Was vom Tage bleibt

_

Was vom Tage bleibt: Buffetts Zeichen

Der Starinvestor glaubt an Spaniens Banken. Deutschland steht vor einem Sündenfall und Griechenland vermutet seinen nächsten Skandal. Die Kommentare zum Tag.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Anzeige

Krise im Griff

Alle lieben Warren Buffett: für seine Weisheiten („Ich investiere niemals in ein Geschäftsmodell, das nicht jeder Trottel versteht, denn ich bin mir sicher, dass irgendwann einmal ein Trottel Vorstandsvorsitzender von eben diesem Unternehmen wird.“), für seine Ukulele und für seinen Optimismus. Heute hat Buffetts eigene Versicherungsgesellschaft 600 Millionen Euro ausgegeben, um die spanische Caixa-Bank rückzuversichern. Ausgerechnet eine spanische Bank! Eine von denen, die bislang als besonders ungesund galt. Der Mann mit dem goldenen Händchen gibt uns damit ein Zeichen: Deutlicher als er kann niemand zeigen, dass die Krise im Griff ist.

Spanien sei Dank

Die Nachricht ist bei Anlegern in Deutschland jedenfalls angekommen. Der Dax ist auf den höchsten Stand seit 17 Monaten gesprungen. Allerdings war es weniger Buffetts Coup als vielmehr der formale Antrag Spaniens auf Hilfen für seinen maroden Bankensektor, der der Börse den entscheidenden Schub verlieh. Der Dax baute daraufhin seine Gewinne aus. „Das ist der einzig vernünftige Schritt für die Institute“, sagte ein Börsianer. Und ein beruhigender für die Anleger, wie wir sehen.

Was vom Tage bleibt Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Unseren kommentierten Nachrichtenrückblick ab 18.30 Uhr werktäglich in Ihrem Postfach - hier bestellen.

Was vom Tage bleibt: Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Die Ordnung der Dinge

Es gibt eine höhere Ordnung der Dinge – die geht so: Den Unternehmern gehören die Unternehmen. Manchmal gerät diese Ordnung durcheinander. Zum Beispiel wenn sich Deutschland wie geplant beim Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS einkauft. Das ist schlecht, denn der Staat ist kein guter Aktionär: Er ist langsam in der Entscheidung, was daran liegt, dass er Gott sei Dank demokratisch regiert wird. Er denkt politisch, was oft das Gegenteil von einer unternehmerischen Strategie ist. Schließlich ist der Staat als Aktionär alles andere als ein zuverlässiger Eigentümer: Er ändert seine Meinung so oft, wie die Regierung ihre Farbe wechselt. Aus all diesen Gründen muss sich der Staat bei den Unternehmen raushalten. Dass er es im Fall EADS nicht tut, liegt vielleicht daran, dass er den Konzern nicht zu sehr französischem Einfluss aussetzen will, vielleicht glaubt er auch, dass Rüstung ein zu wichtiges Thema ist, um es völlig den privaten Unternehmen zu überlassen – wir können es leider nur vermuten, denn die Debatte wird nicht öffentlich und nicht ehrlich geführt. Offenbar überwiegt das schlechte Gewissen, etwas gegen die Ordnung zu tun. Schlechtes Gewissen aber war noch nie ein guter Ratgeber.

„Warum nur diese Lügen?“

„Warum nur diese Lügen, warum nur diese Angriffe?!?“ Empört reagiert Margaret Papandreou (89) auf Vorhaltungen, sie habe über ein Schweizer Konto mit einem Guthaben von 550 Millionen Dollar verfügt. Die Mutter von Ex-Premier Giorgos Papandreou verberge sich hinter einem Decknamen, heißt es in Griechenland. Der Vorwurf kommt nicht von irgendwem, sondern vom Chef einer Einheit der Steuerpolizei. Falls der Steuerpolizist die Unwahrheit sagt, hat die Politiker-Familie der Papandreous in Griechenland zumindest den Boden dafür bereitet, dass eine solche Meldung überhaupt plausibel erscheint. Ist sie richtig, könnten die, die für lausige 20.000 Euro ihr Dasein als Redner fristen, vor Neid erblassen.

Ihr

Oliver Stock

  • 04.12.2012, 10:00 Uhrhelle1504

    Sie schreiben: "Heute hat Buffetts eigene Versicherungsgesellschaft 600 Millionen Euro ausgegeben, um die spanische Caixa-Bank rückzuversichern". An anderer Stelle steht im Handelsblatt: „Wie am Wochenende bekannt wurde, zahlt Berkshire 600 Mio. Euro, um ein Portfolio an Lebensversicherungen von der Caixa-Bank rückzuversichern“. Das zweite ist korrekt.

