Was vom Tage bleibt

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Was vom Tage bleibt: Chinesisch-schwedische Irrfahrt

Der Chefwechsel bei Volvo löst keine Probleme, im deutschen Schulsystem werden alte Zöpfe abgeschnitten und in der Energiebranche sind die Aussichten düster. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.
Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

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Gegen jede Logik

Das hatten sich die Chinesen so schön einfach vorgestellt: Wir kaufen uns die europäische Traditionsmarke Volvo und dann kommt der Erfolg im Automarkt von ganz alleine. Doch die Logik der Branche ist eine ganz andere. Volvo steht als Marke für das Auto von gestern: schwerer Stahl, robuste Motoren und großer Laderaum. Auch ist der Hersteller zu klein, und zu wenig international ausgerichtet, um mit der Großen der Branche mithalten zu können. Das jetzt dem deutschen Chef anzulasten und ihn rauszuschmeißen, ist armselig. Ihn durch einen abgehalfterten MAN-Chef zu ersetzen, gegen den sogar noch Ermittlungen in der Korruptionsaffäre laufen, ist schlicht hilflos.

Abschied vom Anachronismus

Das war mehr als überfällig: Bald schreiben alle Abiturienten in Deutschland ihre Abschlussprüfungen nach gleichen Standards. Doch das kann nur ein erster Schritt sein zu einer noch stärkeren Vereinheitlichung des deutschen Schulsystems. In einer Zeit, in der von Arbeitnehmern ganz selbstverständlich mindestens bundesweite Mobilität erwartet wird, ist der bildungspolitische Föderalismus, der ihren Kindern den Schulwechsel mutwillig erschwert, ein ärgerlicher Anachronismus.

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Gefährliche Machtposition

Der Ölkonzern BP dürfte heil froh sein, wenn er seinen Anteil am russischen Joint-Venture TNK-BP wie geplant an Rosneft verkauft bekommt. Die Festnahme eines TNK-BP-Managers unter dubiosen Gründen mitten in den Übernahmeverhandlungen, spricht Bände über das unberechenbare Rechtssystem in Russland. Doch die globalen Auswirkungen dieses Deals dürften alles andere als erfreulich sein. Der regierungsnahe Energieriese Rosneft würde dann auf ein Fördervolumen von 4,5 Millionen Barrell pro Tag kommen, fast doppelt so viel wie der größte westliche Ölkonzern Exxon Mobil. Eine gefährliche Machtposition, die leicht ausgenutzt werden kann.

Verdüsterte Aussichten

Denn wirklich überzeugende Alternativen, die die Abhängigkeit vom Öl reduzieren, sind weiter rar. Beispiel Solarindustrie: Trotz der massiven staatlichen Förderung hat es jetzt auch den vermeintlich stärksten deutschen Vertreter der Branche erwischt, SMA Solar. Eine Gewinnwarnung ließ den Aktienkurs um bis zu 30 Prozent einbrechen, hunderte Arbeitsplätze werden abgebaut. Zahlreiche deutsche Mitbewerber wurden schon von chinesischen Konkurrenten übernommen. Aber ob ihnen das die Zukunft garantiert, können sie ja mal bei Volvo erfragen.

Was fehlt? Manchmal glaubt man nicht, dass wir wirklich im 21. Jahrhundert leben. In Wien musste jetzt auf Plakaten für eine Kunstaustellung nach vehementen Protesten der Intimbereich der auf den Kunstwerken abgebildeten Männer abgeklebt werden. Verstehen muss man das nicht: Mir fielen da angesichts der Zustände in Wirtschaft und Politik viel unanständigere Dinge ein.

Ich wünsche Ihnen ein abwechslungsreiches und erholsames Wochenende.

Florian Kolf

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