Was vom Tage bleibt

Blackberrys Waterloo

Aktionäre sind entsetzt über den Smartphone-Hersteller. Der Goldschatz der Bundesbank schmilzt. Peugeot sucht Partner fürs Leben. Und die AfD stellt sich selbst ein Bein. Die Tageskommentare.
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Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.
Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Waterloo

Es war einst das Statussymbol mobiler Manager, bis die Konkurrenz es rechts überholte: das Blackberry. Vor einem Jahr machte sich Thorsten Heins auf, das angestaubte Smartphone zu sanieren und den Hersteller aus den roten Zahlen zu führen. Heute musste der Deutsche an der Spitze der kanadischen Firma einräumen, dass es nicht geklappt hat. Die Verkäufe sind niedriger als gedacht, der Verlust ist höher. Und weil keiner weiß, wie die Kanadier das verkraften, stürzte die Aktie gleich um mehr als 20 Prozent in die Tiefe. Vielleicht liegt es am Standort, dass Blackberry nicht voran kommt. Waterloo heißt die Blackberry-Stadt, in der sich Heins heute wie Napoleon fühlen musste.

Luftschlösser

Der Goldschatz der Bundesbank ist wohlbehütet. Noch heute berichten Bundesbanker stolz davon, wie sie den Forderungen etlicher Bundesfinanzminister widerstanden, endlich zu verkaufen. Ach hätten Sie mal... denn der Schatz schmilzt wie ein Schneehaufen in der Sonne. Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis fast 30 Prozent an Wert verloren. Der Goldbestand der Bundesbank von 3391 Tonnen ist am Markt nur noch rund 100 Milliarden Euro wert. Das entspricht einem Verlust von 37,5 Milliarden Euro. Weil die Bank ihr Gold aber nicht zu Marktpreisen in die Bilanz einstellt, verhunzt es auch nicht die Bilanz. Es ist doch schön, dass auch die sonst so soliden Bundesbanker auch einmal Luftschlösser bauen.

Peugeot auf Partnersuche

Peugeot und Citroën geht es schlecht. Auf der Suche nach frischem Kapital ist auch der Einstieg eines ausländischen Investors kein Tabu mehr. Eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters hat nun die französische Autobranche in Aufregung versetzt: Die Peugeot-Eigner, eine von nur drei verbleibenden europäischen Auto-Dynastien, wollen einen Zusammenschluss mit General Motors vorantreiben. Die Amerikaner, die bereits sieben Prozent an Peugeot halten, reagierten zurückhaltend auf die amourösen Avancen aus Frankreich: „Wir haben im Moment nicht die Absicht, zusätzliches Geld in PSA zu investieren“, sagen sie und beherzigen damit die Regel, dass aus zwei Kranken niemals ein Gesunder wird.

Monsignor 500

Seine Freunde nannten ihn „Monsignor 500“. Denn Nunzio Scarano aus Salerno hatte stets 500-Euro-Banknoten zur Verfügung. Der Geistliche soll befreundeten Unternehmern angeboten haben, die Scheine gegen Verrechnungsschecks zu tauschen. Das heikle dabei: Nunzio Scarano war Rechnungsprüfer der vatikanischen Güterverwaltung und verfügte wohl über ein Konto bei der Vatikanbank, die dem Zugriff der italienischen Behörden entzogen ist. Die Vatikanbank stand in der Vergangenheit wiederholt im Verdacht, als Geldwaschanlage zu fungieren. Papst Benedikt XVI. hatte deshalb im Herbst 2012 den Schweizer Anti-Geldwäsche-Experten René Brülhart engagiert. Seine Rechercheergebnisse sind unbekannt. Wenn Bank und Kirche zusammenkommen, bedarf es eben einer besonders hellen Erleuchtung, damit auch Monsignore 500 erkennt, dass er nur ein einfacher Hirte ist.

Hoppla

Sonst noch was? Ach ja: Hat die Alternative für Deutschland (AfD) ein Problem mit Parteimitgliedern aus dem rechten Spektrum, haben wir heute gefragt und berichtet, wer in der Partei von stramm rechts stammt. Was dann passierte? Die AfD ruft via Facebook zum Sturm der Entrüstung über Handelsblatt Online auf. Die Parteimitglieder folgen diesem Aufruf brav, womit klar ist, dass die AfD zumindest ein Problem hat: nämlich den Umgang mit der Meinungsfreiheit. Ich meine: Da haben sie sich selbst ein Bein gestellt. Hoppla.

Ein stolperfreies Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

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14 Kommentare zu "Was vom Tage bleibt: Blackberrys Waterloo"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nun Herr Stork, in Bilanzen stecken Sachwerte nie! mit ihren Marktpreisen, sondern maximal mit ihren Anschaffungspreisen. Somit hat nie der hohe Wert drin gestanden :-)

    Wie Sachwerte zu bilanzieren sind ist für jeden im HGB zu lesen.

    Ein wenig konkrete Info schadet nicht - erst recht nicht im Bereich Wirtschaft im HB :-))

  • .... der unkaputtbare Olli Stock mit den coolen englischen Sprüchen hat mal
    wieder einen abgelassen.
    Ach, Olli, you did not make my day...

    So, so, jetzt bedrohen die pösen, pösen Jungs von der AfD
    schon "die Meinungsfreiheit".

    Wow, bin beeindruckt....

    Olli, hast Du es schon mal alternativ als Chefredakteur
    bei der lokalen Schülerzeitung versucht...?

