Was vom Tage bleibt
Buffetts Zeichen

Der Starinvestor glaubt an Spaniens Banken. Deutschland steht vor einem Sündenfall und Griechenland vermutet seinen nächsten Skandal. Die Kommentare zum Tag.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Krise im Griff

Alle lieben Warren Buffett: für seine Weisheiten („Ich investiere niemals in ein Geschäftsmodell, das nicht jeder Trottel versteht, denn ich bin mir sicher, dass irgendwann einmal ein Trottel Vorstandsvorsitzender von eben diesem Unternehmen wird.“), für seine Ukulele und für seinen Optimismus. Heute hat Buffetts eigene Versicherungsgesellschaft 600 Millionen Euro ausgegeben, um die spanische Caixa-Bank rückzuversichern. Ausgerechnet eine spanische Bank! Eine von denen, die bislang als besonders ungesund galt. Der Mann mit dem goldenen Händchen gibt uns damit ein Zeichen: Deutlicher als er kann niemand zeigen, dass die Krise im Griff ist.

Spanien sei Dank

Die Nachricht ist bei Anlegern in Deutschland jedenfalls angekommen. Der Dax ist auf den höchsten Stand seit 17 Monaten gesprungen. Allerdings war es weniger Buffetts Coup als vielmehr der formale Antrag Spaniens auf Hilfen für seinen maroden Bankensektor, der der Börse den entscheidenden Schub verlieh. Der Dax baute daraufhin seine Gewinne aus. „Das ist der einzig vernünftige Schritt für die Institute“, sagte ein Börsianer. Und ein beruhigender für die Anleger, wie wir sehen.

Die Ordnung der Dinge

Es gibt eine höhere Ordnung der Dinge – die geht so: Den Unternehmern gehören die Unternehmen. Manchmal gerät diese Ordnung durcheinander. Zum Beispiel wenn sich Deutschland wie geplant beim Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS einkauft. Das ist schlecht, denn der Staat ist kein guter Aktionär: Er ist langsam in der Entscheidung, was daran liegt, dass er Gott sei Dank demokratisch regiert wird. Er denkt politisch, was oft das Gegenteil von einer unternehmerischen Strategie ist. Schließlich ist der Staat als Aktionär alles andere als ein zuverlässiger Eigentümer: Er ändert seine Meinung so oft, wie die Regierung ihre Farbe wechselt. Aus all diesen Gründen muss sich der Staat bei den Unternehmen raushalten. Dass er es im Fall EADS nicht tut, liegt vielleicht daran, dass er den Konzern nicht zu sehr französischem Einfluss aussetzen will, vielleicht glaubt er auch, dass Rüstung ein zu wichtiges Thema ist, um es völlig den privaten Unternehmen zu überlassen – wir können es leider nur vermuten, denn die Debatte wird nicht öffentlich und nicht ehrlich geführt. Offenbar überwiegt das schlechte Gewissen, etwas gegen die Ordnung zu tun. Schlechtes Gewissen aber war noch nie ein guter Ratgeber.

„Warum nur diese Lügen?“

„Warum nur diese Lügen, warum nur diese Angriffe?!?“ Empört reagiert Margaret Papandreou (89) auf Vorhaltungen, sie habe über ein Schweizer Konto mit einem Guthaben von 550 Millionen Dollar verfügt. Die Mutter von Ex-Premier Giorgos Papandreou verberge sich hinter einem Decknamen, heißt es in Griechenland. Der Vorwurf kommt nicht von irgendwem, sondern vom Chef einer Einheit der Steuerpolizei. Falls der Steuerpolizist die Unwahrheit sagt, hat die Politiker-Familie der Papandreous in Griechenland zumindest den Boden dafür bereitet, dass eine solche Meldung überhaupt plausibel erscheint. Ist sie richtig, könnten die, die für lausige 20.000 Euro ihr Dasein als Redner fristen, vor Neid erblassen.

Ihr

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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