Was vom Tage bleibt
Commerzbank spart amerikanisch

Der Commerzbank droht eine Millionenstrafe in den USA, das Sterben in der Ukraine geht weiter. Österreich streicht Schulden der Hypo-Alpe, Adidas attackiert Nike und im Fußball geht es um alles. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der pekuniäre Unterschied

500 Millionen zu neun Milliarden Dollar: Das ist der Unterschied zwischen Commerzbank und BNP Paribas. Die deutsche Großbank kommt vergleichsweise glimpflich davon, weil sie mit den Ermittlern auf der anderen Seite des Atlantiks kooperiert. Die französischen Konkurrenten haben immer weiter munter Geld in den Iran und in den Sudan transferiert und damit gegen amerikanische Sanktionsregeln verstoßen. Andere Banken sollten sich das Ergebnis sehr genau ansehen. US-Behörden kennen überhaupt keinen Spaß mehr, die Zusammenarbeit mit den Kontrolleuren senkt dort definitiv die Kosten.

Schon fast vergessen

Es scheint so, als ob wir die Ukraine fast völlig aus unserer Erinnerung gestrichen hätten. Im Frühjahr hat das Land noch die Schlagzeilen bestimmt, die Angst vor einem europaweiten Flächenbrand groß. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass es zum Glück nicht dazu kommen wird. Gestorben wird trotzdem, nämlich in der Ostukraine und das in großer Zahl. Medien, Politik, Wirtschaft hierzulande – alle können etwas dafür tun, dass die Ukraine wieder zum Thema und dass das Blutvergießen endlich gestoppt wird. 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges sollte auch in der Ukraine klar sein, dass in Europa kein Platz mehr für Krieg ist.

„Bail-in“ auf Österreichisch

Österreich hat sich nicht aufhalten lassen und hat tatsächlich heute im Parlament den Schuldenschnitt für die Hypo Alpe Adria beschlossen. Das sogenannte „Bail-in“, also die Beteiligung der Anleger, ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Das Problem in Österreich und bei der Hypo besteht nur darin, dass Anteilseigner mit herangezogen werden, für deren Hypo-Anleihen die öffentliche Hand in Österreich eigentlich garantiert. Die Alpenrepublik darf sich also nicht wundern, wenn sie an den internationalen Finanzmärkten künftig nicht mehr ganz so ernst genommen wird. Denn: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

Fehl-Kick

Adidas hat es immer noch nicht geschafft, den Erzrivalen Nike vom ersten Platz unter den weltweit größten Sportartikelherstellern zu verdrängen. Vor allem in den USA ist es den Deutschen nie richtig gelungen, nennenswert an der Spitzenposition von Nike zu kratzen. Auch die Übernahme des US-Konkurrenten Reebok hat Adidas nicht wesentlich voranbringen können. Ordentlich punkten würde Adidas nur, wenn auch der europäische Fußball eine größere Bedeutung in den USA bekommen würde. Vielleicht helfen dabei die sportlichen Erfolge des US-Teams unter seinem deutschen Trainer Jürgen Klinsmann. Und wenn Adidas jetzt auch noch Nike bei Manchester United verdrängen sollte, dann wird das sicherlich auch wohlwollend bei US-Fans wahrgenommen.

Zittern für Deutschland

Damit sind wir beim eigentlich allein entscheidenden Thema für den heutigen Abend: die Fußball-WM in Brasilien und das Halbfinale mit der deutschen Mannschaft. Wie meinte Teamkapitän Philipp Lahm noch zu Wochenbeginn? Nach zwei dritten Plätzen bei den beiden vorangegangenen Weltmeisterschaften will er „jetzt mehr – definitiv“. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Nur ein Sieg zählt für Deutschland heute Abend, sonst droht hierzulande wieder einmal ein Anflug von Depression. Lassen wir uns also überraschen.

Einen spannenden Fußball-Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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