  • Ein Problem sollte vom Handelsblatt nicht ignoriert werden.Bürger, die die AfD wählen wollen, wehren sich gegen die alternativlose marktkonforme Politik dieser Bundesregierung. Diese Bundesregierung hat es geschafft, das Vertrauen in die Demokratie zu zerstören.Diese Regierung hat mich nicht gefragt, ob sie meine Altersversorgung den Banken in den Hals werfen können. Sie hat es einfach getan und jeder, der das verharmlost und den Bürger nicht über das Ausmaß der Verschuldung dieser verherenden Politik aufklärt, mach sich mitschuldig!Die Auswirkungen kann man sich in Griechenland ansehen.Und in diesem Sinn muß man dann auch das Handelsblatt anklagen.Für die normalen Bürger redet keiner das Wort!

  • Zum Glück gibt es nicht nur eine Alternative für Deutschland, sondern auch eine Alternative für das Handelsblatt.

  • gehen man einmal lediglich auf eine der von pool ausdrücklich empfohlenen verlinkungen könnte sich auch folgendes bild ergeben: dass pool zu den ganz harten gehören möchte: denen ihr geschwefel vor dem Herrn wichtiger scheinen könnte als Erkenntnis.
    diskreditiert hatte sich mit diesen verlinkungen pool selbst und kein anderer.

    herumpinkeln passt daher zu pool.

  • Profitabel arbeiten wirklich nur Apple und Samsung.Apple ist schön zuückgekommen,aber vergessen wir nicht,die Aktie hatte sich verhundertfacht-von 7$ in 03 auf über 700$ in 12.Eine DBK wäre froh,sie könnte gleiches von sich behaupten.Eine Coba erst recht.Beide stehen unter ihren 03-er Niveau.

  • Fakten, Fakten, Fakten - und an die Leser denken. Da fragt sich der Leser, wo in den Handelsblatt-"Artikeln" die Fakten stecken? Was sich herauslesen lässt, ist Angst, Paranoia (die gerade erst beginnt), und dass der Chefredakteur sich mit den Grünen verschwört, aus antideutschem Opportunismus Rufmord verbreitet.

    Die Rechten sind Ihre Klientel, Poster im Kommentarbereich des Handelsblatts. Die schwirren hier herum wie Motten ums Licht.
    Auch wenn die behaupten, die würden ihre Stimme der AfD geben, mit der Phrase, die EU sei sozialistisch, zeigen die entweder ein extrem niedriges Bildungsniveau, oder sie agitieren bewusst, um die AfD in Verruf zu bringen. Wer dahinter steckt, viellicht können Sie da was zu sagen, Herr Stock?

    Marktradikale wie Frank Schäffler, das sind die Rechtsaussen, Gäste im HB.

    Fakten: Die Unterscheidung zwischen Rechts und Links hat Karl Marx getroffen mit seinem berüchtigten Werk "Das Kapital". Daher stehen Anhänger des Kapitalismus per se politisch Rechts. Die Übersteigerung des Kapitalismus, das ist der Faschismus. Fragen wir jemanden, der sich mit dem Faschismus auskennt, Benito Mussolini, denn der Begriff "Faschismus" entstand als Name für seine Bewegung in Italien: "Faschismus ist die Verschmelzung von Grosskapital und Staat." Da ragt der ESM wie der faschistische Turmbau zu Babel an den Himmel?

    Faschismus ist die "offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals", schrieb Dimitroff.

    Das sagen die Profis. Wollen Sie die Geschichte Umschreiben, Herr Stock? Womit? Mit inhaltsleerem Gewäsch? Ich sage Ihnen was: Kontrolle ist eine Illusion.

    Faschisten kriechen nach oben und treten nach unten. Das lehrt die Geschichte und das zeigt die Gegenwart. Und das Kommt jetzt jemand und bezichtigt mich des Amerika-Bashings?

    Sie sind ein armer Wurm. Ein Niemand. Der bis zum Hals in der Scheisse sitzt.

  • What goes down will go up vice versa.
    Eigenartig: Schon die Kohl Administration wollte die Goldreserven von lediglich 100 Milliarden abschmelzen.
    Die hatten und haben nicht einmal mehr das Zeug zum Tafelsilber, was schon in der Kohl Ära bekannt war, als die Schuldenmaschine auf Touren gebracht wurde, die recht eigentlich zweite Auflage, oder wars dritte?, eines defecit spending.

    Könnte man von strategischen Goldreserven reden wollen und wenn ja warum? Und wenn nicht warum eigentlich nicht?

    Gold stimmt nostalgisch an Werte, wie sie damals noch etwas zu gelten schienen.

    Und selbst das Wort Turbokapitalismus erinnert noch ein wenig an jene Zeit, in der die Welt morgens um sieben noch in Ordnung schien.

    Mit Gold hat man ggf noch weitere Handlungsoptionen.
    Ohne Gold begibt man sich ihrer.

    37 Milliarden Euro?
    100 Milliarden Euro?

    la nave va

  • Verehrter Herr Stock,
    das war doch zu erwarten - und ist ja auch häufig genug schon passiert - dass Herr Lucke und die AfD in die rechte Ecke gestellt werden. Ich denke da u.a. an den Auftritt von Anne Will.
    Von Ihnen habe ich auch schon einige Tiraden in ähnlicher Richtung gelesen; da haben Sie wohl auch die von Ihnen zitierte Meinungsfreiheit beansprucht.

  • Ich finde Hoppala eigentlich prägnanter, aber sowas bleibt neben der Frage eines al gusto mitunter auch eines eines al dente's.
    Hoppla allerdings liest sich, verglichen mit einem zusehends auftauchenden Hoppala auch schon wieder viel feiner.
    Gleichwie: jede Realität holt sich irgendwanneinmal selbst wieder ein: und das macht die AfD doch schon mal ganz gut beim auf-den-Nerv-fühlen ihre Gesinnung: au point zu bringen.

    nice weekend


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