Was vom Tage bleibt: Brandgefährliche Reformen und bizarre Machtkämpfe

Was vom Tage bleibt
Brandgefährliche Reformen und bizarre Machtkämpfe

Wirklich aufatmen kann die EU noch nicht: Das Sorgenkind Athen kommt nicht zur Ruhe und auch der Partner China verspricht keine Stabilität. Die Deutsche Bank dagegen hat ein drängendes Problem gelöst. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Licht und Schatten in Athen

Am Tag eins nach der Verabschiedung des Sparpakets im griechischen Parlament ist das Erschrecken groß. Die Ruinen der abgefackelten Gebäude in der Athener Innenstadt rauchen noch, in der Stadt sind die Spuren der Straßenschlachten noch unübersehbar. Da bringen auch Meldungen, Griechenland habe sich mit den privaten Gläubigern auf einen Schuldenschnitt geeinigt, nicht wirklich Licht in die Düsternis. Denn immer stärker stellt sich die Frage: Was helfen Reformen, die der Bevölkerung nicht vermittelbar sind? Und was zählen die Versprechen der heute regierenden Politiker? Gewissheit werden wohl erst die geplanten Neuwahlen im April bringen.

Zaghafter Optimismus in Europa

Außerhalb Griechenlands dagegen deutet sich langsam die Entspannung an. Oder hat der permanente Krisenmodus die Investoren abgestumpft? Trotz zuletzt gesunkener Kreditwürdigkeit hat sich Italien heute zu den günstigsten Zinsen seit vorigem Sommer mit frischem Geld eingedeckt. Für die Papiere mit zwölf Monaten Laufzeit im Volumen von 8,5 Milliarden Euro musste das hoch verschuldete Land den Investoren lediglich eine Rendite von 2,23 Prozent zahlen. Derart niedrige Zinsen hatte Italien zuletzt im Juni 2011 auf den Tisch legen müssen. Ein weiterer Fakt, der Mut macht: Die EZB hat in der vergangenen Woche wieder weniger Staatsanleihen gekauft – nur noch Papier im Wert von 59 Millionen Euro. In der Woche zuvor waren es noch 124 Millionen Euro gewesen. Vielleicht hat der Optimismus wirklich bald wieder eine Chance.

Bizzarer Machtkampf in China

Die Bosse der Kommunistischen Partei in China haben den Provinzpolitiker Huang Qifan offenbar zum Rapport nach Peking einbestellt, nachdem dieser einen Genossen mit einem Aufgebot bewaffneter Polizei über dreihundert Kilometer quer durch die Provinz Sichuan gejagt hat. Was im ersten Moment wie eine Variante des berühmten Sacks Reis klingt, der in China umfällt, hat auf den zweiten Blick Potenzial, auch dem Westen Sorgen zu machen. Denn dieses und andere bizarre Ereignisse deuten darauf hin, dass angesichts des absehbaren Führungswechsels in Peking Machtkämpfe über alle Parteistufen hinweg entbrennen. Keine guten Nachrichten, für die Delegation der EU-Spitze, die morgen zum Gipfeltreffen nach Peking reist.

Das wohl teuerste Interview aller Zeiten

Offenbar will Josef Ackermann die Deutsche Bank besenrein an seine Nachfolger übergeben. Bis vor kurzem schienen die Fronten im Streit mit den Erben des  Medienunternehmers Leo Kirch noch so verhärtet, dass eine Einigung in weiter Ferne schien. Nun dürfte alles ganz schnell gehen. Wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfuhr, haben sie sich auf einen Vergleich verständigt: 800 Millionen Euro wird Deutschlands größtes Geldhaus zahlen. Eine bittere Niederlage ist das jedoch für Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer: Er hatte mit einer Interview-Äußerung über die Kreditwürdigkeit von Kirch den Streit ausgelöst. Das war das wohl teuerste Interview aller Zeiten.

Was fehlt? Die brandneue europäische Trägerrakete Vega hob um 11 Uhr deutscher Zeit problemlos zu ihrem Jungfernflug vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ab. Die kleine Tochter der Ariane-Rakete kann kostengünstig Nutzlasten zwischen 300 Kilogramm und 2,5 Tonnen in den Weltraum befördern. Wer jetzt aber denkt, das sei sozusagen die Aldi-Rakete, der irrt: Das Programm kostete die beteiligten ESA-Länder und die Industrie rund 790 Millionen Euro.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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