  • 03.12.2012, 21:18 UhrUlrich62

    Warum nur diese Lügen?“

    Hallo Herr Stock,

    das ganze Ding ist oberfaul.Hab alle meine Quellen benutzt.

    Man weiß nicht einmal,sind das Euro oder Drachmen,die da liegen. Dann wären es statt 500 nur 1,5 Millionen Euro.

    Das Konto lautet auf eine Mitarbeiterin einer irischen Holding.

    In der Largarde Liste,hab sie hier,stehen nur Namen und
    Berufe,keine Adressen,keine Summen,die auf den Konten liegen.

    Recherchiert haben die griechischen Finanzbehörden in der
    Schweiz bei der HBSC aber nicht,wie auch,haben ja Bankgeheimnis.

    Für mich gibt es nur die Erklärung,dass die Regierung mit
    allen Tricks versucht, das Steuerabkommen mit der Schweiz
    zu verhindern. Sonst gibt das alles keinen Sinn.

  • 03.12.2012, 20:08 UhrLudwig500

    Man könnte fast glauben, Buffett weiss noch etwas genauer, dass Spanien´s Banken auf jeden Fall gerettet werden, koste es den (deutschen) Steuerzahler was es wolle.

    Ob ich Buffet den Erfolg oder den Misserfolg wünsche muss ich noch überlegen. Ich tendiere dazu, dass er möglichst schnell noch ein paar Milliärdchen verdient, diese dann aber nach dem folgenden Megacrash genau so wenig wert sind wie seine anderen.

  • Kommentare
Obamas Rede in Berlin: Charmante Luftschlösser

Charmante Luftschlösser

Historischer Ort, hohe Erwartungen: Das verleitet Obama dazu, in Berlin Luftschlösser zu bauen: Er startet eine Abrüstungsinitiative, beschwört Berlins Freiheitsgeist und erklärt sein Ausspähprogramm. Ein Kommentar.

Proteste in der Türkei: „Solange wir Raki trinken, soll uns Erdogan egal sein“

„Solange wir Raki trinken, soll uns Erdogan egal sein“

Ein Volk begehrt gegen seinen Präsidenten auf – gilt das für die Türkei? Nein. Die Protestler sind alles andere als glaubwürdig, meint der türkische Kabarettist und Bestseller-Autor Serdar Somuncu in seinem Gastbeitrag.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Commerzbank a.D.

Commerzbank a.D.

Jeder neunte soll gehen, aber keinem wird gekündigt: Die Commerzbank steht vor einem Kunststück. Obama hat Visionen und Bernanke dreht Abschiedsrunden. Der Tagesbericht

Kleinleins Klartext: Die Risiken der betrieblichen Altersvorsorge

Die Risiken der betrieblichen Altersvorsorge

Kleine Unternehmen haben keine Lobby. Jetzt möchte ihnen die Politik auch noch mehr betriebliche Altersvorsorge aufhalsen. Dann dürfte es einige Probleme geben - für Mitarbeiter wie auch für Führungskräfte.

Spezialblog Warum Brüderle das Denken sein lassen sollte

Es gibt ein Forum, das nennt sich Trainertalk. Dort können sich verzweifelte Übungsleiter mit Fragen wie "Was mache ich, wenn mein Stürmer nicht mehr trifft?" an die Kollegen wenden. Auch die FDP hat eine Sturmspitze, die in den Strafräumen... Von Stefan Kaufmann. Mehr…

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: Rote Linien für den Handels-Deal

Rote Linien für den Handels-Deal

Europa winkt durch eine Handelspartnerschaft mit den USA ein Wachstumsimpuls von weit mehr als 100 Milliarden Euro. Dennoch sollten den Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen klare Bedingungen gestellt werden.

Gastbeitrag: Transatlantische Werte neu justieren

Transatlantische Werte neu justieren

Amerikas Datenskandal und die geplanten Freihandelszone zwischen Europa und den USA prägen den Besuch des US-Präsidenten in Berlin. Dabei werden die Weichen für das transatlantische Verhältnis neu justiert.

Gastbeitrag zur US-Netzspionage: Wenn der gläserne Mensch Realität wird

Wenn der gläserne Mensch Realität wird

Die Polizeigewerkschaft sieht die US-Netzspionage als Vorbild für Deutschland. Der Grünen-Europapolitiker Albrecht weist das zurück und erläutert, warum der EU-Datenschutz immer noch löchrig ist.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.