Was vom Tage bleibt
Böses Erwachen

Die Deutsche Bank zahlt eine Milliardenstrafe, VW kommt aus der Krise nicht heraus. Borussia Dortmund schafft es auch ohne Champions League, der AfD droht das Ende und die Züge fahren bald wieder. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Gerechte Strafe

2,5 Milliarden US-Dollar sind wahrlich kein Pappenstiel. Soviel Geld muss die Deutsche Bank auf den Tisch legen, um sich aus dem Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze freizukaufen. Eine gerechte Strafe, weil wirklich unglaubliche Dinge im größten deutschen Bankhaus passiert sind. Die Führung des Geldkonzerns doziert regelmäßig über die Vorzüge der Marktwirtschaft. Doch die eigenen Händler manipulieren, was das Zeug hält. Wasser predigen, aber Wein trinken – hoffentlich ist es damit bei der Deutschen Bank nun wirklich vorbei.

Wolfsburger Spielchen

Es war eine kurze Schrecksekunde, als die Nachrichtenagenturen am Mittag erneut die bevorstehende Ablösung von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn verkündeten. Doch der Schrecken währte nicht lange – weil Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch recht bald ein Dementi hinterherschob. Wir Journalisten sollten im Fall Piëch-Winterkorn ganz ehrlich sein: Auch wir wissen nicht, was derzeit im Hause VW passiert. Es wird auf jeden Fall ein Spielchen gespielt, gerade auch über die Medien. Nur Ferdinand Piëch selbst weiß, was er will. Doch er wird es öffentlich nicht sagen. VW ist nur zu wünschen, dass der Streit nicht allzu lange dauert und dass bald wieder Ruhe im Unternehmen einkehrt.

Wirtschaftlich vorn

Borussia Dortmund ist der einzige an der Börse notierte deutsche Bundesliga-Verein – und damit durch und durch ein Wirtschaftsunternehmen. Sportlich ist es bei den Westfalen in diesem Jahr nicht gut gelaufen, von Spitzenplätzen ist der Verein weit entfernt. Wirtschaftlich beweist der BVB allerdings Weitsicht. Der Klub hat sich dagegen versichert, dass er die Champions League verpasst. In diesem Jahr sind die Versicherungsprämien gut investiertes Geld, weil der Verein in der kommenden Saison eben nicht in Europas Top-Liga mitspielen wird. Wer wirtschaftlich so auf Ballhöhe ist, der dürfte es auch bald wieder sportlich sein.

Im freien Fall

Hans-Olaf Henkel ist die Hutschnur geplatzt. Wegen der nicht mehr zu leugnenden Rechtstendenzen innerhalb der AfD schmeißt er hin und zieht sich aus dem Bundesvorstand von Deutschlands jüngster Partei zurück. Für Henkel dürfte ein Traum geplatzt sein: Dass unter seiner Mithilfe ein neuer, europakritischer FDP-Ersatz entsteht. In Wahrheit bewegt sich die AfD jetzt immer weiter nach rechts auf Republikaner und auf NPD zu. Damit dürfte das Schicksal der AfD besiegelt sein – der Sturz in die Bedeutungslosigkeit rückt näher.

Kein Streik

In der Nacht zu Freitag geht der Lokführer-Streik im Personenverkehr zu Ende. Ganz ehrlich: Haben Sie etwas davon bemerkt, dass die GDL an den vergangenen zwei Tagen gestreikt hat? Irgendwie scheint sich unser Land auf diese Sonderlinge von der Bahn eingestellt zu haben. Die Auswirkungen hielten sich klar in Grenzen. Es gibt zum Glück andere Möglichkeiten, zur Arbeit zu kommen: im Auto des Nachbarn, mit der Straßenbahn oder dem Rad. Vielleicht begreifen die Lokführer jetzt, dass es auch ohne sie geht. Sollen sie doch streiken, es interessiert ohnehin niemanden mehr.

Einen erholsamen Frühlingsabend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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