Was vom Tage bleibt
Das Ende des griechischen Dramas naht

EU und Griechenland wollen den Kompromiss, die Lufthansa streicht die Dividende. Saab steht vor dem Aus, der Berliner Großflughafen bekommt einen neuen Chef und die GDL streikt diesmal nicht. Der Rückblick zum Tag.
  • 5

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Am Ende steht der Kompromiss
Den Finanzministern aus der Euro-Zone dürfte eine längere Nacht bevorstehen. Das Ende der jüngsten Griechenland-Verhandlungen ist noch offen. Sehr gut möglich, dass es auch an diesem Freitag kein Ergebnis geben wird. Aber auch mit einer Fortsetzung der Gespräche können die Euro-Zone und Griechenland leben. Denn eines ist jetzt schon klar: Beide Seiten wollen, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt. Auch Deutschland als wichtigstes und einflussreichstes Land der Euro-Zone will die Gemeinschaftswährung in ihrer jetzigen Form erhalten, also eben mit Athen. Alles ist nur eine Frage der Zeit, dann wird der Kompromiss stehen.

Vom Aktionär zum Piloten
Der Lufthansa geht es alles andere als gut. Deshalb ist es nur konsequent, dass die Eigentümer in einer solchen Situation leer ausgehen. Lufthansa-Aktionäre schauen in diesem Jahr also in die Röhre, Konzernchef Spohr lässt die Dividende wegen der Verluste ausfallen. Ein Jahr ohne Dividende ist vor allem eine Botschaft an die nimmersatten Piloten des Lufthansa-Konzerns. Immer wieder streiken sie, weil sie von ihren hohen Forderungen nicht herunter wollen. Genervt wenden sich die Passagiere von der Lufthansa ab, sie fliegen lieber mit einer zuverlässigen Airline. Hoffentlich werden die Piloten jetzt hellhörig: Wenn die Aktionäre verzichten müssen, können sie es wohl auch.

Ganz am Ende
Der letzte Versuch steht an. Die Gläubiger des konkursreifen schwedischen Autoherstellers Saab sollen Schulden erlassen, um das Unternehmen in allerletzter Minute zu retten. Niemand sollte sich allerdings etwas vormachen: Von der Traditionsmarke ist schon jetzt nicht mehr viel geblieben. Einige wenige hundert Mitarbeiter zählt das Unternehmen noch, eine sichere Zukunftsbasis ist das schon lange nicht mehr. Unternehmen werden gegründet und blühen auf, andere verschwinden. Saab gehört zur zweiten Kategorie, dieses Kapitel dürfte bald geschlossen sein.

Ein ganz Neuer
Zurückhaltung und Bescheidenheit ist manchmal gar nicht so schlecht. Karsten Mühlenfeld, Manager beim Triebwerke-Hersteller Rolls-Royce, soll der neue Chef des Berliner Flughafen-Projektes BER werden. Karsten wer? – Das wird sich sicherlich so mancher fragen. In der aktuellen Schieflage ist es aber die allerbeste Lösung, wenn der Berliner Flughafen einen stillen Techniker zum Chef bekommt, der sich allein auf den Kern der Sache besinnt. Hartmut Mehdorn, der noch amtierende BER-Boss, mag zwar einer der schillerndsten Manager in Deutschland sein. Aber richtig genützt hat dem Berliner Großflughafen Mehdorns Vergangenheit als Air-Berlin- und Bahn-Boss auch nicht. Es lebe der Neue: Hoffentlich schafft Mühlenfeld endlich die Inbetriebnahme von BER.

Ohnmächtig
Streiken sie oder streiken sie nicht? Bahn-Reisende werden aufatmen, dass sie ihre geplante Reise an diesem Wochenende tatsächlich antreten dürfen. Nach der jüngsten Streikdrohung der Lokführer-Gewerkschaft GDL dürfte es allerdings nicht mehr allzu lange dauern und in Deutschland ruht der Bahn-Betrieb wieder. Fahrgäste werden dem nicht viel entgegensetzen können. Sie sind die Geiseln der Lokführer, ihnen bleiben nur Ratlosigkeit und Ohnmacht. Und die Hoffnung, beim nächsten Streik vielleicht bei Kollegen und Nachbarn im Auto unterschlüpfen zu können.

Ein schönes Wochenende ganz ohne Griechenland und Deutsche Bahn wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Das Ende des griechischen Dramas naht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Wir sehen nicht das Ende des Griechendramas", nein, es wurde nur mit viel Geld wieder 4 Monate Zeit gekauft. In 4 Monaten beginnt das Drama von vorne. Wer die Altparteien gewählt hat ist mit dieser Politik einverstanden.
    Das HB hat über Monate und Jahre hinweg neue Parteien wie die AFD die sich gegen diese Politik stellten als Rechtspopulisten verunglimpft und beschimpft. Hier wäre seitens der Redaktion mehr volks- und betriebswirtschaftlicher Sachverstand erforderlich, um auch wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Allen voran Herr Stock als Chefredakteur. Wer für oder gegen etwas ist muss es auch erklären können. Das sehe ich beim HB nicht.

  • Woher will der Kommentator wissen, daß wir die Gemeinschaftswährung behalten wollen? Wir wurden und werden nie gefragt, wohlwissend warum.

  • Draghi zockt, IHR zahlt! Wer CDUSPRGrüne wählt, wählt Draghi und sein EUR-zu-LIRA-Projekt! Stoppt den Finanzlobbyismus und seine Vasallen in Brüssel (EU) und Frankfurt (EZB)!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%