Was vom Tage bleibt
Bye, bye Karstadt

Karstadt steht vor dem Eigentümerwechsel, Deutschland diskutiert über Irak-Hilfen. Die Ukraine erwartet den russischen Konvoi, das deutsche Wachstum stockt und die Rente mit 63 ist extrem beliebt. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Abschied

Nun wird es nicht mehr lange dauern, die unglückliche Verbindung zwischen dem Investor Nicolas Berggruen und dem angeschlagenen Karstadt-Konzern steht vor dem Ende. Gut, dass dieses unrühmliche Kapitel aus der Karstadt-Historie keine Fortsetzung finden wird. Berggruen hat sich mit diesem Investment völlig verhoben und muss nun kleinlaut den Rückzug antreten. Es kommt wieder ein Einzelinvestor als Nachfolger, jetzt ist der österreichische Immobilien-Unternehmer René Benko am Zug. Es wird auf jeden Fall harte Einschnitte geben, etliche Kaufhäuser dürften geschlossen werden. Das ist die letzte Chance für Karstadt. Allen Beteiligten muss klar sein: Auch Benko kommt nicht als Wunderheiler, das ganz große Scheitern ist noch immer möglich.

Verantwortungsvoll

Im Norden des Irak will der grauenvolle Völkermord an Jesiden und Christen kein Ende nehmen. Für den Westen ergibt sich daraus die Verpflichtung, den Menschen auf der Flucht zu helfen. Angesichts dieses unglaublichen Verbrechens sollten auch Waffenlieferungen ausdrücklich zugelassen sein. Deutschland darf sich in einer solch schwierigen Situation nicht verstecken, auch nicht bei der Lieferung von Waffen. Unsere eigene schreckliche Geschichte lehrt uns, dass wir bei einem Völkermord nicht wegsehen dürfen.

Freie Fahrt

Seit Tagen beherrscht der russische Hilfskonvoi die Schlagzeilen. Darf er nun in die Ukraine fahren oder nicht? Inzwischen hat sich das Rote Kreuz eingeschaltet und sich grundsätzlich zur Übernahme der Hilfsgüter bereiterklärt. Auch wenn der Konvoi einen ziemlich geschickten PR-Schachzug der russischen Regierung darstellt, darf sich die ukrainische Führung in Kiew nicht länger gegen eine Einreise der russischen Helfer sperren. Der Konvoi verspricht tatsächlich Linderung der Not, die Menschen in der Ostukraine sind dringend auf Hilfe und Unterstützung angewiesen.

Heilsame Lehre

So mancher hat in den vergangenen Wochen geglaubt, die deutsche Wirtschaft sei unantastbar. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit, das nicht zu bremsende Wachstum: Alles sah danach aus, als ob nichts die deutschen Unternehmen stoppen könnte. Doch jetzt sieht auf einmal alles ganz anders aus, die deutsche Wirtschaft schrumpft. Die wachsenden Spannungen in der Welt sind der Grund, verletzlich ist Deutschland besonders wegen der Ukraine-Krise. Der aktuelle Einbruch ist ein heilsamer Weckruf – Deutschlands Wirtschaft kann sehr wohl ganz empfindlich getroffen werden.

Quittung

85.000 Menschen haben bislang den Antrag auf die neue Rente mit 63 gestellt. Viel zu viele, die Große Koalition hat damit ein völlig falsches Zeichen gesetzt. In Anbetracht einer schrumpfenden Bevölkerung ist es völlig unsinnig, das Rentenalter jetzt herunterzusetzen. Die Regierung in Berlin meint wohl, die Deutschen lebten in einem Schlaraffenland. Die Quittung dafür werden wir noch alle bezahlen.

 

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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