Was vom Tage bleibt
„Danke, Ursula“

Die Piëchs ordnen ihr Erbe. Wirtschaftsforscher blasen der EZB den Marsch. Daimler könnte einen Großaktionär verlieren. Und Playmobilfiguren fühlen sich von den Piraten missbraucht. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Frau Piëch, übernehmen Sie!

Dass Volkswagen ein Familienunternehmen ist, wird den Aktionären auf der Hauptversammlung eindrucksvoll vorgeführt: Als sich Ursula Piëch heute den Aktionären in Hamburg als Aufsichtsratskandidatin vorstellt, schlägt der ansonsten unnahbare Aufsichtsratschef und Ehemann Ferdinand Piëch im Anschluss einen vertraulichen Ton an: „Danke, Ursula.“ Damit ist allen klar, dass der Ingenieur und die gelernte Kindergärtnerin den umsatzstärksten Autobauer der Welt fest im Griff haben. Kritik von Aktionären an der Zusammensetzung des Aufsichtsrats prallen am Ehepaar Piëch ab. Und das ist richtig so. VW ist im Kern ein Familienunternehmen. Eigentümer sind die Porsches und Piëchs. Sie sagen, wo es lang geht. Sie haben das allergrößte Interesse daran, dass es dem Unternehmen gut geht. Deswegen können auch sie entscheiden, wer VW führt. Wenn sie es Ursula Piëch zutrauen, dann ist es deren Pflicht, dieser Aufforderung nachzukommen.

Die Warnung der Propheten


„Die Auftriebskräfte gewinnen in Deutschland die Oberhand“, heißt es in dem 82-seitigen Gutachten der führenden deutschen Forschungsinstitute, die für die Bundesregierung in die Glaskugel sehen. Das ist schön. Noch schöner ist, dass sich die gute Konjunktur für die deutschen Arbeitnehmer auszahlt. Nach der Prognose der Forschungsinstitute werden die Löhne in diesem und im kommenden Jahr im Schnitt um mehr als drei Prozent steigen. Da können sich die Gewerkschaften, die dafür gekämpft haben, auf die Schulter klopfen. Allerdings dürfte auch die Inflation für deutsche Verhältnisse hoch bleiben und einen großen Teil der Lohnzuwächse aufzehren. Auch das ist ein Ergebnis der Lohnpolitik. Nicht schön ist, dass die Spitzenökonomen sich gezwungen sehen, deutliche Kritik an der Krisenpolitik in Europa zu üben. „Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank stehen auf dem Spiel“, schreiben die Wissenschaftler. Seit Beginn der Finanzkrise interveniere die Zentralbank und stütze jetzt sogar indirekt die Staatsfinanzen. Dies könne nicht mehr lange gut gehen. „Es besteht die Gefahr, dass die Geldpolitik aus ihrer inzwischen eingetretenen Zwangslage nicht mehr freikommt“, warnen sie. Ihnen wird es gehen, wie so vielen Propheten: Ihre Warnungen verhallen, bis ihre Vorhersagen eintreffen.

Daimlers Beifahrer steigen aus

Der Autobauer Daimler könnte seinen Großaktionär Abu Dhabi verlieren. Der Staatsfonds Aabar wolle sein Engagement bei den Schwaben beenden, berichtet das „Manager Magazin“ unter Berufung auf Konzernkreise. „Uns ist nicht bekannt, dass Aabar seinen Anteil reduzieren will“, sagte ein Daimler-Sprecher und gab damit zu erkennen, dass ein Dementi anders klingt. Dem Bericht zufolge will sich Aabar aus der Daimler AG, dem Formel-1-Rennstall des Autokonzerns und auch dem gemeinsamen Investment beim Elektroautobauer Tesla zurückziehen. Die Daimler-Aktie drehte nach der Meldung ins Minus. Wie gut das Daimler nicht Air Berlin ist. In die Fluggesellschaft sind arabische Investoren als Retter eingestiegen. Wenn sie aussteigen, droht Air Berlin der Absturz. Bei Daimler ist Aabar aber nur der Beifahrer. Der darf auch wieder aussteigen.

Nokia verliert den Anschluss

Im Nokia-Geschäft brennt es an allen Ecken und Enden. Konzernchef Stephen Elop muss nicht nur gegen die Übermacht des iPhones und der Android-Smartphones antreten. Auch bei den Billig-Handys, wo die Finnen immer stark waren, preschen Konkurrenten vor. Das Ergebnis: Ein monumentaler Verlust von 929 Millionen Euro allein im ersten Quartal, Rückgänge bei Absatz und Umsatz in allen Regionen der Welt. Selbst den Titel des größten Handy-Herstellers hat Nokia vermutlich bereits an Samsung verloren - nach fast 15 Jahren an der Spitze. Es ist ein Welten-Drama von Aufstieg, Hype und Untergang, das sich da in Finnland vollzieht. Der einzige Lichtblick in diesen dunklen Zeiten könnte für Nokia ein Blick zu Apple sein. Auch die Kalifornier waren einmal fast am Ende - bevor sie sich neu erfunden haben.

Spielkinder unter sich

Playmobil wehrt sich dagegen, dass seine Figuren immer öfter als Fotomotive für die Piratenpartei herhalten müssen. „In letzter Zeit waren die Piraten in der Presse gehäuft in Verbindung mit Playmobil-Figuren (...) abgebildet“, erklärte das Unternehmen in einer E-Mail an die Partei. „Playmobil ist aber ein politisch neutrales Spielzeug“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Kinder sollten nicht beeinflusst werden, indem sie die Figuren in einem politischen Zusammenhang sähen. „Wir möchten deshalb nicht, dass die Piraten die Figuren bewusst für ihre Werbung einsetzen.“ Die Piratenpartei reagierte mit Unverständnis auf die Ansage des Unternehmens. „Das ist mir ziemlich unklar. Wenn jemand Eigentümer von solchen Figuren ist, kann er meiner Meinung nach damit machen, was er will“, sagte Matthias Schrade, Beisitzer im Bundesvorstand der Piraten. Vermutlich haben die Piraten recht. Ob es ihnen allerdings recht sein kann mit Playmobilfiguren verglichen zu werden, bezweifelt jeder, der einer solchen Plastikfigur mal den Haarschopf abgerupft hat. Der Kopf darunter ist nämlich absolut hohl.

Spielen Sie heute Abend doch mal etwas ...

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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