geld in PSA zu investieren“, sagen sie und beherzigen damit die Regel, dass aus zwei Kranken niemals ein Gesunder wird.

Monsignor 500

Seine Freunde nannten ihn „Monsignor 500“. Denn Nunzio Scarano aus Salerno hatte stets 500-Euro-Banknoten zur Verfügung. Der Geistliche soll befreundeten Unternehmern angeboten haben, die Scheine gegen Verrechnungsschecks zu tauschen. Das heikle dabei: Nunzio Scarano war Rechnungsprüfer der vatikanischen Güterverwaltung und verfügte wohl über ein Konto bei der Vatikanbank, die dem Zugriff der italienischen Behörden entzogen ist. Die Vatikanbank stand in der Vergangenheit wiederholt im Verdacht, als Geldwaschanlage zu fungieren. Papst Benedikt XVI. hatte deshalb im Herbst 2012 den Schweizer Anti-Geldwäsche-Experten René Brülhart engagiert. Seine Rechercheergebnisse sind unbekannt. Wenn Bank und Kirche zusammenkommen, bedarf es eben einer besonders hellen Erleuchtung, damit auch Monsignore 500 erkennt, dass er nur ein einfacher Hirte ist.

Hoppla

Sonst noch was? Ach ja: Hat die Alternative für Deutschland (AfD) ein Problem mit Parteimitgliedern aus dem rechten Spektrum, haben wir heute gefragt und berichtet, wer in der Partei von stramm rechts stammt. Was dann passierte? Die AfD ruft via Facebook zum Sturm der Entrüstung über Handelsblatt Online auf. Die Parteimitglieder folgen diesem Aufruf brav, womit klar ist, dass die AfD zumindest ein Problem hat: nämlich den Umgang mit der Meinungsfreiheit. Ich meine: Da haben sie sich selbst ein Bein gestellt. Hoppla.

Ein stolperfreies Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Blackberrys Waterloo"

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  • Nun Herr Stork, in Bilanzen stecken Sachwerte nie! mit ihren Marktpreisen, sondern maximal mit ihren Anschaffungspreisen. Somit hat nie der hohe Wert drin gestanden :-)

    Wie Sachwerte zu bilanzieren sind ist für jeden im HGB zu lesen.

    Ein wenig konkrete Info schadet nicht - erst recht nicht im Bereich Wirtschaft im HB :-))

  • .... der unkaputtbare Olli Stock mit den coolen englischen Sprüchen hat mal
    wieder einen abgelassen.
    Ach, Olli, you did not make my day...

    So, so, jetzt bedrohen die pösen, pösen Jungs von der AfD
    schon "die Meinungsfreiheit".

    Wow, bin beeindruckt....

    Olli, hast Du es schon mal alternativ als Chefredakteur
    bei der lokalen Schülerzeitung versucht...?

  • Ein Problem sollte vom Handelsblatt nicht ignoriert werden.Bürger, die die AfD wählen wollen, wehren sich gegen die alternativlose marktkonforme Politik dieser Bundesregierung. Diese Bundesregierung hat es geschafft, das Vertrauen in die Demokratie zu zerstören.Diese Regierung hat mich nicht gefragt, ob sie meine Altersversorgung den Banken in den Hals werfen können. Sie hat es einfach getan und jeder, der das verharmlost und den Bürger nicht über das Ausmaß der Verschuldung dieser verherenden Politik aufklärt, mach sich mitschuldig!Die Auswirkungen kann man sich in Griechenland ansehen.Und in diesem Sinn muß man dann auch das Handelsblatt anklagen.Für die normalen Bürger redet keiner das Wort!

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