Was vom Tage bleibt: Commerzbank auf der Flucht nach vorn

Was vom Tage bleibt
Commerzbank auf der Flucht nach vorn

Die Gelben aus Frankfurt planen eine Kapitalerhöhung. Mal wieder. Die Volksbanken stöhnen über Niedrigzinsen. Die Bundesbank stapelt tief und Evonik will ein bisschen an die Börse. Die Tageskommentare
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Das Tor zur Sixtinischen Kapelle hat sich geschlossen und nun warten alle auf Rauchzeichen. Während wir warten können wir über anderes nachdenken.

Armer Commerzbank-Aktionär

Zum Beispiel darüber, warum die Commerzbank schon wieder eine Kapitalerhöhung von 800 Millionen Euro plant. Das jedenfalls berichtet das Manager Magazin und auf unsere Nachfragen hin, gab die Commerzbank keine Auskunft. Von anderer Seite kam inzwischen die Bestätigung. Also 800 Millionen Euro für neue Aktien - das verwässert erst mal den Wert der alten, die jetzt bei 1,39 Euro vor sich hindümpeln. Aber Commerzbank-Aktionäre sind ja Kummer gewohnt. Geld kann die Bank immer brauchen. Ihre Kernkapitalquote ist kümmerlich. Und da die Märkte gerade ordentlich laufen, ist die spontane Entscheidung der Gelben wahrscheinlich eine Flucht nach vorn. Wieder einmal.

Evonik liebt Börsengang light

Eine andere Form von Börsengang hat das Spezialchemieunternehmen Evonik vor. Zwölf Prozent der Anteile des Unternehmens seien an „gut zwei Handvoll“ großer Investoren aus aller Welt gegangen, sagte Vorstandschef Klaus Engel heute. Hinzu kämen nun rund zwei Prozent für den freien Handel. Als "Börsengang light" lässt sich das beschreiben. Die Zahl der Leidensträger bleibt damit auf jeden Fall übersichtlich. Aber vielleicht ist ja auch das Glück mit den Tüchtigen. Engel jedenfalls ist einer davon.

Volksbanken stöhnen unter Niedrigzins

Auch so ihre Probleme haben die Volks- und Raiffeisenbanken. Obwohl die Summe der Einlagen, die Kunden diesen Banken anvertrauen, steigt, sehen die Gewinne nicht ganz so rosig aus. Das liegt am niedrigen Zins, der das Geldverdienen für die Braven unter den Banken schwerer macht. Die Sparkassen haben sich schon darüber beklagt. Heute hat es auch der Obervolksbank-Genosse Uwe Fröhlich getan. „Die Zinsen sind aus Sicht der deutschen Wirtschaft viel zu niedrig“, warnt er. Wenn er mit Wirtschaft Finanzinstitute meint, hat er sicher recht.

Weidmann stapelt tief

Was waren das noch für Zeiten 1997! Damals machte die Bundesbank umgerechnet 12,1 Milliarden Euro Gewinn. Das ist exakt 18,2 Mal so viel wie 2012. Der Grund für den mickrigen Gewinn sind heute vor allem die hohen Rückstellungen, mit denen sich die Bundesbank gegen mögliche Folgen der Euro-Krise wappnet. "Risikovorsorge" nennt Bundesbankpräsident Jens Weidmann das. Er könnte auch sagen: "Druckmittel". Denn Weidmann erhöht so den Druck auf die Politik, der Zentralbank nicht jede Bürde, die sie nicht tragen will, aufzuhalsen. Falls die Euro-Krise verfliegt, wird übrigens aus den Rückstellungen ein üppiger Gewinn. Ist Weidmann dann ein strahlender Held? Eher nicht. Der Finanzminister, der jetzt mit weniger Geld von der Bundesbank auskommen muss als erhofft, dürfte ihn eher einen Tiefstapler nennen.

Maschmeyer schießt zurück

Die Rauchzeichen aus Rom lassen noch auf sich warten. Zeit für eine letzte Meldung: Beim ARD-Polittalk hatte sich Gastgeber Günther Jauch am Sonntag noch auf Carsten Maschmeyer eingeschossen, jetzt hat der AWD-Chef via befreundeter „Bild“-Zeitung zurückgeschossen. In der Sendung hatte Jauch eingeräumt, dass er selbst einmal für den Finanzdienstleister gearbeitet hat. Bei einer firmeninternen Veranstaltung trat Jauch 1991 vor AWD-Mitarbeitern und nahm dafür 18.000 Mark. Das war damals soviel, wie ein VW Golf kostete. Günther Jauch hat diese Summe auf Anfrage von Handelsblatt Online nicht dementiert. Sie ließe sich auf die Schnelle nicht verifizieren, sagte sein Anwalt. Fazit: Wir sind fast alle käuflich. Stehen wir doch einfach dazu.

Einen unverkäuflichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Commerzbank auf der Flucht nach vorn"

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  • Hoffentlich sind in den 800 Millionen für die Commerzbank auch die Mittel für eine Abfindung an Herrn Blessing enthalten. Er hat sie zwar nicht verdient, sie sollte aber trotzdem schnell gezahlt werden, damit von unserem Aktienvermögen überhaupt noch etwas übrig bleibt.

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