Was vom Tage bleibt
Chaostage in der FDP

Die Liberalen ringen um Führung. Die Opposition kämpft trotzdem lieber gegen Banken als gegen den politischen Gegner. Die Modekette Zara macht ihre Besitzer reich und Lauda nimmt Abschied. Der Tagesbericht.
  • 1

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Jugend forscht

"Gott", so hat die Kanzlerin gesagt, "hat die FDP erschaffen, um uns zu prüfen." Gerade fällt die Prüfung wieder schwierig aus: Denn Philipp Röslers politische Karriere hängt am Ausgang der Niedersachsenwahl und damit am seidenen Faden. Möglicherweise schafft Rösler in seiner Heimat nicht einmal die fünf Prozent, und dann ist er eben weg. Das ist allen klar und ihm am meisten - trotzdem habe er sich die Frage des Rücktritts nie gestellt, ließ er heute in einem Interview wissen. Weil ihm das keiner glaubt, und weil es den Liberalen schwerfallen wird, auf ihrem Drei-Königstreffen am Sonntag der Frage nach der Rösler-Nachfolge auszuweichen, macht die Partei den Eindruck, als sei sie Teilnehmer am Bundeswettbewerb "Jugend forscht". Für uns, die wir doch so sehr an die Liberalen glauben wollen, ist es eine harte, lange Prüfung.

Wahlkampf gegen Banken

Als jüngst der Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain diese Redaktion besuchte, unterhielten wir uns über die Durchsuchung der Bank. Der smarte Banker machte kein Hehl daraus, dass er sich über das hochgerüstete Aufgebot an Polizisten, Waffen und Helikoptern gewundert habe. Als ich später mit einem Berliner Pastor darüber sprach, sagte der, die Bilder dieser Durchsuchung seien für seine Gemeindemitglieder das einprägsamste Ereignis des vergangenen Jahres gewesen. Die Politik steht klar auf Seiten dieser Gemeinde: Mit einem Anti-Banken-Wahlkampf machen die Parteien Front gegen den Finanzsektor. Am drastischsten sind die Pläne der SPD, die heute deutlich machte, dass sie Banken im Zweifelsfall sogar die Lizenz entziehen will. Wenn sich der politische Gegner nicht packen lässt, muss eben ein anderer her, denkt sich die Opposition.

Zara macht Milliardäre

"Es war ein großartiges Jahr für die Milliardäre der Welt”, stellt Milliardär John Catsimatidis in einer E-Mail fest, die er von den Bahamas abschickt, “und 2013 wird es weiter um Investmentchancen rund um den Globus gehen. Größter Gewinner laut den neuesten Zählungen der Nachrichtenagentur Bloomberg ist Amancio Ortega, der Gründer der spanischen Textilkette Inditex SA. Das Vermögen des 76 Jahre alten Tycoons verdoppelte sich im vergangenen auf 57,5 Mrd. Dollar. Die Aktien von Inditex kletterten kräftig. Den Laden kennen wir unter Modelabels wie Zara oder Massimo Dutti, womit klar wird: Herr Ortega wird auch durch Zutun von uns Deutschen reich. Vielleicht könnten Steinbrück und Co. ja mal schauen, wo er seine Steuern zahlt, anstatt immer nur den Banken nachzurennen.

Renaults tapfere Tochter

R4, R5, Espace - in diesen Autos bin ich aufgewachsen. Man brauchte keine frankophilen, sondern nur praktische Eltern um solche Wagen in Papas Garage zu finden. Heute gibt es immer noch praktische Menschen, immer mehr von ihnen fahren aber keinen Renault, sondern einen Dacia. Die Tochtermarke hat verhindert, dass die Mutter bei ihren Zulassungszahlen in Deutschland nicht ins Bodenlose stürzte. Was jetzt noch fehlt ist Glanz. Die Mutter hat ihn längst verloren, die Tochter hat ihn nicht geerbt - er ist irgendwo abhanden gekommen.

Lauda bleibt am Boden

Niki Lauda verlässt den Verwaltungsrat von Air Berlin. Er will sich künftig einer Aufgabe beim Formel-1-Team von Mercedes widmen heißt es. Wer Lauda kennt, weiß: Der Österreicher ist längst kein Rennfahrer mehr, sondern durch und durch ein Unternehmer. Einer der mitreden will, einer der um sein Lebenswerk kämpft, das einst Lauda-Air hieß. Für solche ist jedoch kein Platz mehr bei der angeschlagenen Air Berlin. Da kann Niki Lauda sicher Joachim Hunold fragen.

Ich wünsche Ihnen einen ausdauernden Abend

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Chaostage in der FDP"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Chaostage der FDP sind (in unseren "quasi gleichgeschalteten" rot-grünen Medien) schlagartig vorbei, wenn Rot-Grün die Gelben für eine Ampel-Koalition gewonnen haben haben...
    Zum Thema "Wahlkampf gegen Banken" ist nur anzumerken, dass die SPD schon immer ihr Mäntelchen in den Wind gehängt hat, und der Wind bläst nun mal den Banken ins Gesicht: kein Wunder dass die SPD (SuperPopulisten Deutschlands) da ganz vorne mitmacht, weil sie sich Wählerstimmen verspricht. (Vgl Handelsblatt-Beitrag über die Intelligenzentwicklung in der Geschichte)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%