Was vom Tage bleibt
Das Duo tritt ab, es lebe das Duo

Bei der Deutschen Bank beerbt ein Führungsduo das andere. Außer ihm selbst freuen sich alle über Erdogans Niederlage. Und: Wissen Sie, warum unsere Briefe wirklich liegen bleiben? Was heute geschah, lesen Sie hier.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Hoch gehandelt

Anshu Jain und demnächst auch Jürgen Fitschen sind ein Fall für die Ölbildgalerie in der Vorstandsetage der Deutschen Bank. Das neue Führungsduo heißt Paul Achleitner und John Cryan. Der Aufsichtsratschef und sein Kandidat sollen geraderichten, was Jain und Fitschen vorher verbogen haben. Wie einst Herkules in der griechischen Sage müssen sie einen Stall ausmisten, der seit einer halben Ewigkeit nicht mehr richtig gereinigt wurde. Im Fall des Herkules waren es 3000 Rinder, die den Stall 30 Jahre verdreckten. Im Fall der Deutschen Bank sind es 7000 Prozesse, in die die Bank verwickelt ist. Sie dürfte deswegen bald mehr Rechtsanwälte als Kundenberater beschäftigen. Das alte Führungsduo hat es zu oft darauf ankommen lassen und Rekordstrafen bezahlt. Das neue muss aufräumen, sich vergleichen und das Risiko von Höchststrafen begrenzen. Achleitner und Cryan – diese beiden sollten auch ein intaktes Verhältnis zu Aufsehern und Politik in Deutschland herstellen. Die Deutsche Bank ist der wichtigste Finanzpartner der deutschen Wirtschaft. Weder dem Wirtschaftsminister, noch dem Finanzminister oder gar der Kanzlerin ist das Geldhaus aus Frankfurt gleichgültig. Das Verhältnis zwischen Bank und Politik hat unter Jain und Fitschen gelitten. Achleitner und Cryan müssen es jetzt reparieren. Die Aktionäre trauen beiden den Neuanfang zu. Die Aktie der Deutschen Bank jedenfalls machte heute bereits einen Freudensprung. An der Börse werden Erwartungen gehandelt. Das neue Führungsduo muss sie jetzt erfüllen.   

Hoch verloren

Der türkische Staatspräsident Erdogan hat sich im Wahlkampf für seine Partei, die AKP, engagiert, obwohl er als Präsident einer für alle Türken sein wollte und nicht nur einer für die AKP-Wähler. Jetzt hat seine Partei verloren und damit auch Erdogan. Was für ihn eine schlechte Nachricht sein mag, ist für den Rest der Welt eine gute. Das Land braucht keinen Mann, der sich selbst Denkmäler setzt und ansonsten beispielsweise der Notenbank in ihre Geldpolitik reinredet. Die Türken brauchen auch keinen Sultan, der die Medien gängelt, politische Gegner ins Gefängnis werfen lässt und den türkischen Frauen sagt, wie viele Kinder sie bekommen sollen. Und der Rest der Welt braucht keinen Despoten an der Spitze einer Türkei, die an der Schwelle des von Krisen und Kriegen heimgesuchten Nahen Ostens liegt.

Über allen Gipfeln ist Ruh

Elmau ist zu Ende. Und nun? Das Klimaziel steht auf dem Papier, mit Griechenland wird weiter verhandelt und die Sanktionen gegen Russland werden verschärft, wenn Putin in der Ukraine nicht einlenkt. Selbst zur Fifa hatte der US-Präsident am Ende etwas zu sagen: In dem Maße, wie die USA im Fußball besser werden, müsse auch die Fifa in Sachen Transparenz besser werden. Irgendwie bleibt das Gefühl an diesem Abend nach dem Gipfel: Wer zu jedem etwas sagt, sagt zu allem nichts.

Die Post bleibt auf der Strecke

Briefträger und Paketboten der Deutschen Post streiken. Wer sich ein Bild machen möchte, dem nenne ich hier drei zahlen: Die Gewerkschaft Verdi fordert einen Gehaltssprung von insgesamt 12,5 Prozent. Postchef Appels Vergütung ist jüngst um 21 Prozent gestiegen. Ein Paket von München nach Hamburg zu befördern kostet um die sieben Euro. Die erste Zahl ist üppig, die zweite vermessen und die dritte geizig. Weil alles drei zusammenkommt, wird jetzt gestreikt.

Historische Personalie

Christiane Benner ist 47 Jahre alt und womöglich bald Vizechefin der IG-Metall. Sie hat damit gute Aussichten, irgendwann die größte deutsche Gewerkschaft sogar anzuführen. Ich nenne das historisch. Benner wäre die erste Arbeiterführerin seit Rosa Luxemburg.

Einen völlig renditelosen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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